Hormone - Dirigenten des Lebens
Hormone - Dirigenten des Lebens

Hormone sind die Botenstoffe des Körpers. Sie dirigieren unser Leben. Solange wir jung und gesund sind, kümmern wir uns wenig um sie. Doch wenn der Winter aufzieht, die Sonnentage rar werden oder die Wechseljahre bevorstehen, können sie den gesamten menschlichen Organismus aus dem Gleichgewicht bringen. Die Verlockung ist groß, ihnen durch Hormontherapien auf die Sprünge zu helfen – doch diese Waffen sind umstritten.

Ohne sie könnten wir nicht leben. Die Hormone übermitteln alle existenziellen Signale und Informationen in die Zellen und Gewebe des Körpers. Dort steuern sie wichtige physische und psychische Vorgänge wie Körpertemperatur, Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Verdauung, Wasserhaushalt und regeln Wachstum und Fortpflanzung. Kontrolliert werden sie vom Gehirn aus.

Die Bildung der Hormone erfolgt an vielen verschiedenen Stellen im Körper. Ob in bestimmten Drüsen- oder in Nervenzellen, in Organen oder Geweben – alle Botenstoffe gelangen über den Blutkreislauf an ihre Zielzellen. Dort docken sie sich an die passenden Empfangsmoleküle an. Die Mission all dieser Hormone ist dieselbe: spezifische Wirkungen im Körper in Gang zu setzen. Ihr Aufgabengebiet ist riesig. Dabei haben sie die Fähigkeit, über Gesundheit und Krankheit zu entscheiden.

Inhalt

Gute-Laune-Hormone

Ein schöner Sonnenuntergang, die Vorfreude auf ein besonderes Ereignis, das erste Date – lauter positive Dinge, die unseren Körper in ein Bad voller Glücksgefühle eintauchen. Begeisterung, Kribbeln im Bauch und Herzklopfen machen sich breit. Glückshormone durchströmen unsere Adern. Sie werden von Nervenzellen im Gehirn ausgeschüttet und kurbeln dessen Funktionen an.

Laut einer Studie die Dopaminmenge über das Temperament eines Menschen.

Allen voran das Gute-Laune-Hormon Dopamin. Dopamin ist wichtig für die körperliche Motivation und macht euphorisch. Laut einer Studie der Berliner Charité entscheidet die Dopaminmenge im Hirn sogar über das Temperament eines Menschen. Wird dann das Dopamin in Noradrenalin umgewandelt, wird die Euphorie noch größer. Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit steigern sich.

Winterblues ade

Gute-Laune-Hormone benötigen Licht, um aktiviert zu werden. Kein Wunder also, dass wir an kalten und tristen Tagen oftmals schlecht gelaunt sind. Schuld daran ist ein Mangel an Serotonin. Dieses Wohlfühlhormon ist eines der wichtigsten Botenstoffe in unserem Körper, mit zahlreichen lebensnotwendigen Aufgaben. Besondere Bekanntheit hat Serotonin durch seine Aktivitäten im Gehirn erlangt.

Werden Endorphine regelmäßig produziert, stabilisieren sie das Immunsystem.

Von dort aus fungiert es als Glückshormon. Dank seiner anregenden Wirkung vertreibt es Depressionen und hellt die Stimmung auf. Wenn man das weiß, ist es auch ein Leichtes, den Winterblues auszutricksen. So sorgt Bewegung an frischer Luft dafür, dass die Glückshormone wieder in Schwung kommen und uns zu mehr Elan verhelfen. Und wer regelmäßig Sport treibt, hebt den Serotonin-Spiegel sogar dauerhaft.

Auch positive Gedanken helfen, Glücksgefühle aufzubauen. Sie setzen Endorphine frei, die Schmerzen lindern – auch seelische. Werden sie regelmäßig produziert, stabilisieren sie sogar das Immunsystem. Diese Stimmungsaufheller sorgen ebenfalls dafür, dass das Power-Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) auf- und Stresshormone abgebaut werden. Wissenschaftler haben festgestellt, dass DHEA das Wohlbefinden des Menschen erheblich steigert. Dabei sorgt das DHEA dafür, dass der Körper nicht zu viel Energie verschleudert und schont dadurch die Zellen – ein idealer Jungbrunnen-Bote!

Abtauchen in den Jungbrunnen

Wahre Jugendelixiere sind auch die Sexualhormone. Sie haben beim Alterungsprozess entscheidend ihre Finger im Spiel. Östrogen beeinflusst den Blutfettstoffwechsel positiv; ein strahlender Teint und glänzende Haare sind das Ergebnis. Progesteron reguliert den Wasserhaushalt und sorgt dafür, dass Venen und Knochen stabil bleiben. Das männliche Hormon Androgen stärkt das Bindegewebe und verhindert die Fettpölsterchen auf den Hüften.

Es gibt auch Hormone, die in der Nacht arbeiten. Während wir schlafen, sind die Botenstoffe Somatropin und Melatonin in Aktion. Letzteres ist als Schlafhormon bekannt und sorgt für die notwendige Erholung in der Nacht. Das Wachstumshormon Somatropin ist an vielen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt und steuert alle Vorgänge, die für Aufbau und Regenerierung der Organe und Zellen nötig sind.

Die biologische Uhr läuft

Wenn es so viele Anti-Aging-Helfer gibt, warum bauen unsere Knochen dann im Laufe der Jahre ab, wird unsere Haut schlaffer, lässt unsere Leistungsfähigkeit nach? Leider nimmt die Produktion der meisten Hormone mit dem Alter ab. Die biologische Uhr tickt – ein Wermutstropfen, der fast alle Botenstoffe trübt.

Los geht es schon mit dem 20. Lebensjahr. Dann stellt das Wachstumshormon seine Tätigkeit nach und nach ein, ab 30 folgen die ersten körperlichen Veränderungen. Die Produktion der Sexualhormone lässt nach und der Stoffwechsel verändert sich.

Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und Erektionsstörungen können die Folge sein. Ab 35 bauen sich die Knochen schneller ab als auf und die Muskeln werden schlaffer – körperliche Beschwerden nehmen zu.

Der größte Einschnitt folgt dann mit den Wechseljahren, die um das 50. Lebensjahr eintreten: Die Hormone fangen an zu spinnen. Die Eierstöcke stellen nach und nach die Östrogenproduktion ein; schlaflose Nächte, plötzliche Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme sowie das Ausbleiben der Periode werden im Klimakterium zur Norm.

Fit durch die Wechseljahre

Wie heftig die klimakterischen Beschwerden sind, ist von Frau zu Frau verschieden. Circa 30 Prozent leiden stark, während die anderen mittlere bis leichte Begleiterscheinungen haben. Die meisten Frauen sind verunsichert, was sie dagegen tun sollen. Risiken wie Brustkrebs, Thrombose, Bluthochdruck sprechen gegen eine unkontrollierte Hormontherapie.

„Eine Hormonersatztherapie sollte immer nach individueller Beleuchtung von Risiken und Beschwerden.“ Dr. Sakina Heisig

In Fachkreisen gilt längst das Prinzip: So wenig Hormone wie möglich, so viel wie nötig. „Eine Hormonersatztherapie sollte nicht wie früher nach dem Gießkannenprinzip erfolgen, sondern immer nach individueller Beleuchtung von Risiken und Beschwerden“, rät deshalb Dr. Sakina Heisig, Frauenärztin in Kronberg im Taunus. Bei besonders starken klimakterischen Beschwerden, die die Lebensqualität beeinträchtigen, empfiehlt die Gynäkologin den kurzfristigen Einsatz von körpereigenen Hormonen (17-β-Östradiol und Progesteron) als sinnvolle und nebenwirkungsarme Therapie.

Sie werden aus Pflanzen gewonnen und erhalten im Labor die gleiche chemische Struktur wie unsere körpereigenen Hormone. „Östrogene verabreichen wir auch gerne über die Haut und Progesteron klassisch als Tablette, denn es wird über die Haut zum Schutz der Gebärmutterhöhlenschleimhaut nur unzureichend resorbiert“, so Sakina Heisig. In der Perimenopause, also ein bis zwei Jahre vor und nach der eigentlichen Menopause, setzt die Expertin auf Kombinationspräparate oder sogar Antidepressiva, wenn sie nicht mit körpereigenen Hormonen arbeiten kann.

Aus der Natur für den Körper

Eine sanfte und natürliche Alternative, die klassischen Beschwerden der Wechseljahre zu lindern, ist der Einsatz der so genannten Phytohormone. „Diese Medikamente auf pflanzlicher Basis spielen in der inneren Medizin, Allgemeinmedizin und Frauenheilkunde eine zunehmend bedeutende Rolle“, weiß Dr. Michael Janis.

Dr. Michael Janis vom Vitalicum Frankfurt
Dr. Michael Janis vom Vitalicum Frankfurt

Ihr Vorteil: „Sie üben auf den Hormonstoffwechsel eine ähnlich regulierende Wirkung aus wie körpereigene Hormone, sind aber frei von unerwünschten Nebenwirkungen“, erklärt der Facharzt für Allgemeinmedizin im Facharztzentrum Vitalicum.

So hilft der Traubensilberkerzenwurzelstock-Extrakt bei depressiven Verstimmungen, Schlafstörungen und Hitzewallungen. Die gleiche Wirkung zeigt sibirischer Rhabarber-Extrakt, der aber zusätzlich noch Ängstlichkeit vertreibt. Als echte Multitalente erweisen sich Soja und Rotklee, wenn es um einen ausgeglicheneren Hormonhaushalt geht. Deshalb werden sie bei Abnahme der sexuellen Lust und trockener Scheide eingesetzt.

Wem welches Kraut hilft, ist individuell verschieden – deshalb gilt hier: Probieren geht über Studieren. Um den Anti-Aging-Effekt zu verstärken, genügt es oftmals, seinen Lebensstil zu ändern. Ausdauersport, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und die Reduktion von Stress, Alkohol und Nikotin beeinflussen den Alterungsprozess bis zu 80 Prozent positiv.

Ganz gleich, für welche Methode man sich entscheidet: um unbeschwert durch die Wechseljahre zu kommen, man muss die richtigen Maßnahmen für sich persönlich herausfinden. Ein ausführliches Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt kann dabei helfen.


Die Waffen des Alters

Das Zusammenspiel zwischen Sexualhormonen und Gehirn gerät in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht. Wer aber glaubt krank zu sein, der irrt, denn diese hormonellen Umstellungen sind ein ganz natürlicher Prozess. Deshalb kann man Wechseljahresbeschwerden auch nur bedingt vorbeugen. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung sind das beste Rezept für das Wohlbefinden.

Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch die Wechseljahre

  • Normalgewicht anstreben und halten
  • ausgewogene Ernährung (Obst, Gemüse, Getreide- und Sojaprodukte bevorzugen)
  • ausreichende Bewegung (min. 10.000 Schritte am Tag)
  • stabiler Vitamin-D-Spiegel (beugt Osteoporose vor)
  • ausreichende Flüssigkeit (min. 2 Liter täglich)
  • möglichst wenig Alkohol trinken auf Zigaretten verzichten
  • Stress abbauen und für Entspannung sorgen (z.B. mit Autogenem Training oder Yoga)
  • besondere Hautpflege: sich vor Sonnenbrand schützen, auf Haut-Cremes mit hohem Fett- und Feuchtigkeitsanteil achten (z.B. Cremes mit Hyaluron)

Das Hormontief beim Mann

Auch Männer bleiben von der Hormonumstellung des Körpers nicht verschont. Die Haare lichten sich, die Libido lässt nach. Der Testosteronspiegel sinkt – übrigens ab dem 35. Lebensjahr um jährlich ein Prozent. So geschieht der Hormonabbau beim Mann eher schleichend und wird daher weniger wahrgenommen als beim weiblichen Geschlecht.

In dieser sogenannten Andropause nimmt die Leistungsfähigkeit ab, Gelenkbeschwerden machen sich bemerkbar. Aber auch Erektionsstörungen, Libidoverlust, allgemeine Unlust und Gewichtszunahme können Folge von Testosteronabbau sein. „Die Therapie richtet sich nach den Hormon- und Schilddrüsenwerten und kann medikamentös chemisch wie auch pflanzlich erfolgen“, so Dr. Michael Janis vom Vitalicum Frankfurt.

Um die Hormonproduktion wieder anzukurbeln, empfehlen Ärzte in dieser Lebensphase eine ausgewogene Ernährung mit viel Vitaminen und Mineralien sowie regelmäßiges, leichtes Krafttraining. Im Hormontief sollten Männer extrem auf ihr Gewicht achten und Bauchfett vermeiden.

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