Outdoor-Training boomt: Immer mehr Sportbegeisterte leisten ihr Pensum nicht mehr im Fitnessstudio, sondern bei Wind und Wetter im Freien ab. Doch welche Vorteile hat ein Gruppen-Workout außerhalb der Komfortzone? Welche Anbieter gibt es in Frankfurt? Und welche Herausforderungen bringen Extrem-Hindernisläufe wie Tough Mudder mit sich? Top Magazin Frankfurt hat sich auf Spurensuche begeben.

Verzerrte Gesichter, Strapazen, schlammige Hände. Vor Jochen Bender liegt eine Gruppe verschwitzter Körper auf einer nassen Wiese am Holbeinsteg. Die Unterarme und Zehenspitzen fest gegen den Boden gepresst, den Blick starr geradeaus gerichtet. „Durchhalten“, ruft er, während die Truppe am Boden merklich zu zittern beginnt. „Noch drei, zwei, eins… geschafft!“ Erschöpfte Glieder sinken zu Boden, ein leises Stöhnen geht durch die Runde.

Zwei Mal wöchentlich trifft sich die Gruppe am Mainufer und bringen den Körper während des Bootcamp-Trainings unter freiem Himmel auf. Der Trend, die Natur zum persönlichen Fitnessstudio zu machen, ist ungebrochen. Jochen Bender, der das Bootcamp als Trainer betreut, weiß, warum: „Ein Fitnessstudio kann einengend wirken. Oft tummeln sich viele Menschen auf einem Fleck, häufig muss man warten und wird nach der Einweisung alleine gelassen. Hier hingegen ist eine durchgängige Betreuung gewährleistet, weil ständig ein Trainer an der Seite der Teilnehmer ist“, erklärt der studierte Sportwissenschaftler.

Sweat and smile

Ropetraining im Freien beim Original Bootcamp
Ropetraining im Freien beim Original Bootcamp

„Original Bootcamp“ – dahinter verbirgt sich ein deutschlandweit buchbarer 8-wöchiger Outdoor-Fitnesskurs, der auf ein Zirkeltraining mit sanftem Drill, persönliche Betreuung und einen begleitenden Ernährungsplan setzt. Trainiert wird zwei Mal wöchentlich in einer festen Gruppe von vier bis zwölf Personen; in Frankfurt wird das Camp vom Grüneburgpark über das Europaviertel bis hin zum Mainufer in fast allen Ecken der Stadt angeboten.

Verfolgt wird ein Hochintensitätstraining, also das Ausführen von kurzen und harten Trainingseinheiten, die sich von Einheit zu Einheit unterscheiden. Das eigene Körpergewicht und Geräte wie Kettlebells oder Seile stehen dabei im Fokus. „Functional Training“ nennt sich diese sportwissenschaftliche Methode, die Bewegungsabläufe aus dem Alltag in den Vordergrund der Übungen rückt.

„Die Hürde des Absagens ist wesentlich höher.“ – Jochen Bender

Trainiert wird bei jedem Wetter – dem inneren Schweinehund zum Trotz. „Wer kennt das Phänomen nicht: Wir nehmen uns vor, zum Sport zu gehen, lassen es am Ende aber doch sein. Beim Bootcamp hingegen wartet die Gruppe, man hat quasi eine feste Verabredung mit seinen Mitstreitern. Damit ist die Hürde des Absagens wesentlich höher“, erläutert der Trainer die geringe Wahrscheinlichkeit, das Training bei Regen oder schlichter Faulheit einfach ausfallen zu lassen.

Das Training im Freien erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Das Training im Freien erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Es werden also nicht nur Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer gefördert – auch der soziale Aspekt spiele eine maßgebliche Rolle. „Die Mitstreiter motivieren sich jedes Mal aufs Neue zu Höchstleistungen. Genau diese Komponente kommt beim Sport im Fitnessstudio oft zu kurz, weil entweder gar keine Gruppendynamik existiert, oder die Konstellationen zu häufig wechseln“, so Bootcamp-Trainer Jochen Bender.

Natural Network

Felix Klemme, der sich vor sieben Jahren mit dem „Outdoor-Gym“ selbstständig gemacht hat, beobachtet eine ähnliche Entwicklung. „Viele Menschen nehmen wahr, dass sie in ihrem Alltag kaum noch Berührungspunkte mit der Natur haben. Deshalb findet das Outdoor-Training immer mehr Zulauf“, erklärt der diplomierte Sportwissenschaftler, dessen Camps neben vielen anderen Standorten in Deutschland auch in Eschborn, am Deutschherrenufer sowie an der EZB und am Rebstockpark angeboten werden.

Felix Klemme (Outdoor-Gym)
Felix Klemme (Outdoor-Gym)

„Ich betrachte die Rückverbindung zu unserem natürlichen Umfeld als eine Weiterentwicklung“, so Klemme, der sein Trainingskonzept als ganzheitliches Zusammenspiel vieler Aspekte beschreibt.

„Natural Network“ nennt der passionierte Sportler die Wechselwirkung zwischen dem inneren und äußeren Netzwerk des Menschen. Das Innere beziehe sich auf unsere Körperzellen, Organe und das Gehirn; das Äußere auf unsere sozialen Strukturen wie Familie, Freunde, Beruf und den Lebensraum.

„Diese Querverbindungen nehmen großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass einzig Ernährung und Bewegung ausschlaggebend für einen gesunden und trainierten Körper sind“, stellt er klar. „Deshalb beziehen wir dieses Wissen über die Zusammenhänge in das Training mit ein. Der Trainer, der neben sportlicher Hilfestellung auch Ernährungstipps gibt, ist im Rahmen unseres Konzepts im weitesten Sinne also eher ein lebensbegleitender Coach“, erklärt der Unternehmer.

Steine, Äste, Stämme

Auch das Outdoor-Gym-Konzept baut darauf auf, das 
eigene Körpergewicht und funktionelle Übungen in den Fokus der Einheiten zu stellen. Ob Gewichtsreduktion, Zirkeltraining, Trail Running oder Definitionstraining: Geschwitzt wird ausschließlich in Parks, auf Wiesen oder in Wäldern. Die klassischen Geräte werden dabei durch natürliche Hilfsmittel wie Steine, Äste oder Baumstämme ersetzt.

Angst vor Regen oder Kälte? Unbegründet, meint Felix Klemme: „Heutzutage gibt es Ausstattungen, die Sport bei jedem Wetter ermöglichen. Klar sind die ersten fünf Minuten manchmal unangenehm, dafür ist das Gefühl nach dem Training einmalig. Ich nenne es die persönliche kleine Heldentat des Tages.“

Während sich das Outdoor-Format in Deutschland erst in den letzten Jahren zu einem Hype entwickelt hat, lassen sich Fitnessverrückte in den USA schon seit längerer Zeit in militärischer Drill-Manier durch Städte und Wälder treiben. Ob „Billys Bootcamp“, das „Sealfit Kokoro-Camp“, „GoRuck“ oder „Drill-Day“: über dem Atlantik finden Fitnessverrückte schon seit einigen Jahrzehnten Gefallen daran, den Körper an der frischen Luft zu stählen.

Nach dem Vorbild eines Trainingsprogramms der US-Army herrscht dort allerdings ein wesentlich rauerer Ton. Die Einheiten, die je nach Anbieter hartes Fitnesstraining mit Kampfsport, Ausdauer- sowie Krafttraining und verbalem Drill verbinden, sollen dabei helfen, die eigenen physischen und psychischen Grenzen zu überwinden.

Jagd nach Adrenalin

Wer neben dem regulären Outdoor-Training auf der Suche nach dem ultimativen Adrenalin-Kick ist und zudem die eigene Kondition auf den Prüfstand stellen will, bekommt aber auch hierzulande durch Extrem-Hindernisläufe wie „Tough Mudder“, „Strong Viking“ oder „Xletix“ die Gelegenheit dazu geboten.

Die Herausforderung dabei besteht darin, eine abgesteckte Strecke mit integrierten Hindernissen zu überwinden – massenhaft Schlamm, Schweiß und Schmerzen inklusive. So gilt es beim Tough Mudder meterhohe Mauern zu erklimmen, mit Eiswasser gefüllte Krater zu durchschwimmen oder Schlammtunnel zu passieren.

„Tough Mudder holt mich aus meiner Komfortzone heraus.“ – Damian Schultz

40 Tonnen Eis, Elektroschocks, über 20 Hindernisse und eine Streckenlänge von 16–18 Kilometern machen den Lauf, der nur im Team zu meistern ist, zu einer extremen Herausforderung. „Tough Mudder holt mich aus meiner Komfortzone heraus und stellt sowohl meine körperlichen als auch mentalen Kräfte auf die Probe. Das unglaubliche Teamgefühl in Kombination mit der Möglichkeit, an meine Grenzen zu gehen, bringt mich dazu, jedes Jahr wieder an einem Tough Mudder teilzunehmen“, berichtet Damian Schultz, der schon 27 Läufe gemeistert hat.

40 Tonnen Eis, Elektroschocks, über 20 Hindernisse und eine Streckenlänge von 16–18 Kilometern machen den 'Tough Mudder' zur echten Challenge
40 Tonnen Eis, Elektroschocks, über 20 Hindernisse und eine Streckenlänge von 16–18 Kilometern machen den ‚Tough Mudder‘ zur echten Challenge

Soldaten-Drill

„Are you strong enough to be a Viking?“ – diese Frage sollten sich Fitnessverrückte vor der Anmeldung zum „Strong Viking“-Obstacle-Run stellen. Von Unternehmern und ehemaligen Marinesoldaten entwickelt, ist bei den verschiedenen Viking-Events, die auch regelmäßig im Rhein-Main-Gebiet stattfinden, der Name Programm.

Die Water Edition fordert ihre Teilnehmer mit Wassergräben und Schlammbecken heraus, während die Hills Edition mit meterhohen Felswänden oder Wasserfallrutschen „lockt“. Andere Anbieter wie „Xletix“, „Muddy Angel Run“, „Spartan Race“ oder „Strongmanrun“ setzen auf ähnliche Konzepte – viele Läufe werden mittlerweile weltweit angeboten und haben eine enorme Popularität erlangt.

„Du weißt nur, wie erfüllend das Gefühl ist, wenn du es selbst ausprobierst.“ – Felix Klemme

Ob gemäßigtes Outdoor-Training oder adrenalinfördernde Schlammschlachten – das Training in der freien Natur stärkt nicht nur das eigene Körpergefühl, sondern auch das Selbstbewusstsein. Es führt zu mentaler und körperlicher Stärke – wenn auch durch Überwindung, Disziplin und eine gehörige Portion Muskelkater.

Doch Felix Klemme weiß: „Menschen durch Erzählungen von dieser Form des Trainings zu überzeugen, gleicht dem Versuch, die Atmosphäre eines Live-Konzerts durch eine Fernsehaufnahme zu erspüren. Du weißt nur, wie erfüllend das Gefühl ist, wenn du es selbst ausprobierst.“

Outdoor-Training in Rhein-Main & Umgebung

Outdoor Gym
Was? Zirkeltraining
Wo? Eichborn, Deutschherrnufer, Rebstockpark, EZB
www.outdoorgym.de

Original Bootcamp
Was? Zirkeltraining
Wo? Hafenpark Frankfurt
www.original-bootcamp.com

Calisthenics Frankfurt
Was? Kostenloses Gruppen-Eigengewichtstraining
Wo? Hafenpark Frankfurt
Calisthenics Facebook-Gruppe

Hindernisläufe

Xletix
05. Mai 2018, Bad Hönningen
www.xletix.com

Tough Mudder
29./30. September 2018, Arnsberg (Eifel)
www.toughmudder.de

Muddy Angel Run (für Frauen)
26. Mai 2018, Frankfurt
www.muddyangelrun.com

Strong Viking (Family Edition)
10. Juni 2018, Wächtersbach
www.strongviking.com


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