Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wer viel in der Welt unterwegs war, spürt es sofort: Hessen hat eine weltläufige Strahlkraft. Nirgendwo sonst in Deutschland erlebt man diese Internationalität, dieses Tempo und das Funkeln der Skyline, gepaart mit Menschen, die einem entwaffnend ehrlich und herzlich begegnen. Für mich – geboren und aufgewachsen in Bayern – stand nach Jahren im Ausland fest: Hier habe ich mein Zuhause gefunden, hier gehöre ich hin.
Wie sehr, das spüre ich jedes Mal, wenn wir zur Top Lounge einladen. So viele kluge Köpfe, die diese Region prägen, an einem Ort zusammenzubringen, ist eine Freude. Die schönsten Impressionen erwarten Sie gleich im Anschluss an das Grußwort unseres Ministerpräsidenten Boris Rhein.
Acht Jahrzehnte voller Mut, Machergeist und Mythos: In unserer Titelgeschichte nehmen wir das Phänomen Hessen unter die Lupe. Was 1945 mit einem Federstrich von US-General Eisenhower im IG-Farben-Haus als Notoperation begann, wurde zum Erfolgsmodell. Von den Denkern der Paulskirche über die „Apotheke der Welt“ und Dieter Rams’ Design-Revolution bis zu Welthits aus dem Tonstudio und magischen Eintracht-Nächten: Hessen vereint seit mehr als 80 Jahren wie kein zweites Bundesland bodenständige Wurzeln mit Innovationskraft.
Wohin die hessische Zukunftslust führt, zeigt Thomas Zorn in seiner Story California Dreamin’: Mit Tech-Milliarden und Daten-Power wandelt sich Rhein-Main vom Bankenzentrum zum Tech-Hotspot Europas. Digitalministerin Kristina Sinemus formuliert die Vision so: „Silicon Valley liegt in Kalifornien und ist eine Metapher für den Aufbruch. Hessen wird dank seiner vielfältigen Schnittstellen ein Leuchtturm für digitale Branchen in Europa sein.“
Damit das gelingt, müsste allerdings Platz entstehen. Warum wir uns mit dem Bürokratieabbau so schwertun, führen der Sozialpsychologe Herbert Bless und Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud in ihrem Gastbeitrag auf einen Satz zurück, den jeder von uns kennt: „Weniger Regeln – aber bitte nicht bei dem, was mir wichtig ist.“
Doch eine starke Zukunft baut nicht auf Technologie und schlankere Regeln allein, sondern vor allem auf Haltung und Gemeinschaft. Genau dafür steht Alon Meyer, den Sabine Börchers porträtiert. Als frisch ausgezeichneter Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und Präsident von Makkabi Deutschland kämpft er von Frankfurt aus gegen Antisemitismus und zeigt, wie Sport Menschen aus 87 Nationen zu einer Familie zusammenschweißt. Eine bewegende Geschichte über den Mut, niemals den Kopf einzuziehen.
Dass Sport verbindet, erlebt auch Paulina Kiep, die sich mitten in den Boom der neuen Run Clubs stürzt. Vom lockeren Abendlauf bis zum Intervalltraining am Mainufer gilt heute: Niemand rennt mehr einsam für sich. Man schwitzt zusammen, pusht sich gegenseitig – und zelebriert das Leben danach mit fetten Beats, Kiosk-Pizza oder sogar Austern und Champagner.
Gefeiert wird in Hessen ohnehin am liebsten am Herd und im Glas: Ludwig Fienhold blickt auf den Michelin-Erfolg dieses Sommers – so viele Sterne gab es in Frankfurt noch nie. Wir gratulieren zum Zwei-Sterne-Triumph von Jochim Busch im „Rausch“ und Niclas Nußbaumer im „The Dune“ sowie zum Stern für Ausnahmegastronom Mario Lohninger. Passend dazu nimmt uns Weinkritiker Giuseppe Lauria mit in die Steillagen des Rheingaus, wo einige der besten Rieslinge der Welt wachsen.
Wie beständig hessisches Können ist, beweist der Blick nach Offenbach: Leder „Made in Offenbach“ stand einst auf Augenhöhe mit Paris und Florenz, und bei Tsatsas oder Hammann wird bis heute geschnitten und genäht. Gute Handwerkskunst bleibt – sie findet nur neue Wege. Welche das in dieser Saison sind, zeigt unser „Leather Edit“.
Und weil der Herbst zweierlei beherrscht – Tempo und Entschleunigung –, haben wir für Sie die passenden Auszeiten ausgesucht: In unserem Special „Ganz nah, ganz weg“ finden Sie acht Ziele, höchstens 90 Minuten entfernt. Wer es sich lieber daheim gemütlich macht, holt sich mit den Interior-Trends von Gema Cebrián Wärme ins Haus. Raus auf Kurztrip oder rein in die Kissen: Hessen macht im Herbst einfach Laune.
Herzlichst
Ihre Eleonore Schmidt