Sie hat die ikonische Happy Sport Uhr erschaffen: Caroline Scheufele, Co-Präsidentin und künstlerische Leiterin von Chopard. In unserem Interview erzählt sie sehr persönlich von ihren Inspirationen und ihrem c von Chopard. Anlass ist die Vorstellung des neuen Happy Diamonds-Films mit Julia Roberts unter der Regie von Xavier Dolan.
Als kleines Mädchen haben Sie Ihre erste Uhr als Geschenk für Ihre Eltern gebastelt – aus Aluminiumfolie. Was haben Sie von ihnen über den kreativen Prozess gelernt?
Noch bevor ich das Alphabet konnte, hat mein Vater mir das Lesen der Uhr beigebracht – auf einer Mickey Mouse-Uhr, die er mir aus Amerika mitgebracht hat. Das war mein erster Kontakt mit Uhren. Dann habe ich alles Mögliche genommen – unter anderem Papier und Aluminiumfolie –, um meine eigene Uhr zu basteln. Ich habe nur einen einzigen Fehler gemacht, der mit meinem Klavierunterricht zu tun hatte: Ich habe Chopin und nicht Chopard auf das Zifferblatt geschrieben!
Sie gehen niemals ohne Skizzenbuch aus dem Haus. Ist es Ihnen – als künstlerische Leiterin von Chopard – ein Bedürfnis, Ihre Ideen durch Ihre Entwürfe auszudrücken? Ist es also Teil Ihres Charakters? Oder ist es ein Talent, an dem man arbeiten muss?
Ich glaube, es ist ein bisschen von beidem. Einerseits macht die Kreativität niemals Pause und andererseits sucht man als Designer ständig nach etwas Neuem. Man kann nicht einfach einen Knopf drücken und dann ist man kreativ. Vielmehr ist es ein ständiger Prozess, der einen stets begleitet. Daher habe ich mein Skizzenbuch immer bei mir. Nachts liegt es sogar neben meinem Bett, damit ich eine Idee oder einen Traum festhalten kann und ihn nicht am nächsten Morgen vergessen habe. Eine Idee kann einem in jedem Moment kommen. Und wenn es während eines Abendessens ist, dann habe ich auch schon eine Skizze auf eine Serviette gezeichnet! Kreativ zu sein ist wunderbar, gleichzeitig ist es aber auch eine große Verantwortung, weil man sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen muss.
1985 haben Sie Ihr erstes Schmuckstück für Chopard entworfen: den Happy Clown. Ursprünglich sollte das ein Unikat sein, doch dann wurde daraus eine Erfolgsgeschichte, die auch der Beginn der Schmuckherstellung bei Chopard wurde. Hatten Sie damals auch nur die geringste Vorstellung von seinem Potenzial?
Absolut nicht! Ich bin damals noch zur Schule gegangen. Als Kind habe ich den Zirkus mit seinen Akrobaten geliebt. Am meisten mochte ich die Clowns, die oft so traurig aussehen und das Publikum dennoch zum Lachen bringen. So kam ich auf die Idee, den kleinen Clown mit den Diamanten im Bauch zu entwerfen. Mein Vater sah diese Zeichnung und ließ das Schmuckstück als Weihnachtsüberraschung für mich fertigen. Ich dachte eigentlich, es wäre ein Unikat, aber als ich etwas später in die Goldschmiedewerkstatt kam, sah ich plötzlich viele Clowns. So begann die Schmuckherstellung von Chopard.
In den 1990er-Jahren haben sie eine neue Uhr mit tanzenden Diamanten entworfen: die Happy Sport. Stimmt es, dass der Leiter des Ateliers bei der Vorstellung der Entwürfe nicht wirklich an das Projekt geglaubt hat?
Eigentlich nicht nur der Werkstattleiter, sondern das ganze Team, und sogar meine Eltern… Sie alle dachten, es wäre eine verrückte Idee, Diamanten mit Edelstahl zu kombinieren. Aber die Idee hat sich durchgesetzt. Stahl ist zwar kein Edelmetall, aber er ist cool, jung, frisch und man kann ihn den ganzen Tag tragen. Es war ein Kampf, das durchzusetzen. Die Produktion war die nächste Herausforderung, denn jeder dachte, ich wäre verrückt geworden. Aber ich kann sehr hartnäckig sein und ich akzeptiere kein Nein. Je öfter ich es höre, desto entschlossener werde ich. Wie auch immer: Die Happy Sport ist gelungen und wurde zum offensichtlichen Erfolg. Ich erinnere mich, dass der Werkstattleiter mir für jede verkaufte Uhr eine Rose geben wollte. Da hätte ich heute eine ganze Rosenplantage!
Was war die technische Herausforderung bei der Happy Sport?
Bei den ersten Happy Diamonds Uhren haben sich die tanzenden Diamanten nur rund um das Zifferblatt bewegt. Bei der Happy Sport sind sie völlig frei und können über das gesamte Zifferblatt tanzen. Diese Umsetzung war technisch anspruchsvoll. Wir mussten eine ästhetische Balance der Proportionen finden. Gehäuse, Zifferblatt, das erste Saphirglas, die Position der tanzenden Diamanten und das zweite Saphirglas mussten entsprechend gefertigt werden. Das war kompliziert. Zudem sollte die Uhr natürlich auch wasserdicht sein, was eine weitere technische Herausforderung darstellte.
Für mich sagt das Wort Happy wirklich alles aus. Die Diamanten in der Uhr sind tatsächlich völlig frei. Sie sind nicht in einer Fassung gefangen, in der sie unbeweglich sind. Und wenn man sie tanzen sieht, dann war das alle Schwierigkeiten wert!
Wie erklären Sie sich, dass die Happy Sport heute immer noch genauso modern ist wie 1993, als sie entworfen wurde? Heute kommen junge Frauen in Ihre Boutiquen und wollen die gleiche Happy Sport, die auch schon ihre Mutter und ihre Großmutter tragen. Was fühlen Sie dabei?
Die Uhr verbindet wirklich alle Generationen. Ich glaube, das macht eine Ikone aus –
wenn etwas von der Großmutter zur Mutter und schließlich zur Tochter weitergegeben wird. Dass dies so kommen würde, konnte ich nicht ahnen, als ich damals die Uhr entworfen habe.
Sie haben entschieden, dass Julia Roberts die Happy Collections verkörpert. War sie eine naheliegende Wahl? Warum diese besondere Schauspielerin?
Als wir zum ersten Mal über einen Film mit den Happy Diamonds gesprochen haben, sagte mein Team, wie schön es wäre, eine Botschafterin mit einem unglaublichen Lächeln zu haben. Ich habe sofort Julia Roberts vorgeschlagen! Denn ich finde, sie hat das strahlendste Lächeln der Welt! Wer mag den Film Pretty Women nicht? Wer wäre nicht gerne Pretty Woman? Julia Roberts ist eine meiner Lieblingsschauspielerinnen. Sie hat wunderbare Filme wie Erin Brockovich gemacht. Sie ist eine der Schauspielerinnen, die von innen heraus strahlen. Und sie ist ein glücklicher Mensch. Sie hat diese sonnige Energie, die Hoffnung macht, die daran glauben lässt, dass alles gut und noch schöner wird als zuvor. Sie besitzt eine erstaunliche Anziehungskraft und eine unwiderstehliche Joie de Vivre. Julia Roberts war die einzige Frau, bei der ich mir vorstellen konnte, dass sie das unabhängige, freigeistige Charisma der Happy Diamonds vermitteln kann. Und genau so wollte ich die Uhr Happy Sport darstellen.
Die Menschen um Sie herum sagen, dass Ihr Optimismus und Ihre positive Einstellung ansteckend sind. Was ist Ihr Rat fürs Glücklichsein?
Zuallererst glaube ich, dass man in sich selbst glücklich sein muss. Sonst kann man andere nicht glücklich machen. Ein Lächeln kostet nicht viel. Für mich ist das Glas immer halb voll und nicht halb leer. Ich denke, es ist wichtig, gut gelaunt aufzuwachen, gut gelaunt zur Arbeit zu gehen und die gute Laune mit dem Team zu teilen.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Be happy! Und natürlich: Tanze mit den Happy Diamonds.
