Melika Foroutan und Edin Hasanovic spielen das neue Team der Frankfurter Tatort-Reihe. Sie kennen sich seit mehr als 20 Jahren und sind „Familie“, wie beide betonen. Von Frankfurt als Drehort waren sie von Anfang an begeistert.
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Als das Angebot kam, Tatort-Kommissar zu werden, musste Edin Hasanovic nicht lange überlegen. „Das stellt alles andere komplett in den Schatten. Selbst die vier Oscars, die der Film „Im Westen nichts Neues“ 2023 bekommen hat, bei dem ich mitgespielt habe“, erzählt er. Das Feedback auf die neue Rolle sei so groß gewesen, „damit habe ich nicht gerechnet“. Den Ausschlag gaben die Stadt Frankfurt und vor allem, dass er mit Melika Foroutan ein Team bilden kann.
Mit der deutsch-iranischen Schauspielerin verbindet er seine ersten Gehversuche vor der Kamera vor fast 20 Jahren. Sie hatte 2007 ihren Durchbruch als Kriminalkommissarin in der ZDF-Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“, er spielte darin in mehreren Folgen einen halbwüchsigen Bosnien-Flüchtling. „Da war ich 12 und noch nicht einmal im Stimmbruch. Ich habe sie beim Spielen beobachtet und gedacht, das will ich auch machen, wenn ich groß bin.“ Seitdem haben die beiden noch wenige Male miteinander gedreht. Doch das Wiedersehen beim Tatort habe sich gleich angefühlt wie: „Wo bist du die ganze Zeit gewesen, Schwester?“
Frankfurt als Drehort: Eine Stadt, die überrascht
Melika Foroutan war es ähnlich gegangen. Sie habe nach dem Partner und der Stadt gefragt, erzählt sie und es dann in Ruhe mit ihrer Familie besprochen. Ihre Schwester war sofort begeistert und habe nur gesagt: „Jetzt sind wir Tatort.“ Frankfurt als Drehort kannte die Schauspielerin nicht ganz so gut wie ihr Kollege, der am Main bereits die Serie „Skylines“ und mehrere Filme, etwa 2017 den Thriller „Nur Gott kann mich richten“ mit Moritz Bleibtreu, gedreht hat. „Ich habe hier schon einige Zeit verbracht. Frankfurt ist mir sehr nah, weil es Ähnlichkeit mit Berlin hat“, stellt er fest.
Trotzdem waren beide überrascht darüber, dass die Stadt das Filmteam so freundlich empfangen hat. „In Berlin ist die Nachbarschaft bei Dreharbeiten schnell genervt, hier haben wir das Gegenteil erlebt. Die Menschen waren interessiert“, sagt Foroutan. Die Stadt habe sie fasziniert, besonders der Kontrast zwischen Skyline und dem Main. „Sie lässt sich schön fotografieren und ist noch nicht so auserzählt.“ Für den Tatort zusammengebracht hat sie nicht etwa der Hessische Rundfunk, sondern die Produktionsfirma „Sommerhaus“.
Der hr hatte per Ausschreibung die beste Idee für ein neues Tatort-Team gesucht. „Sommerhaus“ überzeugte mit dem Konzept, „Cold Cases“, also alte unaufgeklärte Fälle in den Mittelpunkt zu stellen, sowie mit der Idee, in der internationalen Stadt Frankfurt ein Team mit migrantischem Hintergrund ermitteln zu lassen und dafür Foroutan, mit der man schon die Serie „Die Kaiserin“ gedreht hatte, und Hasanovic auszuwählen.
Mehr als nur Rollen: Die persönlichen Botschaften hinter den Figuren
Ihre Figuren durften die beiden Schauspieler schließlich sogar mitgestalten. Foroutans Ermittlerin Maryam Azadi ist wie sie Iranerin, Hamza Kulina stammt wie Hasanovic aus Bosnien. Um die Namen der Figuren haben die beiden sich viele Gedanken gemacht. „Azadi bedeutet „Freiheit“ auf Farsi“, betont Melika Foroutan, die sich seit Jahren für die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung in ihrem Heimatland engagiert.
Hasanovic wählte für seine Figur den Vornamen Hamza, um an Hamza Kurtović, eines der Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau im Jahr 2020, zu erinnern. Dessen Vater Armin, den er vorher um Erlaubnis gefragt hatte, zeigte sich nach der Premiere des ersten Falls sehr bewegt und dankte dem Schauspieler für seine Haltung und sein Mitgefühl.
Cold Cases Frankfurt: Die Opfer im Fokus
Mitgefühl zeigen die beiden Ermittler auch im Film. Dort rücken weniger die Täter, dafür mehr die Angehörigen der Opfer in den Mittelpunkt, die durch die Arbeit der Kommissare endlich Gewissheit erhalten. Im ersten Fall standen sogar reale Taten, wie die des Serienmörders Manfred S. und der Mord an dem 13-jährigen Tristan in Höchst, Pate. Es soll aber keine True-Crime-Reihe werden, verspricht das Produzententeam. Drei Fälle sind bereits abgedreht, zwei davon gesendet. Der dritte folgt 2026.

Publikum und Kritiker waren nach der ersten Folge fast ausnahmslos begeistert vom neuen Team. Die Chancen stehen also gut, dass Melika Foroutan und Edin Hasanovic noch öfter bei Dreharbeiten gemeinsam am Main joggen gehen können, weil man sich da ein bisschen wie in New York fühlt. Edin Hasanovic ist seine Ermittlerrolle jedenfalls schon jetzt sehr nah. Um sich in sie hineinzuversetzen, nutzt er unter anderem Musik. Er höre sehr gerne Rap-Musik – „französische oder türkische, da verstehe ich die Texte nicht“.
Und er hat seinen Hamza Kulina sogar in der Nase. Er gehe vor einem Dreh in ein Parfümgeschäft und schnuppere an den Düften, verriet er. „Das Parfüm, bei dem ich an die Rolle denke, das nehme ich mit ans Set und rieche daran. Das verbinde ich dann mit der Körperlichkeit der Rolle.“ Für die bereits abgedrehten drei Folgen habe er es benutzt. Da er es aber nicht aufsprüht, sondern nur daran schnuppert, wird es sicher noch für viele weitere Folgen reichen – wenn das Publikum einverstanden ist.
