Die Mails sind beantwortet, der Abwesenheitsassistent ist aktiviert. Doch statt Entspannung folgen Kopfschmerz und Erschöpfung. Das Phänomen „Leisure Sickness“ erklärt, warum der Körper gerade dann streikt, wenn der Geist zur Ruhe kommen soll.
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Es ist ein bekanntes Szenario in der anspruchsvollen Arbeitswelt der Mainmetropole: Nach Wochen intensiver Projekte und hoher Leistungsbereitschaft beginnt das ersehnte Wochenende oder der Jahresurlaub. Doch anstelle von Erholung stellen sich plötzlich Krankheitssymptome ein. Dieses paradoxe Phänomen, bekannt als „Leisure Sickness“ oder Freizeitkrankheit, betrifft immer mehr Berufstätige. Laut eines Studie erleben rund 70 Prozent der Beschäftigten in Deutschland regelmäßig solche Symptome. Fast jeder Fünfte fühlt sich sogar häufig oder fast immer krank, sobald der berufliche Druck nachlässt.
Wenn der Stress nachlässt, rebelliert das Immunsystem
Die Ursache ist physiologisch gut erklärbar. In stressigen Phasen schüttet der Körper vermehrt die Hormone Adrenalin und Cortisol aus. Diese halten uns nicht nur leistungsfähig, sondern unterdrücken auch die Aktivität des Immunsystems. Fällt dieser hohe Stresspegel abrupt ab, etwa am ersten Urlaubstag, fährt das Immunsystem wieder hoch. Bisher unterdrückte Entzündungsprozesse oder beginnende Infekte kommen zum Vorschein. Die Folge sind oft starke Erschöpfung, Schlafprobleme, Reizbarkeit oder klassische Erkältungssymptome, die die wertvolle Freizeit empfindlich stören.
Moderne Arbeitskultur als Risikofaktor
Die moderne Arbeitskultur mit hohem Termindruck, ständiger Erreichbarkeit und verschwimmenden Grenzen zwischen Beruf und Privatleben begünstigt das Auftreten der Freizeitkrankheit. Besonders Menschen, die nur schwer von ihrer Arbeit abschalten können, sind anfällig. Eine passive Freizeitgestaltung, wie stundenlanges Fernsehen oder die Dauernutzung des Smartphones, trägt ebenfalls nicht zur Regeneration bei und kann die Symptome verstärken.
Den Übergang zur Erholung bewusst gestalten
Um der Freizeitkrankheit vorzubeugen, ist ein bewusster Übergang von Anspannung zu Entspannung entscheidend. Statt direkt vom Schreibtisch in den Urlaub zu hetzen, können ein oder zwei Puffertage helfen, den Körper langsam an den veränderten Rhythmus zu gewöhnen. Auch im Alltag helfen regelmäßige Pausen und eine realistische Aufgabenplanung, Stressspitzen zu vermeiden. Eine aktive Freizeit mit moderater Bewegung an der frischen Luft, eine ausgewogene Ernährung und feste Zeiten, in denen berufliche Anfragen unbeantwortet bleiben, stärken das Immunsystem und fördern die mentale Regeneration nachhaltig.
