HomeHealth & BeautyDer neue Fitness-Hype: Reformer Pilates in Frankfurt im Test

Der neue Fitness-Hype: Reformer Pilates in Frankfurt im Test

Ein mittelalterliches Folterinstrument? Eine Kreuzung aus Ruderbank und Streckbank? Ein Bett mit Ambitionen? Nichts davon. Es ist Reformer Pilates – die neue Messlatte in Frankfurts Fitnesswelt. Höchste Zeit also, herauszufinden, was es damit auf sich hat, und den Bürostuhl gegen den berüchtigten Schlitten zu tauschen. Ein Selbstversuch von Kitti Pohl.

„Drei rote Federn.“ Die Anweisung ist klar, die Verwirrung auch. Man greift, hakt die schweren Metallfedern ein und entschlüsselt schnell den Code des Geräts: Die Farben – Rot, Blau, Gelb – sind der Schlüssel zum individuellen Widerstand. Die zarte Hoffnung, Rot sei am leichtesten, erledigt sich schnell: Es sind die schwersten.

Der erste Kontakt mit dem Pilates Reformer

Man findet sich auf einem beweglichen Schlitten wieder, eingepasst zwischen zwei Schulterpolstern, die Füße gegen eine Stange namens „Footbar“ gestemmt. Ohne die pausenlosen Kommandos der Trainerin wäre man hier hoffnungslos verloren. Sie spricht in Rätseln, die der Körper lösen soll: Man wird aufgefordert, sein „neutrales Becken“ zu finden, in den „Imprint“ zu gleiten , mit „kleinen Pulses“ die Hüfte anzusteuern und die Beine in den „Table Top“ zu bringen. Und als finale Knobelaufgabe soll man die Wirbelsäule „Perle für Perle wie eine Perlenkette“ ablegen.

Eine Perlenkette? Im Moment fühlt sich mein Rücken eher an wie ein Besenstiel. Doch zum Nachdenken bleibt keine Zeit, schon folgt die nächste Befehlskette: Die Füße: „gepointet“. Der Oberkörper: hoch in den „Crunch“. Und dann die Krönung: „Einatmen über die Schulter.“ Ein anatomisches Rätsel. Man gehorcht blind und klammert sich an jedes aufmunternde „Sehr schön!“, „Yes!“ oder „Genau!“ der Trainerin.

Wenn der eigene Körper zur Maschine wird

Andere Befehle haben eine fast surreale Logik: „Wir ziehen mit der Hüfte nach oben. Und wir fahren wieder raus.“ Fahren? Man liegt doch. Doch dann passiert es: Der Körper folgt, der Schlitten gleitet – es flutscht. Und kaum hat man das verstanden, steigert sich die Präzision ins fast schon Roboterhafte: „Wir kommen zurück in die Bridge und wir halten oben. Schlitten ist zu. Wir fahren komplett zurück.“ Man fühlt sich weniger wie ein Mensch als vielmehr wie der Pilot eines komplexen Geräts. Jedes Lob fühlt sich dabei an wie die Bestätigung, dass man die Maschine noch beherrscht.

Frau führt die Pilates-Übung Brücke auf dem Reformer aus, um Rumpf und Gesäß zu stärken.
Gezielter Muskelaufbau: Die Brücke auf dem Schlitten stärkt Rumpf und Gesäß effektiv.

Brennende Muskeln und präzise Pilates-Bewegungen

Gerade als man diesen Flow so richtig genießt, wird man jäh aus der Horizontalen gerissen. Der Befehl ist kurz und unmissverständlich: aufstehen, sich links vom Reformer positionieren. Die neue Übung ist ein Ausfallschritt, und die Anweisungen werden zu einem Countdown ins Verderben: „Wir gehen tief. Noch für vier. Noch für drei. Noch für zwei…“ Und dann der finale Satz: „Und wir treffen uns unten. Das heißt, wir bleiben tief.“ Man schaut sich unwillkürlich um, aber „unten“ ist kein Treffpunkt, sondern ein Zustand. Ein Zustand, in dem der Oberschenkelmuskel seine bisher stille Mitarbeit aufkündigt und beschließt, von nun an sehr lautstark seine Interessen zu vertreten.

Rhythmus und Konzentration beim Reformer Training

Später, mit einer blauen Feder und einer Schlaufe um den Fuß, wird der Körper zur Maschine. Das Bein bewegt sich mit der sturen Monotonie eines Kolbens auf und ab, während tief in der Hüfte der Muskel mit einem fiesen, brennenden Ziehen kapituliert. Die Anweisungen werden zum Mantra: „Ausatmen, strecken. Einatmen, beugen.“ Es ist ein stiller, konzentrierter Kampf, untermalt nur vom leisen Surren des Schlittens, einem dezenten Beat und der beneidenswert kontrollierten Atmung der anderen. Mein Gehirn ist derweil vollauf damit beschäftigt, bei diesem simpel klingenden Rhythmus nicht komplett den Faden zu verlieren – und atme im Zweifelsfall lieber gar nicht.

Balance Yoga: Frankfurts erstes Reformer Pilates Studio

Mein persönliches Ringen nach Luft ist das eine, der Hype, der durch Frankfurt pulsiert, das andere. Frankfurts Reformer-Pionierin ist Brigitte Adrian-Schroeder. Die Gründerin und Inhaberin der renommierten Balance Yoga-Kette hatte früh erkannt, was für eine gewaltige Welle da in den Nullerjahren von Australien über die kalifornische Westküste nach Deutschland schwappte. Ihre Eröffnung des ersten reinen Reformer-Studios in Frankfurt im Sommer 2023 war daher die logische Antwort auf die schlichte Tatsache, dass ein Reformer keine Yogamatte ist, die man mal eben in die Ecke rollt.

Er ist eine stattliche Maschine, die mit allem Drum und Dran – inklusive mysteriöser Anbauteile wie ‚Box‘ und ‚Jump Board‘ – schnell mal den Platz eines Kleinwagens beansprucht. „Wir haben abends oft 12 bis 15 Leute auf der Warteliste“, erklärt Adrian-Schroeder. Logisch, denn statt 30 Matten passen eben nur sechs bis elf Reformer in einen Raum. Ein Segen für jeden Anfänger. Denn mal ehrlich: Bei so wenigen Leuten entgeht der Trainerin nichts. Ohne ihre pausenlosen Kommandos und ihren wachsamen Blick wäre ich auf dem Schlitten schneller ins Schleudern geraten als auf einer vereisten Rodelbahn. Die ständige Betreuung ist hier kein Luxus, sondern überlebenswichtig.

Hohe Trainer-Qualität als Schlüssel zum Pilates-Erfolg

Das Training zieht eine anspruchsvolle Zielgruppe an, erzählt Brigitte Adrian-Schroeder: „Viele, die sagen, Yoga ist nichts für mich, werden mit dem Reformer Pilates eher warm.“ In einem Markt, der so rasant wächst, ist die Qualität der Trainer jedoch entscheidend. Hier hat Adrian-Schroeder ein klares Alleinstellungsmerkmal: „Wir bilden unsere eigenen Lehrer aus“, erklärt sie. „Das sichert unser Niveau und ist unser wichtigstes Qualitätsversprechen.“

Frau dehnt sich anspruchsvoll auf einem Pilates Reformer zur Verbesserung der Flexibilität.
Maximale Dehnung: Der Reformer unterstützt tiefe Bewegungen und verbessert die Körperhaltung.

Effektives Ganzkörpertraining ohne Chance zum Schummeln

Bleibt die Frage: Ist das alles nur ein Hype? Ihre Antwort ist so direkt wie überzeugend: „Dafür ist es einfach zu gut, zu effektiv, zu beliebt.“ Was man nach 50 Minuten Schlittenarbeit nur bestätigen kann. Denn das Gerät selbst ist der beste Beweis. Es führt die Bewegung wie ein strenger Personal Trainer. Schummeln, Ausweichen, das schnelle Abkürzen einer Übung? Keine Chance. Und das ist für notorische Bewegungsmogler wie mich die vielleicht ärgerlichste Erkenntnis von allen: Das Ding funktioniert tatsächlich.

Vom Lazarettbett zum It-Piece

Hinter dem Reformer-Hype steht ein Mann, der seine Schwäche in Stärke verwandelte. Nahe Düsseldorf als kränkliches Kind geboren, wurde Joseph Hubertus Pilates (1883–1967) zum Autodidakten. Sein Ziel: die totale Kontrolle über den Körper. Sein System: „Contrology“.

Die genialste Idee entsprang der Not: Während seiner Internierung im Ersten Weltkrieg stattete er Lazarettbetten mit Federn aus. So bauten bettlägerige Männer ihre Muskeln wieder auf. Die Geburtsstunde des Reformers.

Heute oft vergessen: Der Reformer war nie der Nachfolger der Matte. Ab 1926 lehrte Pilates in seinem New Yorker Studio ein duales System: die fordernde Eleganz der Mattenübungen und die präzise, widerstandsbasierte Arbeit an Geräten. Eine Philosophie, die Tanzlegenden wie George Balanchine und Martha Graham überzeugte.

Der Reformer fristete lange ein Nischendasein aus pragmatischen Gründen: Das Gerät war teuer, sperrig und schwerer zu vermarkten als die Matte. Sein aktueller Siegeszug resultiert aus mehreren Faktoren: Die Zielgruppe investiert gerne in exklusive Boutique-Workouts. Stars wie Hailey Bieber inszenieren das Gerät auf Social Media. Zudem verlangt eine anspruchsvolle Klientel intelligente, gelenkschonende Trainingsformen.

Der Hype ist keine Wiederentdeckung. Er beweist: Die Welt ist endlich bereit für die Vision des Joseph Pilates.

Häufig gestellte Fragen zu Reformer Pilates

Was genau ist ein Pilates Reformer und wie funktioniert er?

Der Reformer ist ein spezielles Trainingsgerät. Er besteht aus einem beweglichen Schlitten, der über Metallfedern unterschiedlicher Stärke (meist farblich markiert in Rot, Blau und Gelb) mit dem Rahmen verbunden ist. Eine Fußstange („Footbar“), Schulterpolster und Seilzüge ergänzen die Konstruktion. Die Maschine führt die Bewegungen exakt und nutzt die Federn gezielt als Widerstand oder Unterstützung.

Wo kann man in Frankfurt Reformer Pilates trainieren?

Frankfurts erstes reines Reformer-Studio eröffnete im Sommer 2023. Brigitte Adrian-Schroeder, die Gründerin der renommierten Balance Yoga-Kette, brachte den internationalen Trend in die Mainmetropole. Das Studio setzt auf kleine, exklusive Gruppen mit maximal elf Teilnehmern und eigens ausgebildeten Trainern, um höchste Qualität und Sicherheit zu garantieren.

Für wen eignet sich das Training auf dem Schlitten?

Das Workout eignet sich für jedes Fitnesslevel. Anfänger profitieren massiv von der strengen Führung durch das Gerät und den wachsamen Augen der Trainer in den kleinen Klassen. Selbst Sportler, die klassisches Yoga bisher ablehnten, finden über den Reformer einen hervorragenden Zugang zu einem effektiven, konzentrierten Ganzkörpertraining. Schummeln oder Abfälschen ist hier praktisch unmöglich.

Was ist der Unterschied zwischen Reformer Pilates und Matten-Pilates?

Klassisches Pilates findet auf einer einfachen Matte statt und nutzt das eigene Körpergewicht. Das Reformer-Training arbeitet hingegen mit dem dynamischen, mechanischen Widerstand der Federn. Das intensiviert den Muskelaufbau erheblich und ermöglicht tiefere Dehnungen. Zudem beansprucht die Maschine den Platz eines Kleinwagens, weshalb das Training fast ausschließlich in spezialisierten Studios stattfindet.

Welche Ergebnisse erzielt Reformer Pilates im Körper?

Das Training kombiniert Kraft, Präzision und Flexibilität. Der permanente Widerstand des Schlittens kräftigt tief liegende Muskelgruppen – insbesondere in Rumpf, Gesäß und Oberschenkeln. Gleichzeitig strecken die fließenden Bewegungen die Wirbelsäule und verbessern die Körperhaltung nachhaltig. Das Ergebnis ist eine aufrechte, gestärkte und elegante Silhouette.

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