Unter dem Namen 8 Botaniker vertreibt die Hof BodenGut GmbH aus Gernsheim regional angebaute Kräuter, Tees und Rapsöl aus der eigenen Mühle. Sie ist einer der größten Obst- und Gemüseproduzenten in Hessen. Geschäftsführer Dr. Jirko Stiller will so viel wie möglich direkt vor Ort produzieren.
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Der Firmenstandort ist ein alter Gutshof aus dem Jahr 1265 mit Torhaus, Hof und rot gestrichenen Fensterläden. Die Hof BodenGut GmbH sitzt im Gernsheimer Ortsteil Klein-Rohrheim, mitten im Hessischen Ried. Traditionsbewusstsein und modernste Anlagen schließen sich dort nicht aus. 2018 übernahm der Gartenbau- und Agraringenieur Jirko Stiller das Gut mit dem dazugehörigen Ackerland, das einst für das nahegelegene Kloster in Geisenheim produzierte. Damals war er noch Geschäftsführer bei einem der größten Gemüseerzeuger Deutschlands. Vor gerade mal drei Jahren entschied er sich, selbst Obst und Gemüse in großem Stil anzubauen und unter dem Namen „8B – Acht Botaniker“ zu vertreiben. Heute ist Stillers Start-up-Unternehmen mit acht Gesellschaftern einer der größten Produzenten im Bundesland, „wahrscheinlich sogar der größte“, sagt er.
Längst hat Stiller weitere Felder hinzugekauft, sodass er mittlerweile auf gut 900 Hektar Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Salate, Zucchini, Spargel und mehr anbaut, die er als regionale Produkte an die großen Handelsketten im Rhein-Main-Gebiet verkauft – so weit es geht ohne Zwischenhändler. „Wir produzieren allein knapp 1.000 Tonnen Erdbeeren im Jahr, das sind etwa zwei Millionen Schalen, dazu 400 Tonnen Himbeeren und fünf Millionen Stück Eisbergsalat“, berichtet er.

Das Hessische Ried in der oberrheinischen Tiefebene sei als Anbaugebiet dafür besonders geeignet durch die guten Lehm- und Lössböden und die vielen Sonnenstunden. Zudem liegt das Rhein-Main-Gebiet als einer der Hauptabnehmer gleich nebenan. Lange Anfahrtswege gibt es bei seinen Produkten nicht. Geliefert wird fast ausschließlich im Umkreis von 200 Kilometern, von Kassel im Norden bis runter nach Stuttgart.
„Ich interessiere mich sehr für Geschichte. Um das Jahr 1500 waren hier auf dem Hof 8 Botaniker, die mit Kräutern gearbeitet haben. Daher unser Name: 8B – Acht Botaniker.“ – Dr. Jirko Stiller, Hof BodenGut
8 Botaniker: Kräuter aus der Manufaktur
Als Stiller die Felder des alten Klosterhofes übernahm, wuchsen dort unter anderem Kräuter wie Minze, Kamille, aber auch Petersilie und Schnittlauch. Was machst du damit, habe er sich gefragt. „Sie in großen Einheiten frisch an den Handel zu verkaufen, das lohnt sich nicht.“ Unterpflügen wollte er sie nicht. Also entschied er sich, eine eigene Marke zu entwickeln und sie als Tees oder getrocknete Kräuter deutschlandweit zu vertreiben. Der Name dafür lag auf der Hand: „Ich interessiere mich sehr für Geschichte. Um das Jahr 1500 waren hier auf dem Hof acht Botaniker, die mit Kräutern gearbeitet haben.“ „Acht Botaniker“, abgekürzt „8B“, gefiel ihm daher gut als Markenname. „Außerdem ist es sehr eingängig – wie Chanel No. 5.“
Rund 20 verschiedene Kräuter baut der Unternehmer heute an. In der 8B-Manufaktur werden Fenchel, Kamille & Co. nicht nur einzeln angeboten. Stiller war sofort klar, dass er neben Arzneikräutertees auch Mischungen herstellen wollte – und zwar möglichst aus den frischen Produkten, die auf seinen Feldern wachsen. So tragen die Tees verlockende Namen wie Morgenbrise, Nachtbrise und Gute Laune. „Der Gute-Laune-Tee ist unser Verkaufsschlager.“ Er enthält Erdbeer- und Brombeerblätter, Krauseminze, Zitronenmelisse, Orangenschale, Apfel, Hibiskus-, Ringel- und Kornblumen sowie Holunderblüten und Ingwer.

Einiges kaufe er zu, so weit es gehe bei regionalen Produzenten, etwa den Ingwer, sagt Stiller. Der Rest ist aus eigener Produktion. Die Kräuter und Blüten werden nicht nur lose angeboten, es gibt sie auch im durchsichtigen Teebeutel, damit klar ist, dass auch er dieselben verschiedenfarbigen Inhaltsstoffe und Blüten beinhaltet.
Doch Stiller hatte noch weitere Ideen. „Ich grille gerne, deshalb wollte ich die Gewürze nicht nur einzeln getrocknet verkaufen, sondern sie ebenfalls kombinieren. Wir bieten Mischungen wie „Pizza Genuss“ oder „Lieblingshähnchen“ an. Bis auf wenige Ausnahmen wie Chili stammen auch da die Inhaltsstoffe alle von unseren Feldern oder Kollegen aus der Region.“ Zwei Lebensmitteltechniker sorgen mittlerweile dafür, dass seine Ideen in der Manufaktur umgesetzt werden. An seiner Lieblingsmischung für Tomate Mozzarella haben sie lange getüftelt. „Sie war noch nicht perfekt.“
Nachhaltige Produktion bei 8 Botaniker-Produkten
Vor zwei Jahren entstand ein weiteres 8B-Produkt. Durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine gab es plötzlich kaum noch Sonnenblumen- oder Rapsöl auf dem Markt. „Ich habe die Preise im Supermarkt gesehen und dann das, was ich als Produzent für meinen Rohstoff bekam“, erzählt Stiller, der auf seinen Feldern auch Raps und Sonnenblumen anbaut. Eine Ölmühle in der Nähe suchte zur gleichen Zeit einen Partner, und so war die Idee geboren, in der Manufaktur eigene Speiseöle anzubieten. „Bei uns kommt nur die erste Pressung in die Flasche, das ist eine ganz andere Qualität und dazu eben regional“, sagt der Chef.

Er hat sich zum Ziel gesetzt, alle Waren möglichst nachhaltig zu produzieren. Das beinhaltet nicht nur, dass auf den Dachflächen seines Betriebes Photovoltaik-Anlagen angebracht sind und er den kompletten Strom, den er etwa zum Trocknen der Kräuter oder für die Verpackungsmaschinen benötigt, selbst produziert. „Ich wollte, dass möglichst alles aus einer Hand kommt, von der Produktion bis zur Vermarktung. Bei der steigenden Weltbevölkerung müssen wir zudem die Flächen noch effektiver nutzen und möglichst viel von dem Angebauten verwenden.“
Damit meint er nicht nur die Blätter der Erdbeerpflanzen, die in seine Tees kommen. Auch die frischen Früchte, die für den Einzelverkauf nicht geeignet sind, werden in seinem Unternehmen weiterverwendet, statt wieder untergepflügt zu werden. „Wir haben aus den Brombeeren, die nicht der Norm entsprechen, Fruchtaufstrich gemacht.“ Der Fruchtgehalt sei mit 70 Prozent besonders hoch, der Zuckergehalt dafür sehr gering. „Deshalb dürfen wir es nicht Konfitüre nennen.“ Seine Frau ist vom geringen Zuckergehalt aber begeistert. „Sie achtet bei unseren Kindern sehr auf die Gesundheit. Unseren Fruchtaufstrich dürfen sie täglich essen.“ Die nicht für den Handel geeigneten Erdbeeren und Himbeeren sollen im nächsten Jahr ebenfalls ins Glas folgen.

Mehr als 1.800 Artikel täglich für 8 Botaniker
Überhaupt hat Stiller noch viele Ideen für die „8 Botaniker“. Derzeit experimentiert sein Team mit Popcorn, für das er die entsprechenden Maisfelder hat. Auch eine große Dampfmaschine zum Konservieren von Gurken, Paprika oder Spargelspitzen hat er bereits angeschafft. Dressings aus seinen Kräutern, die man mit seinen Ölen anrühren kann, könne er sich ebenfalls vorstellen. „Die passenden Kerne aus eigenem Anbau zum Drüberstreuen haben wir auch.“
Nach nur drei Jahren soll das Start-up-Unternehmen natürlich weiter wachsen, und damit auch die Produktpalette der Manufaktur. Eine Umstellung seiner Produktion auf Bio-Anbau sei ebenfalls möglich, sagt er. „Bisher habe ich es nicht gemacht, weil Bioprodukte gerade immer weniger gekauft werden.“

Derzeit zählt das Unternehmen bereits 66 Festangestellte und mehr als 300 Saisonarbeitskräfte. Die Familie Stiller arbeite in der GmbH ebenfalls mit, sagt er, auch wenn der Hof BodenGut mit einem klassischen Familienbetrieb wenig zu tun hat. Wenn Jirko Stiller aber mal selbst Trecker fahren möchte, dann macht er das. Die meiste Zeit aber steuert er den gesamten Betrieb und beaufsichtigt den Bau neuer Hallen, die noch mehr Platz für das Sortieren und Verpacken von Obst und Gemüse bieten sollen.
„Unsere Tees und Gewürze bekommen Sie in den Supermärkten von Kiel bis Garmisch. Der Ursprung ist aber immer unser Acker.“ – Dr. Jirko Stiller, Hof BodenGut
„Im Sommer produzieren wir jetzt schon täglich mehr als 1.800 verschiedene Artikel“, erzählt er. Da heißt es, bei den unterschiedlichsten Wünschen aus dem Handel den Überblick zu behalten. „Unsere Tees und Gewürze bekommen Sie in den Supermärkten von Kiel bis Garmisch. Der Ursprung ist aber immer unser Acker.“
Mehr Informationen unter: Hof BodenGut: 8 Botaniker
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