Richtig mit Geld zu agieren ist eine Lebensaufgabe. Früher schenkten Eltern ihren Kindern Sparschweine oder Spardosen und steckten ein paar Scheine und Münzen in den Schlitz. Zu geeigneten Anlässen legten auch Freunde und Verwandte nach. Am Weltspartag Ende Oktober wurde es dann an manchen Schulen richtig feierlich. Sparkassenmitarbeiter kamen in die Klassen und übertrugen das neue Guthaben feinsäuberlich in das mitgebrachte Sparbuch.
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Richtig mit Geld zu agieren ist eine Lebensaufgabe. Früher schenkten Eltern ihren Kindern Sparschweine oder Spardosen und steckten ein paar Scheine und Münzen in den Schlitz. Zu geeigneten Anlässen legten auch Freunde und Verwandte nach. Am Weltspartag Ende Oktober wurde es dann an manchen Schulen richtig feierlich. Sparkassenmitarbeiter kamen in die Klassen und übertrugen das neue Guthaben feinsäuberlich in das mitgebrachte Sparbuch.
Die Verzinsung war schon damals sehr bescheiden. Wer heute jung und smart ist, sucht nach ganz anderen Möglichkeiten, sich Rücklagen zu verschaffen. Es sind bislang vor allem die besser Ausgebildeten, die Risiken eingehen wollen.

Im Vergleich zu damals sind Jugendliche und junge Erwachsene jedoch insgesamt schon mutiger geworden. Auch wenn nur eine Minderheit all in geht. Aber schon 18-Jährige nutzen bedienungsfreundliche Banking-Apps, die Optionen für Investments bieten und attraktive Ziele. Für die lohnt es sich, Geld gewinnbringend anzulegen. Gefragt sind gut aufbereitete Infos, die einen Überblick verschaffen, wie es gerade um das Konto und die Guthaben steht. Ganz überwiegend erledigt die Generation Z ihre Geschäfte mobil über eine App. Persönliche Kontakte mit Bankmitarbeitern sind die Ausnahme, auch wenn sie so manchem nutzen würden.
Vom Sparbuch zur App: Gen Z tradet mobil
Vor dem Handy überlegen die Couragiertesten, ob sie lieber ETFs, Kryptowährungen oder Gold kaufen sollen. Die Entscheidungen möchten sie in Echtzeit umsetzen. Da hilft es sehr, wenn sie sich vorher mit Finanzthemen beschäftigt haben.
Frühes Interesse an Wirtschaft und Politik
Der Frankfurter Pablo Suárez Vaca-Diez ist 23 Jahre alt und hat bereits sehr erfolgreich an der Börse operiert. „Schon mit 12 oder 13 Jahren, als die anderen Jungen draußen Fußball gespielt haben, interessierte ich mich für Wirtschaft und Politik“, erzählt er. „Ich las eine Menge darüber in Büchern und Zeitschriften.“

Dann vermachten ihm die Großeltern ein ansehnliches und solides Aktienportfolio. „Das war die Initialzündung, mich intensiv mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen.“ Er verschlang Quartals- und Jahresberichte von Unternehmen und studierte wirtschaftliche Kennzahlen. Als spanischer Staatsangehöriger konnten ihn seine Eltern schon mit 16 Jahren dank einer „Emanzipationsregelung“ für geschäftsfähig erklären. Während der Schulzeit auf dem Internat handelte er bereits mit Aktien. Er beschäftigte sich vor allem mit datengestützten Fundamentalanalysen, die sich über lange Zeiträume erstrecken.
Hohe Renditen durch mutige Anlagen an der Börse
An der Börse verhielt er sich anfangs eher konservativ. Nach dem Abitur machte er ein Praktikum bei einem Trader. Privat traute er sich jetzt an Hochrisikoanlagen heran. Und er rechnete mit verschärften weltpolitischen Spannungen. 2020, zu Beginn der Coronazeit, stieg er beim deutschen Rüstungsunternehmen Rheinmetall ein. Die Summe schien überschaubar. Dann stiegen und stiegen die Gewinne. „Sie erreichten schließlich einen mittleren sechsstelligen Euro-Bereich.“
Inzwischen hat Pablo sein Studium in Business Administration mit dem Bachelor abgeschlossen. Dass er als Jugendlicher ein Stubenhocker war und anderen „manchmal etwas merkwürdig“ vorgekommen sei, bereut er nicht. „Es hat sich ausgezahlt.“ Nun genießt er die Freiheit, seinen Neigungen ohne materiellen Druck folgen zu können.
Natürlich hatte Pablo durch die großzügige familiäre Starthilfe optimale Voraussetzungen, um schon in jungen Jahren ein Vermögen aufzubauen. Doch das Beispiel zeigt, wie lohnend die intensive Beschäftigung mit Finanzen für junge Leute sein kann. Deshalb empfiehlt es sich, schon Kinder an das Thema heranzuführen.
Finanzwissen für Jugendliche: Kinderdepots als Lösung
Als hilfreich hat sich erwiesen, wenn Eltern für ihren noch nicht geschäftsfähigen Nachwuchs Depots eröffnen. Vor dem Beginn der Volljährigkeit mit 18 Jahren bestimmen in Deutschland grundsätzlich die Erziehungsberechtigten, was gekauft und was verkauft wird. Sie können bei einem Junior-Depot aber nicht schalten und walten, wie sie wollen. Das dort angehäufte Kapital gehört schließlich den Kindern. Die Rechtsprechung sagt zweifelsfrei, dass die Verwaltung des Portfolios im Interesse von Söhnen und Töchtern zu geschehen habe.
Wenn Mütter und Väter ihr Vorgehen gegenüber den Heranwachsenden geschickt erläutern und die Entwicklung des Portfolios transparent machen, können die Sprösslinge schon zeitig Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt sammeln. Das ist für die Eltern nicht immer bequem. Denn an der Börse muss man auch mit Misserfolgen rechnen.
Finanzielle Bildung an Schulen: Praxis versus Realität
Wagnisse lassen sich jedoch mit Umsicht begrenzen. Die Schulen können hier einen wichtigen Part übernehmen. Ein eigenes Fach Wirtschaft ist an allgemeinbildenden Schulen nur in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen verankert. Dort werden auch Trading-Applikationen genutzt, die zwar eigentlich dem Handel mit realen Wertpapieren dienen, die jedoch auch über eine Demo-Version verfügen. Die Schüler können dadurch mit Spielgeld handeln und Anlagestrategien ausprobieren.
So übt man das Traden und kann die eigenen Strategien mit denen der Klassenkameraden vergleichen. Ein solches Training ist beliebt. Börsen-Wettbewerbe werden im Unterricht veranstaltet und Sieger gekürt. Ambitionierte Lehrer erklären, wie Aktionärsversammlungen, Inflationsraten oder politische Ereignisse die Kurse von Wertpapieren beeinflussen.
Praktische Einführungen in die Welt von Soll und Haben sind jedoch immer noch die Ausnahme. Häufig werden ökonomische Themen nur am Rande in Fächern wie Politik, Sozial- oder Gemeinschaftskunde behandelt. Oder gar nicht. 80 Prozent der 14- bis 24-Jährigen geben in einer Umfrage des Bankenverbands an, dass sie in der Schule „wenig“ oder „so gut wie nichts“ über Wirtschaft und Finanzen lernen oder gelernt haben.
Wer die Schule verlässt, sollte eigentlich über Verzinsung oder Altersvorsorge einiges gehört haben. Doch das Grundwissen fehlt. Viele können nicht einmal erklären, was eine Aktie ist. Die „Gen Z“ ist über Lücken beunruhigt. Denn sie weiß, dass sie nicht auf die staatliche Rente bauen kann. Und die Erfüllung kostspieligerer Wünsche muss oft in eine fernere Zukunft verschoben werden. Nur selten wird einem etwas geschenkt.
Ergebnisse des Hessenmonitors: Anlageverhalten der Generation Z
Studien weisen aus, dass das Interesse an Wirtschaftsthemen bei der jungen Generation groß ist. Über Wege, wie man das Know-how verbessern kann, diskutieren Fachleute schon lange. Doch es fehlte oft an belastbaren Daten. Jetzt hat der „Hessenmonitor“ fast 500 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren befragt und umfangreiches Material vorgelegt. In Kooperation mit dem Hessischen Finanzministerium führte das Leibniz Institute for Financial Research SAFE die Untersuchung durch.
Offener Umgang mit Geld und klaren Sparzielen
Die Generation Z spricht mit Gleichaltrigen offen über Geld. Man spart auch regelmäßig. Lediglich acht Prozent geben an, sich gar nicht um den angeblich schnöden Mammon zu kümmern. Die unter 35-Jährigen haben es nicht leicht, zurechtzukommen. Fast die Hälfte (44 Prozent) gibt an, schon zurückgesteckt zu haben, beim Autokauf, dem Erwerb einer Immobilie oder beim Anmieten einer Wohnung. Etliche entschieden sich für eine Ausbildung statt fürs Studium, um eher Geld zu verdienen.
Zwischen Aktienfonds, ETFs und klassischen Sparbüchern
Ein Drittel hat Schulden aufgetürmt, vor allem Personen mit niedrigerer Bildung. Auf der anderen Seite investieren immerhin 43 Prozent in den Kapitalmarkt. Bevorzugt sind breit gestreute Aktienfonds und ETFs, um irgendwann ein finanzielles Polster zu erwirtschaften, sodass man dem Ruhestand gelassen entgegenblicken kann.
Hasardeure sind die 18- bis 35-Jährigen nicht. Sparkonten, Tagesgeldkonten und das altehrwürdige Sparbuch (31 Prozent) sind bei ihnen noch die populärsten Anlageformen. Die Zoomer sind dennoch aufgeschlossener als die Boomer, wenn es um lohnende Alternativen geht.

Der ersten Generation, die voll digital aufgewachsen ist, dämmert es, dass es ohne eine Beimischung von Aktien schwer wird, höhere Summen beiseite zu legen. Ihre Beteiligung am Aktienmarkt liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Laut Deutscher Bundesbank verfügen nämlich nur 18 Prozent aller deutschen Haushalte über Einzelaktien und nur 24 Prozent über Investmentfonds.
Aktienbesitz nach Bildungsgrad und Geschlecht
Das sieht bei der Gen Z schon besser aus. Vor allem bei jungen Leuten mit guter Bildung. 40 Prozent aus dieser Gruppe verfügen über Aktien, wie der Hessenmonitor ausweist. Bei mittlerem Bildungsgrad waren es 20 Prozent, bei niedriger Bildung lediglich neun Prozent.
Auch geschlechtsspezifische Unterschiede spielen eine Rolle. Junge Männer (mehr als 50 Prozent) haben häufiger Aktien in ihrem Portfolio als junge Frauen (rund ein Drittel). Ähnlich ist die Verteilung bei Kryptowährungen: 23 Prozent zu sieben Prozent.
36 Prozent der Frauen gaben zu, den Begriff ETF nicht zu kennen. Aber nur 20 Prozent der Männer. Das mag zum Teil daran liegen, dass das sogenannte starke Geschlecht Fragen weniger selbstkritisch beantwortet. Allerdings zeigen die Daten des Hessenmonitors eindeutig, dass junge Frauen weniger risikobehaftete Anlagen bevorzugen. 37 Prozent besitzen ein Sparbuch, die wohl konservativste Anlageform. Bei den männlichen Altersgenossen waren es lediglich 24 Prozent.
Forderung der Wirtschaft: Automatische Kinderdepots für alle
Jungen Erwachsenen aus weniger privilegierten Verhältnissen falle der Zugang zu Finanzthemen besonders schwer, hebt der Hessenmonitor hervor. Hier setzen Forderungen an, Kinderdepots verpflichtend zu machen. Der US-Vermögensverwalter Vanguard und das Deutsche Aktieninstitut plädieren für ein automatisches Depot von Geburt an. Kinder aus ärmeren Familien sollten dabei staatlich extra gefördert werden. Mit einer Einbeziehung des Kapitalmarkts ließen sich bis zum 18. Lebensjahr Renditen von sechs bis neun Prozent erzielen, sodass dann alle jungen Erwachsenen einen finanziellen Grundstock hätten, auf den sie zurückgreifen könnten.
Die auseinandergebrochene Ampelregierung in Berlin beabsichtigte, Kinderdepots ab der Einschulung mit einer monatlichen Einzahlung von zehn Euro zu fördern. Die Regierung Merz hat die Pläne vorläufig zurückgestellt. Vanguard und das Deutsche Aktieninstitut fordern höhere und frühere Einzahlungen des Staates. Bei der Finanzbildung gibt es noch sehr viel Luft nach oben. Nach einer OECD-Studie von 2024 liegen die Deutschen mit 76 von 100 Punkten zwar über dem Länderdurchschnitt. Andere sind aber deutlich voraus.
Nationale Finanzbildungsstrategie: Blick in die Niederlande
Die Niederlande setzen beispielsweise seit 2008 auf eine nationale Finanzbildungsstrategie mit einem Pflichtfach „Finanzielle Selbstständigkeit“ ab Klasse sieben. Unternehmen, die Mitarbeiterschulungen zum Thema veranstalten, erhalten in unserem Nachbarland steuerliche Anreize. Die Online-Plattform „Wijzer in Geldzaken“ bietet überdies eine große Anzahl von Kursen an. Die Finanzkompetenz der Bevölkerung wird jährlich abgefragt. Die wächst: 82 Prozent der Jugendlichen in Holland besitzen Grundkenntnisse zur Altersvorsorge. In Deutschland sind es nur 37 Prozent.
Experten haben festgestellt, dass hierzulande die oberen zehn Prozent der Bevölkerung über ein achtmal höheres Finanzwissen verfügen als die unteren zehn Prozent. Damit ist kein Staat zu machen. Der Bankenverband beklagt, dass Initiativen des Bundes und der Länder zuletzt ins Stocken geraten seien. „Deutschland braucht endlich eine nationale Finanzbildungsstrategie, die es möglichst schnell umzusetzen gilt“, heißt es in einem Positionspapier Stellungnahme vom Oktober 2025.
Finanzielle Bildung müsse ein fester Bestandteil des Unterrichts werden. Angebote für Bevölkerungsgruppen in prekären Lebenslagen seien auszuweiten. Unternehmen sollten Programme für ihre Beschäftigten erarbeiten. „Finanzbildung ist mehr als ein individuelles Anliegen – sie ist ein Auftrag“, fasst Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, zusammen. Sie sei eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.
Häufig gestellte Fragen
Wie investiert Gen Z?
Die Generation Z investiert überwiegend digital über mobile Banking-Apps. Laut aktuellen Daten fließen Gelder bevorzugt in breit gestreute Aktienfonds und ETFs. Dennoch agieren junge Erwachsene nicht als Hasardeure: Traditionelle Anlageformen wie Sparkonten, Tagesgeld und das klassische Sparbuch bleiben weiterhin populär. Dabei wählen junge Frauen tendenziell sicherere Anlagen als junge Männer.
Auf was legt Generation Z Wert?
Bei Finanzthemen schätzt die Generation Z Transparenz, Schnelligkeit und digitale Nutzbarkeit. Sie fordert gut aufbereitete Informationen in Echtzeit, um Entscheidungen direkt über das Smartphone umzusetzen. Zudem pflegen junge Erwachsene einen ungewohnt offenen Austausch über Geld unter Gleichaltrigen. Das klare Ziel: Sie wollen frühzeitig ein finanzielles Polster aufbauen, um materielle Unabhängigkeit zu erlangen.
Warum ist finanzielle Bildung für Jugendliche so wichtig?
Junge Menschen wissen, dass sie sich nicht mehr auf die staatliche Rente verlassen können. Gleichzeitig geben 80 Prozent der Jugendlichen an, in der Schule kaum etwas über Wirtschaft zu lernen. Dieses fehlende Grundwissen erschwert den privaten Vermögensaufbau massiv. Finanzexperten fordern deshalb eine nationale Strategie und verpflichtende Unterrichtsfächer, um diese gefährliche Lücke zu schließen.
Was ist ein Kinderdepot und wie funktioniert es?
Eltern eröffnen ein Kinderdepot für ihren noch nicht geschäftsfähigen Nachwuchs. Bis zum 18. Geburtstag verwalten die Erziehungsberechtigten das Portfolio. Das eingezahlte Kapital gehört jedoch rechtlich zweifelsfrei dem Kind und muss strikt in dessen Interesse verwaltet werden. So sammeln Heranwachsende transparent und sicher erste, wertvolle Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt.
Welche Rolle spielen Aktien bei der Geldanlage junger Erwachsener?
Aktien bilden ein zentrales Element beim Vermögensaufbau der Jugend. Der voll digital aufgewachsenen Generation ist klar, dass reine Zinsprodukte nicht ausreichen, um nennenswerte Summen anzusparen. Ihre Beteiligung am Aktienmarkt liegt deutlich über dem deutschen Durchschnitt. Der Hessenmonitor zeigt zudem: Je höher der Bildungsgrad, desto häufiger befinden sich Aktien im Portfolio.
