Wer in Frankfurt Kinder hat, der kennt den Verein Abenteuerspielplatz Riederwald und die roten Spielmobile, mit denen er überall in der Stadt unterwegs ist. Die mit Spielzeug randvoll gepackten Fahrzeuge rollen seit genau 40 Jahren in die Stadtteile. Der Verein, den es bereits seit 50 Jahren gibt und den Michael Paris mitgegründet hat, betreibt darüber hinaus drei Abenteuerspielplätze und veranstaltet unter anderem die größten Ferienspiele des Rhein-Main-Gebiets.
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Wenn Valentin das Luftkissen aufpumpt, steht die kleine Malia schon ungeduldig daneben. Die Zweijährige hat erst kürzlich gelernt, darauf zu hüpfen. Kaum ist das Kissen freigegeben, stehen schon fünf weitere Paar Schuhe davor und die Kinder klettern auf die weiche Fläche. Nebenan wuseln ältere Jungen und Mädchen mit Dreirädern, Bobby-Cars, Rollern oder kleinen Tretautos über den Asphalt, malen, spielen an hölzernen Shuffleboard-Tischen oder rutschen die Rollenrutsche herunter.
„Wir haben vor 40 Jahren klein angefangen. Heute sind wir mindestens deutschlandweit, eher weltweit der größte Spielmobilbetreiber.“ – Michael Paris, Verein Abenteuerspielplatz Riederwald
Spielparadies vor der Haustür
Wenn das rote Spielmobil mit dem markanten gelben Schriftzug für eine Woche in einem Frankfurter Viertel hält, werden der Bürgersteig oder die triste Grünfläche zum bunten Spielparadies. Es gehört seit 40 Jahren zum Konzept, den Kindern, die vor ihrer Haustür wenig Spielmöglichkeiten haben, diese für eine bestimmte Zeit in ihr Viertel zu bringen. Damit sollen nicht nur Spielräume, die durch die Ausbreitung der Stadt verlorengegangen sind, zurückerobert werden. Dank ausgebildeter Pädagogen, die die Spielmobile begleiten, sollen zugleich Bewegungsentwicklung und Kreativität der Kinder gefördert werden.
„Wir haben vor 40 Jahren klein angefangen“, erzählt Michael Paris, der den Verein Abenteuerspielplatz Riederwald einst gründete und seitdem führt.

Damals, 1985, kaufte dieser mithilfe von Spenden den ersten VW-Bus mit Anhänger. Sechs Jahre später kamen mit städtischen Mitteln drei weitere Spielmobile hinzu. Und weil man sich von Anfang an auf die Bedürfnisse der Frankfurter Kinder einstellen wollte, wurde zusätzlich Deutschlands erste mobile Skateboard-Bahn selbst konstruiert. Die etwas verkleinerte fahrende Halfpipe ist ebenfalls bis heute unterwegs, inklusive Leih-Skateboards, Schutzausrüstung und einer kleinen Werkstatt.
Verein Abenteuerspielplatz Riederwald: Weltweit größter Betreiber
Längst fahren die mit Hüpfburg, Rollenrutsche, Stelzen, Laufrädern und Lego-Steinen ausgerüsteten Spielmobile nicht mehr nur die zuvor festgelegte Tour in die Stadtteile. Schnell kamen andere Kinderfest-Organisatoren auf Michael Paris zu und fragten, ob man die Spielmobile auch mieten könne. So entstand das zweite Standbein der Abteilung und die Expansion auf mehr als ein Dutzend Fahrzeuge folgte. Heute sind, weil es nicht genügend Mitarbeiter gibt, immer nur fünf Spielmobile parallel im Einsatz. Trotzdem seien sie mindestens deutschlandweit, eher weltweit der größte Spielmobilbetreiber, betont der frühere SPD-Politiker.
Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald, den er vor gut 50 Jahren als gerade mal 18-Jähriger mit einigen Mitstreitern gründete und für den er anfangs immer wieder gegen Skeptiker und politische Gegner habe kämpfen müssen, wie er berichtet, gestaltet heute einen großen Teil des Spielangebots für Kinder in der Stadt. Er betreibt drei Abenteuerspielplätze – im Riederwald, am Günthersburg-Park im Nordend und den Colorado-Park in Ginnheim –, in denen es darum geht, dass Kinder aller Altersgruppen unter pädagogischer Anleitung beim gemeinsamen Spielen in der Natur und mit Holz handwerkliche und kreative Fähigkeiten entwickeln können.
Alle drei Plätze haben ihren eigenen Charakter. Im Riederwald lässt es sich unter hohen Bäumen gut geschützt spielen. Ein Baumhaus-Labyrinth, die lange Seilbahn und ein aus Sandsäcken gebautes Schwimmbecken im Sommer sind nur einige der Attraktionen. Den Kletterturm auf dem Abenteuerspielplatz Günthersburg sieht man schon von Weitem. An ihm können die Kinder unter professioneller Aufsicht klettern lernen. Und im Colorado-Park geht es zu wie im Wilden Westen. In dem Stadtteil, in dem einst die Angehörigen der US-Armee lebten, stehen keine einfachen Hütten, sondern ein Saloon, ein Jailhouse und ein Ballroom. Das Gelände ist bepflanzt mit in Amerika heimischen Bäumen und Sträuchern, darunter auch mehreren Mammutbäumen.
Paddeln im Opernbrunnen
„Wir haben es uns aber zur Aufgabe gemacht, die gesamte Stadt bespielbar zu machen, weil Raum zum Spielen kostbar ist“, betont Michael Paris. Mit den Spielmobilen organisiert der Verein deshalb auch große Spielfeste, mal im Louisa-Park, mal auf dem Riedberg und vor Weihnachten eine Plätzchenback-Tour in unterschiedlichen Stadtteilen. Seit Neuestem darf einmal im Monat freitags auf der Konstablerwache gespielt werden. Denn Paris hat schon lange die wenig spielfreundliche Innenstadt im Visier. Mit Rutschen, Malutensilien oder mit Schminkzeug aus den Spielmobilen, Holz zum Bauen und großen Geräten wie dem Kletterturm, Bungee-Trampolinen und Co. sorgt der Verein seit gut 30 Jahren dafür, dass sich die Frankfurter Kinder im Sommer mitten in der Stadt austoben können.

Drei Wochen lang organisiert er Ferienspiele am Mainufer, wo die vereinseigenen Boote die Kinder über den Main schippern. Anschließend zieht das Spielparadies vor die Alte Oper, wo die Kleinen sogar im Opernbrunnen paddeln können. „Rund 45.000 Kinder und Jugendliche kommen jährlich zu den Main- und Opernspielen“, sagt Paris. „Ein so umfassendes Spielangebot gibt es in vielen anderen Großstädten nicht.“
„Kinder beschäftigen ist Arbeit, das sehen viele nicht. Es ist personalintensiv, aber wir finden immer schwerer Mitarbeiter. Und man braucht viel Geld für Dinge, die man gar nicht sieht.“ – Michael Paris, Verein Abenteuerspielplatz Riederwald
Kinder beschäftigen ist Arbeit
Ein solches Angebot sei aber nicht kostenlos zu haben, gibt der Vereinsvorsitzende zu bedenken. „Kinder beschäftigen ist Arbeit, das sehen viele nicht. Es ist personalintensiv, aber wir finden immer schwerer Mitarbeiter. Und man braucht viel Geld für Dinge, die man gar nicht sieht.“ Die Main- und Opernspiele, die seit Jahren von der Stadt nahezu den gleichen Zuschuss erhalten würden, verlangten eine aufwendige Planung. Allein 35 Mitarbeitende am Tag sind dort beschäftigt, „und wenn es nur einmal regnet, dann verbringen wir hinterher viel Zeit damit, die Spielgeräte wieder sauberzumachen.“

Auch für den Betrieb der Spielmobile werden die Zeiten nicht einfacher. Zum einen dürfen die alten Transporter aufgrund der Abgaswerte nur noch mit Sondergenehmigung im Stadtgebiet herumfahren. Zum anderen gebe es immer weniger der jüngeren Mitarbeiter, die die schweren Fahrzeuge fahren dürften und könnten. Da die Stadt Frankfurt keine neuen Fahrzeuge finanziere, setzt Paris schon länger auf Spender und Sponsoren, die meist als langjährige Partner den Verein unterstützen und beim Leasing eines Spielmobils helfen – zuletzt sogar des ersten elektrischen Spielmobils. „Denn die Nachfrage nach unserem Angebot in den Stadtteilen ist in den vergangenen Jahren stets gewachsen. Wenn anfangs 20 Kinder zu dem roten Bus kamen, sind es mittlerweile 100 oder mehr.“
Die beiden Mitarbeiter, die das Fahrzeug begleiten, seien allerdings dann nur noch damit beschäftigt, sie zu beaufsichtigen. Pädagogische Angebote seien kaum noch möglich. „Dafür bräuchten wir einen Mitarbeiter mehr pro Fahrzeug, also wieder mehr finanzielle Mittel.“
Geburtstagswünsche von Michael Paris
Wenn sich Michael Paris zum 40. Geburtstag seiner Spielmobile darüber hinaus etwas wünschen dürfte, hätte er gleich mehrere Ideen. Ein gemeinnütziger Hallenspielplatz, wie ihn der Verein fünf Jahre lang auf dem Riedberg betrieb, würde das pädagogisch wertvolle Spielen in Frankfurt unabhängig von Wetter und Jahreszeit wieder möglich machen. Ein zweiter Wunsch wäre mehr Spielfläche mitten in der Stadt. „Es gibt immer wieder zentral gelegene Brachgelände, die man wunderbar bis zum Baubeginn für eine bestimmte Zeit als Naturspielraum nutzen könnte.“

Meist liege es nicht einmal an den Grundstückseigentümern, diese würden das Gelände kostenlos zur Verfügung stellen. „Die Kosten für die Herrichtung des Areals sind aber oftmals zu hoch für uns. Die Stadt übernimmt sie leider nicht. Dabei wäre das innovativ und würde zugleich zeigen, dass Frankfurt kinderfreundlich ist.“
Mehr Informationen unter: www.abenteuerspielplatz.de
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