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Investieren in Gold – Der Hype um das Edelmetall

Grau ist alle Theorie, sagt Mephisto in Goethes Faust. Im Augenblick wird diese Weisheit wieder gern von Anlegern zitiert. Denn der Goldpreis geht durch die Decke und hat in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch mit 2.640 US-Dollar für die Feinunze (31,1 Gramm) erreicht. Damit haben im vergangenen Jahr nur wenige gerechnet. Denn die amerikanische Fed hat die Zinsen seit 2022 stetig angehoben. Nach den gängigen ökonomischen Lehrsätzen hätten die Interventionen zur Inflationsbekämpfung eigentlich dazu führen müssen, dass damit auch der Wert des Goldes sinkt. Das Gegenteil ist der Fall. Wie ist das nur möglich?

Gold ist so teuer wie noch nie in seiner Geschichte. Der Preis stieg seit 2019 um fast 70 Prozent. Lange galt das magische Metall, das seine Verehrer immer wieder mal in Rauschzustände versetzte, vor allem als Rückversicherung. Kein Wunder. In Perioden von Geldentwertung, Revolutionen oder Kriegen ermöglichte Gold, auch in schweren Zeiten zurechtzukommen.

Stabil, wenn andere schwächeln

Aber nüchtern betrachtet bringt Gold keine Zinsen. Es muss mit anderen Anlageklassen verglichen werden. Schon steigende Realzinsen auf zehnjährige Staatsanleihen machen Investitionen in Gold weniger attraktiv. Und ein florierender Aktienmarkt stellt den Wertzuwachs beim Gold schnell in den Schatten. Berater empfehlen dennoch Gold als Ergänzung, weil es oft gute Renditen in Phasen bringt, wenn andere Anlagen schwächeln.

„Der Goldanteil sollte maximal fünf bis zehn Prozent im Portfolio betragen. Auch Gold unterliegt Kursschwankungen.“ – Jan Funke, Frankfurter Sparkasse

Jan Funke von der Frankfurter Sparkasse bleibt trotz des Goldhypes gelassen. „Der Goldanteil sollte maximal fünf bis zehn Prozent im Portfolio betragen“, äußert der Vertriebsleiter Digitale Kanäle. Es bringe weder Zinsen noch Dividenden. Auch Gold unterliege Kursschwankungen. Das könne beim Verkauf zu Verlusten führen. Dennoch sei Gold für die langfristige Geldanlage geeignet, „zumal bei einem Anlagehorizont von mehr als einem Jahr steuerliche Vorteile gegenüber anderen Anlagen winken“.

Jan Funke ist Betriebsleiter Digitale Kanäle bei der Frankfurter Sparkasse, die Bank bietet Gold in Form von Münzen und Barren zum Kauf an (Foto: Frankfurter Sparkasse)
Jan Funke ist Vertriebsleiter Digitale Kanäle bei der Frankfurter Sparkasse, die Bank bietet Gold in Form von Münzen und Barren zum Kauf an (Foto: Frankfurter Sparkasse)

Die Frankfurter Sparkasse bietet für Interessenten den Kauf von Barren und Münzen an. Denn Vorsichtige schwören auf physisches Gold, dass, in Panzerschränken eingelagert, Schutz vor Turbulenzen bietet. Zur Not kann man es in eine Tasche packen und flüchten, falls die Welt um einen herum zusammenbricht.

Gold physisch oder virtuell

Optimisten vertrauen auch Gold, das als Wertpapier gehandelt wird. Wie zum Beispiel Xetra-Gold, das von der Deutschen Börse 2007 auf den Markt gebracht worden ist. Steuerlich unterliegt es – wie Barren und Münzen – nicht der Kapitalertragssteuer. Es besteht auch das verbriefte Recht, sich den Gegenwert in Gold ausliefern zu lassen. Nur was passiert, wenn dies auf einmal alle wollen?

Etliche Finanzexperten glauben, dass Gold auf absehbare Zeit attraktiv bleiben wird. Der in Zypern registrierte Broker LiteForex wagt einen Ausblick auf die nächsten Jahre. „Die Weltwirtschaft ist eng mit Geopolitik verknüpft“, konstatieren die Analysten des Unternehmens. Mehr als die Hälfte der weltweiten Nachfrage komme aus Indien und China. Für das Reich der Mitte ist das besonders praktisch. Denn als weltweit größtes Goldförderland profitiert China auch direkt von dem Boom. Zum Jahresende wird ein Goldpreis von 2.369 Dollar pro Unze prognostiziert. Bei LiteForex geht man davon aus, dass die Unze Gold 2030 bei 4.192 Dollar liegen wird. Das wäre gegenüber heute nochmal eine Steigerung von fast 80 Prozent .

Positive Ausblicke für Goldpreis

Natürlich haben Vorhersagen über einen ausgedehnteren Zeitraum etwas Spekulatives. Aber viele – auch die Liechtensteinische Landesbank (LLB) – bewerten die Entwicklung des Goldpreises vorläufig weiter deutlich positiv. „Wir gehen davon aus, dass aufgrund der nachhaltig guten Wirtschaftslage die Zinssituation in den Vereinigten Staaten zu straff ist und eine Lockerung noch in diesem Jahr erfolgen kann“, so Christian Chester, Senior Relationship Manager der LLB-Niederlassung Deutschland am Opernplatz.

Christian Chester, Senior Relationship Manager der LLB-Niederlassung Deutschland am Opernplatz, bewertet die Entwicklung des Goldpreises vorläufig deutlich positiv
Christian Chester, Senior Relationship Manager der LLB-Niederlassung Deutschland am Opernplatz, bewertet die Entwicklung des Goldpreises vorläufig deutlich positiv (Foto: Top Magazin Frankfurt)

Sinkende Zinsen sind seit jeher ein Indikator für steigende Goldpreise. Die Präsidentschaftswahlen im November in den USA machten es unwahrscheinlich, dass Washington auf einen Sparkurs einschwenke, glaubt die LLB. Sowohl Joe Biden als auch Donald Trump dürften – aus unterschiedlichen Motiven – die Fiskalprogramme deutlich ausbauen.

„Nur bei deutlich höheren Zinsen ist mit einem Preisrückgang zu rechnen. Ein solches Szenario ist derzeit nicht absehbar.“ – Christian Chester, Liechtensteinische Landesbank

Wenn Trump gewinnen würde, steige die Angst, dass er unmittelbar auf die Notenbank Einfluss nehme. „Auch das könnte den Goldpreis nach oben drücken“, meint Chester. Würden jedoch deutlich höhere Zinsen auf längere Sicht erwartet, wäre mit einem Preisrückgang zu rechnen. Ein solches Szenario sei derzeit nicht absehbar.

Geopolitisches Instrument

Wesentliche Treiber des Goldpreises waren in den vergangenen Monaten die Zentralbanken aus Schwellenländern mit starken Käufen. „Vor allem China reagiert auf die handelspolitischen Spannungen mit den USA“, diagnostiziert Stephan Kemper, Chief Investment Strategist im Private Banking der französischen Großbank BNP Paribas. Die Abhängigkeit von den USA solle damit verringert werden. China habe allein seit 2022 – dem Beginn des Ukraine-Krieges – 314 Tonnen Gold im Gegenwert von 21 Milliarden US-Dollar gekauft. „Das macht etwa ein Drittel der Käufe aller Zentralbanken aus“, hebt der Experte von der deutschen Niederlassung in Frankfurt hervor.

Für Stephan Kemper, Chief Investment Strategist Private Banking bei BNP Paribas, sind die Zentralbanken aus Schwellenländern mit starken Käufen die Treiber des Goldpreises (Foto: BNP Paribas)
Für Stephan Kemper, Chief Investment Strategist Private Banking bei BNP Paribas, sind die Zentralbanken aus Schwellenländern mit starken Käufen die Treiber des Goldpreises (Foto: BNP Paribas)

Gleichzeitig seien die Bestände an US-Staatsanleihen um 265 Milliarden Dollar gefallen. „Seit dem Höchststand im Jahr 2013 hat China den Bestand um 514 Milliarden Dollar reduziert“, bilanziert Stephan Kemper. „Das entspricht einem Rückgang von mehr als 40 Prozent.“ Gold in den eigenen Tresoren habe im Gegensatz zu Dollarbeständen den großen Vorteil, dass die Vermögensbestände nicht eingefroren oder sanktioniert werden könnten. Auf diese Weise lasse sich momentan auch die außergewöhnliche Stärke des Schweizer Franken erklären.

Eine niedriger dotierte US-Währung käme der Goldnachfrage zugute, weil der Kauf in der Regel in Dollar abgerechnet wird. Käufer aus anderen Ländern könnten daraus Nutzen ziehen. Trotz des aktuell eher starken Dollars heizen Privatinvestoren aus China die Hausse bereits heute an. Darauf deuten beispielsweise signifikant erhöhte Volumen in Goldfutures an der Börse in Shanghai hin. Die in Shenzen erscheinende Finanzzeitung „Securities Times“, die sich in Staatsbesitz befindet, warnte angesichts des Umfangs der Aktivitäten sogar schon vor einer spekulativen Blase.

Konsolidierung auf hohem Niveau

Die Gold-Investments in Fernost stehen im Gegensatz zum Verhalten westlicher Investoren. „Die haben seit Anfang 2022 Mittel aus Gold-ETFs abgezogen“, wie Stephan Kemper berichtet. Dem Experten von BNP Paribas Wealth Management-Private Banking erscheint das Aufwärtspotential für Gold auf zwölf Monate gesehen begrenzt. „Wir sehen für diesen Zeitraum den Preis in einer Spanne von 2.200 bis 2.400 US-Dollar“, so der Finanzstratege.

„Die Aussichten für Gold sind auch langfristig gut. Gold gilt als „sicherer Hafen“. Es entwickelt sich in Krisen oft besser als beispielsweise Aktien.“ – Stephan Kemper, BNP Paribas

„Mittelfristig dürften die anhaltenden Käufe der Zentralbanken für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sorgen.“ Die Bank mit Hauptsitz in Paris rechnet mit einer Zinssenkung der US-Zentralbank Fed im September und einer Abschwächung des Dollars. „Die Aussichten für Gold sind auch langfristig gut.“ Gold gilt als „sicherer Hafen“. Es entwickele sich in Krisen oft besser als beispielsweise Aktien, führt Kemper aus.

Man müsse aber realistisch bleiben. „Der Goldpreis ist zwar in Jahrzehnten stetig gestiegen. Relativ kurze, aber starke Bewegungen nach oben werden jedoch von längeren Korrektur- und Konsolidierungsphasen unterbrochen.“ Gold hinke unterm Strich Aktien in der Entwicklung hinterher.

S&P 500 erfolgreicher als Gold

Gold stieg seit März 1988 um 4,7 Prozent im Jahr. Der Aktienindex S&P 500, der die Aktien der größten börsennotierten amerikanischen Unternehmen umfasst, schraubte sich im Vergleichszeitraum jedoch inklusive Dividenden um 10,95 Prozent pro anno nach oben.

„Aus einem in Gold investierten US-Dollar sind so in all den Jahren 514 Dollar geworden. Wenn der gleiche Betrag in den S&P 500 investiert worden wäre, läge der Wert heute bei 4.350 Dollar“, fasst Kemper zusammen. „Gold gehört bei BNP Paribas zu den alternativen Investments. Wir allokieren in der Regel in unseren Mandaten 2,5 bis 7,5 Prozent in Gold. Im Extremfall können wir aber auch auf Null gehen.“

In Gold zu investieren, liegt im Trend. Es wird als Ergänzung empfohlen, weil es oft gute Renditen in Phasen bringt, wenn andere Anlagen schwächeln. (Foto: Freepik)
In Gold zu investieren, liegt im Trend. Es wird als Ergänzung empfohlen, weil es oft gute Renditen in Phasen bringt, wenn andere Anlagen schwächeln. (Foto: Freepik)

Ein deutlich höherer Anteil von Gold bringe „im Portfoliokontext keinen wirklichen Mehrwert“, hebt Kemper hervor. „Wir bevorzugen hier die Streuung über andere Edel- und Industriemetalle oder sonstige alternative Investments wie beispielsweise Trendfolgestrategien.“

Wer auf Gold schaut, nimmt regelmäßig auch Silber in den Blick. Dessen Preis hat sich in den letzten 10 Jahren immerhin gut verdoppelt. Es ist beinahe wie bei den bevorstehenden Olympischen Spielen in Paris. Kupfer, das für eine Bronzemedaille benötigt wird, erscheint vielen Fachleuten derzeit besonders spannend. Das Angebot sei knapp und die Nachfrage steige, schreiben Fachleute. Es sei speziell im Bausektor oder für Elektrofahrzeuge und generell für den Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Industrie unersetzlich.

Zeit der Verunsicherung

Die Verunsicherung angesichts der Weltpolitik ist groß – nicht nur in Deutschland. Der Gold-Hype ist auch ein psychologisches Signal. Der zeitgleiche Anstieg des Bitcoin auf ein Allzeithoch zeigt, dass den staatlichen Strukturen weniger vertraut wird als früher. Davon profitieren die neueste und die älteste Form, sein Vermögen abzusichern.

Die Deutschen mit ihren ausgeprägten Inflationsängsten horten zur Zeit laut einer Studie der Steinbeis-Hochschule 9.000 Tonnen Gold in Form von Barren und Schmuck. Zählt man die 3.300 Tonnen der Bundesbank hinzu, sind das etwa sechs Prozent der globalen Goldmenge. Würde man das ganze deutsche Gold in einen Würfel verschmelzen, ergäbe sich eine Kantenlänge von 8,60 Metern.

61 Prozent der Bundesbürger besitzen Gold entweder physisch oder in Wertpapierform. Der deutsche Goldschatz war zum Zeitpunkt der Erhebung (29. 01. 2024) rund 750 Milliarden Euro wert. Inzwischen dürfte die Summe weiter gewachsen sein.

Generation Z kauft Gold

Auch die Generation Z hat jetzt das Gold für sich entdeckt, wie Studienautor Jens Kleine erläutert. Unter den 1995 bis 2010 Geborenen gebe es aktuell deutlich mehr Goldkäufer als bei Älteren. Der Grund: Die Jungen hätten erstmals hohe Inflationsraten erlebt und seien von Kriegen und Krisen beunruhigt.

Drei Viertel (75,2 Prozent) der Befragten gaben in der im Auftrag der Reisebank durchgeführten Erhebung übrigens an, weiterhin Edelmetalle zu Anlegezwecken erwerben zu wollen. Dabei haben die meisten Gold im Visier. Seit Jahrtausenden spornt es die Menschen zu Extraleistungen an. Wer Gold besitzt, schaut eben ruhiger in die Zukunft.

In Gold Investieren – verschiedene Möglichkeiten

Physisches Gold:  Gold kann in Form von Münzen, Barren oder Schmuck gekauft werden. Das geht entweder im Fachhandel oder online.

Gold-ETFs:  Dabei wird in Wertpapiere investiert, die den aktuellen Goldpreis widerspiegeln. Die Papiere können entweder bei einem Broker oder im Internet gekauft werden.

Gold-Zertifikate:  Bei Banken können Wertpapiere gekauft werden, die den Goldbesitz bescheinigen. Man besitzt es aber nur auf dem Papier und nicht physisch. Ausnahmen sind das Gold-Zertifikat der Stuttgarter Börse (EUWAX Gold II) und Xetra-Gold. Hier kann sich der Anleger den Gegenwert der Zertifikate jederzeit auch physisch ausliefern lassen. Diese Möglichkeit bringt auch einen steuerlichen Vorteil mit sich: Denn nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs sind Gewinne auf diese Zertifikate nach einer Haltezeit von 12 Monaten steuerfrei.

Goldminenaktien: Man kann auch in Unternehmen investieren, die Gold fördern. Der Aktienwert hängt hier aber von bestimmten Faktoren wie Produktionskosten, Marktnachfrage und Goldpreis ab.

Goldfonds: Die risikoärmere Variante im Vergleich zum Goldminenaktienkauf. Man investiert in mehrere Goldwerte wie physisches Gold, Goldminenaktien oder Goldderivate.

Gold-Sparpläne: Man investiert über einen längeren Zeitpunkt in Gold und kauft somit Stück für Stück Goldbarren. Banken bieten dafür spezielle Programme an.


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