„In Frankfurt ist die Welt zu Hause“: In der Mainmetropole leben Menschen aus rund 180 Nationen – damit gilt „Mainhattan“ als die internationalste Stadt Deutschlands. Und doch wird dieses Potenzial selten ausgeschöpft. Junge, internationale Expats bleiben häufig unter sich, weil sie sich nicht zugehörig fühlen. Das muss sich ändern, findet der American German Business Club Frankfurt (AGBC). Welche Rolle dabei die Kommunalpolitik spielt, wie man die Unternehmer von morgen formt und wie das auch in Krisenzeiten erfolgreich gelingen kann, erzählt Geschäftsführerin Maja Vuksic.
Vor atemberaubender Kulisse treffen wir Vuksic – in der Lounge im 44. Stockwerk des Omniturms liegt einem die Stadt regelrecht zu Füßen. Dabei geht der Blick weit über die Frankfurter Innenstadt hinaus. „Es ist witzig, von hier oben merkt man erst, wie kompakt Frankfurt doch ist“, sagt die sympathische Wahl-Frankfurterin lachend.
Seit 2019 bekleidet sie das Amt als Geschäftsführerin des AGBC in Frankfurt. Der Verein wurde im Jahr 1964 in Bonn gegründet und sollte damals eine Brücke zwischen der USA, der Ölindustrie und Deutschland schlagen. Inzwischen zählt die Zweigstelle in Frankfurt – neben München – zu der größten in der Bundesrepublik.

„Was uns ausmacht: Wir wollen etwas verändern – wir wollen eine Verbindung zu der jungen, beruflich sehr erfolgreichen, internationalen Community aufbauen. Diese Gruppe wird oft – auch in der Kommunalpolitik – außer Acht gelassen, das ist verschenktes Potenzial“, konstatiert Vuksic. Ein Ansatz: In Interviews, die digital abzurufen sind, hat der Verein unlängst drei Lokalpolitiker befragt. Im Fokus: Weniger die parteipolitischen Inhalte, sondern vielmehr der individuelle persönliche Werdegang – die Motivation hinter der Leidenschaft für Politik und der Ehrgeiz, allen Widrigkeiten zu trotzen.
„Wir wollten den Menschen kennenlernen und nicht rezitieren, was auf den Wahlplakaten steht. Die Slogans kann ich mir selbst auf dem Weg durch die Stadt durchlesen“, sagt Vuksic forsch. Die Idee verbucht erste Erfolge: Entstanden sind drei ehrliche, mutige und spannende Interviews. Tina Zapf (die Grüne), Armand Zorn (SPD) und Birgit Weckler (CDU) präsentieren sich persönlich wie nie.
Ein weiteres wahres Leuchtturmprojekt des Vereins: Der Schüler-Wettbewerb „Entrepreneurs of Tomorrow“. In Deutschland ist er bisher einzigartig – andere vergleichbare Ausschreibungen richten sich an Studenten. Das Projekt besteht bereits seit 14 Jahren und lebt von dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder und Sponsoren.
Das Konzept ist ganz einfach: In Teams von bis zu vier Personen können Schüler aus der 9. bis zur 13. Klasse ihre Ideen und Business-Pläne einreichen. Dafür stehen ihnen Mentoren zur Seite. Vuksic: „Ziel ist es, dass die jungen Menschen schon frühzeitig lernen, unternehmerisch zu denken. So was lernt man normalerweise nicht in der Schule.“ Die besten fünf erhalten die Möglichkeit, ähnlich wie bei „Die Höhle der Löwen“, ihre Idee vor einer Experten-Jury zu pitchen. Der Hauptpreis ist mit 1.000 Euro dotiert.

2020 stellte sich der AGBC den neuen Herausforderungen und verlegte den Wettbewerb ins Digitale. Und noch mehr: „Dadurch konnten wir Schulen aus München, Köln und Düsseldorf mit ins Boot holen.“ Zudem konnte man erstmals Mentoren aus New York für das Projekt gewinnen. „Als immer mehr Mentoren aus den USA zugesagt haben, war das schon ein Erfolgserlebnis“, berichtet Vuksic stolz. „Corona hat uns vor große Herausforderungen gestellt, aber am Ende haben wir aus der Situation sogar gewonnen!“
Der Wettbewerb für 2021 ist bereits gestartet. Und wenn man sich die Resultate des letzten Jahres anschaut – eine App, mit der man sein geparktes Auto jederzeit wiederfindet („Spot Rent“) und eine Drohne, die Lieferungen von Restaurants in nur 10 Minuten direkt nach Hause bringt („Aeolos“) – wird klar: Man darf mehr als gespannt sein, was die jungen „Entrepreneurs of Tomorrow“ sich diesmal einfallen lassen.
