Das Forschungs- und Entwicklungszentrum des kräftig expandierenden Automobilherstellers Geely in Raunheim positioniert sich als Ideenschmiede für umweltgerechte und fortschrittliche Mobilität. Mit der Verpflichtung von Maximilian Szwaj als Managing Director hat der ambitionierte Konzern des chinesischen Milliardärs Li Shifu einen großen Schritt getan, um ganz oben mitzuspielen.
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Maximilian Szwaj eilt der Ruf voraus, Automarken mit weitreichenden Ideen und ausgefeiltem Produktdesign einen besonderen Glanz zu verleihen. Der gebürtige Ire, der unter anderem schon für BMW, Porsche, Ferrari und Aston Martin gearbeitet hat, steht für Leidenschaft und Perfektionismus. Mit seinem unbestechlichen Blick auf das große Ganze – angefangen bei der Konzeption über die Plattform bis hin zur Produktion – kann er überdies die Wirtschaftlichkeit von Projekten realistisch einschätzen. „Die Beziehung zum Auto ist für mich aber prinzipiell sehr emotional“, bekennt der Weltenbummler. „Ich verbinde Spaß und Liebhaberei damit.“
Der 56-Jährige Szwaj setzt auf Teamgeist. „Wir bringen hier die Besten zusammen“, sagt er. Auch die Ferrari-Legende Franco Cimatti gehört zu den innovativen Köpfen, die jetzt nicht weit vom Frankfurter Flughafen etwas Aufsehenerregendes schaffen wollen. „Die Spezialisten aus vielen Ländern decken vielfältige Fachgebiete ab. Die derzeit 160 Mitarbeiter – bald sollen es 300 sein – beziehen in den nächsten Wochen ein neues, schickes Bürogebäude, nur wenige hundert Meter vom jetzigen Standort entfernt (dazu mehr in der nächsten Ausgabe). Bislang firmiert man unter „Geely Auto Technical Deutschland GmbH“. Mit dem Wechsel des Gebäudes wird die Firmentochter der Chinesen eine knackigere Bezeichnung erhalten. Der neue Name soll eine gedankliche Verknüpfung mit Lotus und Technologie herstellen.
Lotus steht für Hochleistung
Dem deutschen Ableger fällt bei Geely die anspruchsvolle Aufgabe zu, besondere technische Lösungen zu entwickeln. Denn handwerkliche Vollkommenheit untermauert den Anspruch des Gründers und Eigentümers. Li Shifu will in absehbarer Zeit mit seinem Unternehmen weltweit die Führung im Prämiumsegment übernehmen.
Klangvolle europäische Marken wie Volvo, Smart und Lotus gehören bereits zur Geely-Familie. Bei Mercedes ist man größter Einzelaktionär. Das Gesamtportfolio birgt ein Potenzial, das noch stärker ausgeschöpft werden kann. Lotus, in den sechziger Jahren mit den Piloten Jim Clark, Graham Hill und Jochen Rindt absolut führend in der Formel 1, wird demnächst mit vollelektrischen und griffigen Hochleistungssportwagen an die große Geschichte von einst anknüpfen. Prototypen werden schon auf dem Nürburgring getestet.
Vieles von dem, was Lotus beim Restart nutzt, hat seinen Ursprung im Rhein-Main-Gebiet. Die Entwickler aus Raunheim sind Ermöglicher. Sie fanden unter anderem heraus, wie thermodynamische Probleme beim superschnellen Aufladen von Batterien durch ein effizientes Kühlungssystem zuverlässig in den Griff zu bekommen sind. „Wir müssen die hohen Erwartungen der Kunden an Luxus auf allen Ebenen erfüllen“, hebt Szwaj hervor. Qualität habe mit Nachhaltigkeit zu tun. „Es ist am Ende günstiger und besser, ein langlebiges Meisterstück zu erwerben als fünf Wegwerfprodukte.“
Begeisternde Ingenieurskunst
Großen Respekt hat der Ire vor dem, was Geely erreicht hat, gerade auch in China. „Es ist erstaunlich, wie hochmodern und fehlerlos dort unsere Autoproduktion läuft. Europa kann davon lernen.“ Szwaj kooperiert eng mit Mr. Feng, dem Lotus-Boss. Gemeinsam widmet sich die Mannschaft den Herausforderungen der Zukunft: Spitze zu sein bei Konnektivität, KI und autonomem Fahren, bei Interface-Funktionen und attraktiven Displays, bei Entertainment-Angeboten und dynamischen Chassis.
Es sei wichtig, dass man im Autoland Deutschland verankert sei. „Ich bin sehr dankbar, wie die hessische Landesregierung und die Stadt Raunheim uns unterstützen.“ Gerade entstünden rund um den neuen Standort 80 neue Schnellladestationen, um die nötige Infrastruktur zu schaffen.
Die Liebe von Motorsportfreunden für Verbrenner kann Szwaj gut verstehen. Er selbst sammelt passioniert Oldtimer und weiß trotzdem, dass die Gefährdung der Welt heute andere Antworten verlangt. „Die Kreativität der damaligen Ingenieure und die Schlichtheit der Klassiker sind begeisternd, aber nicht wiederholbar“, erläutert er. Die Auseinandersetzung mit der alten Ingenieurskunst sei jedoch bei der Entwicklung faszinierender Modelle noch immer hilfreich. „Wir werden für gehobene E-Mobilität weltweit Maßstäbe setzen“, kündigt Szwaj an.
