Søren Lynggaard ist Hoflieferant am dänischen Königshaus und trägt seit zwölf Jahren einen Totenkopf als Ring. Bei den Bad Homburg Open präsentierte er nicht nur den bekannten Elefanten-Anhänger seines Familienunternehmens als Sieger-Trophäe, sondern stand auch jeden Tag selbst am Verkaufstresen.
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Schmuckdesigner und Tennisprofis – passt das zusammen? „Na klar!“, meint Søren Lynggaard. „Disziplin, Lebensfreude und Leidenschaft – wir teilen die gleichen Werte, um unser Ziel zu erreichen.“ Wir treffen den CEO von Ole Lynggaard Copenhagen am vierten Tag der ersten Bad Homburg Open im Eingangsbereich des kleinen Boutique-Turniers. Gleich hier kann man sich den klassischen Tennis-Trend-Look ershoppen. Minifaltenröcke, Pullunder und natürlich auch typische Accessoires, um dem Dress noch etwas persönlichen Fashion-Spirit einzuhauchen.

Seit Tag eins steht der vierfache Familienvater im Anzug zwischen Armbändern, Ringen, Ketten und Ohrringen, um Interessierte persönlich zu beraten. Exklusive Schmuckstücke mit einer Auswahl an filigranen Anhängern in Form von exotischen Bambuszweigen, Blättern, Schlangen und Ästen glitzern und funkeln aus den Glasvitrinen. Handgefertigt aus Gold, Diamanten, Perlen und Farbedelsteinen, die aus Höhlen, Bergen und dem tiefblauen Meer geborgen wurden und die Augen zum Leuchten bringen. Wer mit Søren Lynggaard ins Gespräch kommt, merkt aber schnell, dass es nicht der teure Schmuck ist, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht – sondern sein Vertreter höchstpersönlich.
Hyggeliges Familiengeschäft
Wenn der großstämmige Mann mit Glatze sich im Anzug inmitten des Trubels auf dem Sessel niederlässt, die Arme entspannt auf der Lehne abgelegt und bei einem Glas Champagner anfängt, von seiner Familie zu erzählen, überkommt einen das Gefühl von Vertrauen und Gemütlichkeit à la skandinavischer Lebensart – einfach „hyggelig“! Er spricht von seinem Vater Ole Lynggaard, der 1963 seine allererste Werkstatt in derselben Straße in Kopenhagen im Stadtteil Hellerup nördlich vom Zentrum eröffnete, in der sich auch heute der Hauptsitz der Traditionsmarke befindet. Ein berühmter Designer, der „immer noch heute Kollektionen entwirft und extrem gut darin war, sich früh vom operativen Geschäft zu trennen und den Stab mir und meiner Schwester Charlotte, einer fantastischen Designerin, in die Hand zu geben. Das ist das Schönste: Er lässt uns immer unser Ding machen!“
„Als Kind half ich nach der Schule, die Werkstatt zu putzen, besuchte mit meinem Vater Kunden und baute die Stände auf Messen auf. Für mich stand unausgesprochen fest, dass ich einmal ins Familienunternehmen einsteigen möchte. Mir war damals nur nicht bewusst, dass es mit 25 Jahren schon so weit sein sollte“, verrät Søren Lynggaard. Nachdem er sechs Monate auf einer Schaffarm in Australien arbeitete, Militärdienst verrichtete, seine kaufmännische Ausbildung an einer Wirtschaftsschule in Kopenhagen absolvierte und parallel bei einem renommierten Hersteller für Saatgut angestellt war, bietet ihm sein Vater 1994 einen Job als Produktionsleiter in der Firma an. Im selben Jahr, in dem Charlotte ihre erste eigene „Bees & Flowers“-Kollektion lanciert. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt das Unternehmen gerade einmal 20 Mitarbeiter. Er nimmt an und wird 2003 CEO.

Die Marke ist Familiensache
„Zu meinen Aufgaben gehört es, zu schauen, dass wir als Familienunternehmen mit einem Team aus 125 Leuten inklusive 40 Goldschmieden alle an einem Strang ziehen und in eine gemeinsame Richtung arbeiten. Das Designen überlasse ich dabei aber voll und ganz meiner Schwester und meinem Vater“, schmunzelt Lynggaard. „Ich liebe es zwar, mit meinen Händen zu arbeiten – aber ich werkle dann doch lieber an alten Autos und Motorrädern!“ Ob die Entwicklung der Schmuckkollektionen oder die Einrichtung der Flagship-Stores – alles wird von Familie Lynggaard geplant, koordiniert und umgesetzt. „Jedes Mitglied ist in die Projekte involviert. Mein Vater reist morgen an. Nächste Woche treffen wir uns dann mit meiner Mutter, meiner Frau und meinen zwei ältesten Kindern auf der Paris Fashion Week, bei der wir ein Dinner für Kunden, Partner und Journalisten organisieren, um unsere Marke zu präsentieren.“
Dass auch Werbekampagnen ohne externe Agenturen realisiert werden, verwundert nicht: Der CEO braucht nur sinnbildlich in eine Truhe voller romantischer Familiengeschichten greifen und eine herauspicken, um sein Gegenüber in eine Blase aus Zuckerwatte zu ziehen, in der es warm und kuschelig ist. Zum Beispiel, wenn er davon erzählt, wie er mit seiner Schwester am Strand einen Elefanten aus Sand formte, das Lieblingstier seines Vaters. „Er war fasziniert von dem majestätischen Wesen, das er bei seinen Reisen nach Indien und Afrika live erleben durfte. Zum 25. Hochzeitstag designte er für seine Frau Karin schließlich einen Elefanten-Anhänger aus 18-karätigem Gold. Und zu ihrem 50-jährigen Hochzeitstag dann einen mit zusätzlich 536 Diamanten besetzt.“ Bis heute ist der Elefant ein Verkaufsschlager – und seit Neuestem in Form von 3,5 Kilo Bronze auch die Trophäe für den Sieger der Bad Homburg Open.

Tennis-Crack mit 85
Um die Balance zwischen Arbeit, Familie und Leben zu halten, ist Søren Lynggaard in seiner Freizeit besonders gerne sportlich aktiv. „Kitesurfen ist meine große Leidenschaft“, schwärmt er. „Und in meiner Familie sind nahezu alle Tennis-Fans. Wir treffen uns regelmäßig auch auf dem Platz.“ Selbst sein inzwischen 85-jähriger Vater Ole sei noch mit von der Partie. „Selbstverständlich haben wir auch schon mit unserer Markenbotschafterin, der dreifachen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber, ein Match gewagt, als sie uns in Kopenhagen besuchte!“ Der Tennis-Star aus Kiel triumphierte übrigens bei den Bad Homburg Open und konnte sich den heißersehnten Ole Lnyggaard-Pokal sichern. Mit nach Hause nehmen ging allerdings nicht. Die Trophäe bleibt in Bad Homburg, stattdessen gab’s für die ersten drei Platzierten eine Kette samt Sonderanfertigung des berühmten Elefanten, der einen Tennisball aus Weißgold auf dem Rüssel anstelle von Diamanten trägt.
Diamanten für Könige
Nicht nur die Profis schmücken sich gerne mit eleganten Accessoires, auch der Adel weiß die Qualitäten im Hause Lynggaard zu schätzen. Es begann vor 45 Jahren mit Manschettenknöpfen für Prinz Henrik von Dänemark, geborener Graf Henri de Laborde de Monzepat (†2018). Seit 2008 darf sich die Marke Ole Lynggaard offiziell königlicher Hoflieferant nennen. Dabei sind es vor allem Charlottes Designs, die Berühmtheit erlangten und ihren Weg ins Schloss Amalienborg fanden, die Kopenhagener Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II.. Kronprinzessin Mary leiht sich oft Schmuck für besondere Anlässe, das zeigen Dutzende Medienberichte. Unter anderem entwarf sie Marys Lieblings-Diadem: Die „Midnight Tiara“ aus Silber, Weißgold und Diamanten, die sie auch auf der Hochzeitsfeier von Prinzessin Madeleine von Schweden trug.

Aufgeregt ist er bei den Treffen mit den Royals nicht, sagt Lynggaard. „In all den Jahren, in denen ich für das Unternehmen tätig bin, hatten wir schon öfters Besuch von der königlichen Familie. Mein Vater hat viele Jahrzehnte mit der Königin-Mutter Ingrid von Dänemark (†2000) zusammengearbeitet und es ist eine freundschaftliche Beziehung daraus entstanden.“ Viel mitzureden habe er bei Geschäftsgesprächen allerdings nicht. Lynggaard lacht: „Mein Vater und meine Schwester führen die langen Diskussionen. Ich bin der Typ, der die Tür aufhält!“
Schmuck für den Mann
Es ist kaum vorstellbar: Aber Søren Lynggaard besaß – obwohl er einen bekannten Vater als Designer hat, der seit seinen Kindheitstagen die skandinavische Schmuckszene prägt – bis zum 40-jährigen Unternehmens-Jubiläum selbst nie Schmuck. Heute zieren neben einer Uhr gleich mehrere Armbänder seine Handgelenke: wie ein braunes Kalbslederarmband aus der „Sweet Drops-Kollektion“ mit Schlangenapplikation, das „Julius Armband“, das seine Schwester eigens für ihren Sohn Julius entwarf und ein Armband aus der „Life“-Kollektion, das wasserfest ist und rund um die Uhr getragen werden kann.
„Das Life-Armband war auch das erste Accessoire, das mein Vater Ole in seinem Leben trug. Er hat zwar Accessoires für meine Mutter designt, aber selbst auch nie Ringe oder Halsketten besessen. Schmuck war bei uns früher Frauensache.“ Im 21. Jahrhundert könne er nun aber einen Wandel feststellen. „Es zeigt sich, dass immer mehr Männer sich trauen, ihren persönlichen Stil mit besonderen Accessoires zu unterstreichen.“
Ein Totenkopf als Ehering
Dabei wandert sein Blick immer wieder nach unten zu seiner linken Hand. Er deutet auf den großen Totenkopfring am kleinen Finger: „Der hat für mich einen besonderen emotionalen Wert. 2009 ging ich als Pirat auf eine Mottoparty und ließ mir dazu von einem unserer Juweliere dieses Stück anfertigen. Er hat mir so gut gefallen, dass ich beschloss, ihn den ganzen Sommerurlaub zu tragen. Der gleiche Urlaub, in dem ich meine Frau Hanna kennenlernte.“

Als der Sommer vorüber ist, behält Lynggaard ihn einfach weiter an. Zum Missfallen seines Vaters und seiner Schwester. Lynggaard lacht: „Die meinten, das war ja ganz lustig, aber jetzt mal Spaß beiseite: Du bist CEO einer exklusiven Schmuckmarke, du kannst doch keinen Totenkopfring tragen. Der ist ja nicht mal aus einer Ole Lynggaard-Kollektion!“ Daraufhin stellt er seiner Schwester ein Ultimatum: „Ich sagte: Entweder du kreierst mir einen neuen oder ich behalte ihn für immer an. Sie war total entsetzt und der Meinung, sie kann das nicht machen, weil sie sonst ja nur filigrane, zarte Anhänger in Form von Blumen und Herzen entwirft.“ Zehn Jahre später die große Überraschung: „Zu meinem 50. Geburtstag schenkte meine Schwester mir diesen selbst angefertigten Totenkopfring“, sagt er stolz und streicht mit seinen Fingern andächtig über den Schädel aus Weißgold. „Er ist mit Diamanten besetzt, die bereits mein Großvater am Ringfinger trug.“
Live Life!
Der Totenkopf hat für Søren Lynggaard aber noch eine andere Symbolik: „Ich war vor Kurzem auf Schloss Rosenborg am Rande des königlichen Gartens Kongens Have in Kopenhagen zu Besuch. In der Schatzkammer werden seit dem 16. Jahrhundert die dänischen Kronjuwelen aufbewahrt. Dort findet man auch viele solcher Totenkopf-Zeichen, sogenannte ‚Memento mori‘. Der Ausdruck entstammt dem antiken Rom und soll die Könige daran erinnern: ‚Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst‘. Es ist für mich also auch ein ‚Live Life‘-Ring, der mich jeden Tag daran erinnert, dass man das Beste aus dem Leben machen und es genießen soll, solange man kann!“
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