Bereits im März hatte Claudia Dillmann, Direktorin des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums, bekanntgegeben, dass sie im Herbst in den vorzeitigen Ruhestand gehen würde. Gestern Abend feierte sie ihren offiziellen Abschied von der Frankfurter Stadtgesellschaft.

Geladen hatte Dr. Nikolaus Hensel, Vorstand des Deutschen Filminstituts, in den Garten der Kanzlei bhp Bögner Hensel & Partner. Mehr als 140 Gäste tummelten sich im Festzelt, in dem viele Worte des Danks und der Anerkennung zu hören waren. Allen voran natürlich Hensel selbst, der Claudia Dillmanns „hervorragenden Ruf in der Fachwelt“ hervorhob und ihr versicherte: „Auf Dein Lebenswerk, das Filmmuseum, wie es heute als einer der Brillanten am Museumsufer steht, darauf kannst Du stolz sein.“

Großes Lob

Die Verwaltungsratsvorsitzende des Deutschen Filminstituts, Frankfurts Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, schloss sich den Worten Hensels an: „Claudia Dillmann ist das Gesicht, das den gesellschaftlichen Stellenwert der Filmkultur in Hessen und auch weit darüber hinaus entscheidend geprägt hat. Ihr Einsatz für die Filmkultur ist überragend. Beherzt, mutig und unbeirrbar kämpfte sie um das europäische Filmerbe genauso wie um Drittmittel und Sponsoren. Wort- und weltgewandt leitete sie als Multitalent und Direktorin das Deutsche Filminstitut wie das Museum. Der Erfolg des Filmmuseums ist ein Erfolg seiner Direktorin und ihrer Cinéphilie“, so Hartwig.

Von einem „Verlust für die Kulturszene Frankfurts und Hessens“, sprach Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Claudia Dillmann arbeitete unermüdlich daran, den Film im kulturellen Bewusstsein zu verankern. Sie hat ein besonderes Gespür für die Zukunft des Films und gestaltete sie mit großer Fachkenntnis, Begeisterung für das Bewegtbild und der Leidenschaft, neue Wege einzuschlagen, mit. Der Filmstandort Hessen hat ihr sehr viel zu verdanken. Ich wünsche ihr für die Zukunft alles Gute“, so Rhein.

Dr. Rainer Rother, Vorsitzender des Kinematheksverbundes und Künstlerischer Direktor, Deutsche Kinemathek Berlin, erinnerte an viele gemeinsam durchlebte Festivaltage im italienischen Pordenone und lobte Dillmanns „Kämpferherz und Hartnäckigkeit: Du hast immer wieder Wege gefunden etwa mit goEast die Bedeutung des Films für uns neu sichtbar zu machen.“

Sandra den Hamer, Vorstand der Vereinigung der europäischen Filmarchive und Kinematheken ACE und Direktorin EYE Amsterdam, betonte, dass Claudia Dillmann als ACE-Präsidentin eine ganze Reihe von Projekten angestoßen habe „mit dem Ziel, unsere kinematographische Vergangenheit zu bewahren und für die Zukunft zu sichern: Wir sind immer noch neidisch“, scherzte sie.

Ein bisschen Wehmut kam zum Abschied natürlich auch bei Claudia Dillmann selbst auf. Doch scheidet sie mit einem „guten Gefühl und zu einem guten Zeitpunkt. Das Haus ist mit seinem fantastischen Team und einer Ausstellungsplanung bis Sommer 2019 sehr gut aufgestellt. Mein Vorstandskollege Dr. Nikolaus Hensel und ich haben in den vergangenen Monaten zudem intensiv an der Verbesserung der finanziellen Situation des Instituts gearbeitet. Ich freue mich, Filminstitut und Filmmuseum in einem hervorragenden Zustand übergeben zu können“, so Dillmann. „Mit der Ausrichtung der Feier am heutigen Abend haben mir Niko Hensel und mein Team eine ganz besondere Freude gemacht. Ich danke Euch sehr.“

Große Verdienste

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein überreicht Claudia Dillmann das Bundesverdienstkreuz am Bande
Kunst- und Kulturminister Boris Rhein überreicht Claudia Dillmann das Bundesverdienstkreuz am Bande

Die studierte Germanistin, Kunsthistorikerin sowie Theater- und Filmwissenschaftlerin leitete seit dem 1. Februar 1997 das Deutsche Filminstitut (DIF), zu dem das Deutsche Filmmuseum gehört. Hier war sie zuvor Kuratorin gewesen. Dillmann ist zudem Mitbegründerin des goEast Festivals des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden.

Sie wirkte außerdem an der Online-Plattform filmportal.de mit und war von 2004 bis 2012 Präsidentin der Vereinigung der europäischen Filmarchive und Kinematheken. Nicht zuletzt trieb sie Planung und Bau des neuen Filmmuseums in den Jahren 2007 bis 2011 voran. Im Einsatz für die Filmdigitalisierung spielte die 63-Jährige eine Schlüsselrolle. Für ihr erfolgreiches Wirken wurde sie im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Jetzt wechselt Claudia Dillmann in den vorzeitigen Ruhestand. In Zukunft möchte sie sich wieder mehr dem Schreiben widmen und ihre reichen Erfahrungen in Kulturprojekte einbringen. „Ich freue mich auf die freie Zeit und die Muße im vor mir liegenden Lebensabschnitt“, sagt Claudia Dillmann. „Dennoch werde ich dieses Haus nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit mit Bedauern verlassen. Vermissen werde ich vor allem das Team: dessen kreative Kraft, Expertise, Begeisterungsfähigkeit und Herzlichkeit. Ich wünsche dem Deutschen Filminstitut eine glänzende Zukunft und werde dem Haus stets verbunden bleiben.“