Byke-Gründerin Julia Boss beim Frankfurt-Start auf der Hauptwache
Byke-Gründerin Julia Boss beim Frankfurt-Start auf der Hauptwache

Das Berliner Start-Up Byke will Frankfurt noch mobiler machen. Ob quer durch die Stadt, ins Büro oder von der S-Bahn nach Hause. Seit heute lassen sich diese Strecken mit blau-gelben City-Rädern zurücklegen. Das System gefällt nicht jedem.

100 ihrer blau-gelben Leih-Fahrräder hat Byke-Gründerin Dr. Julia Boss zum Marktstart nach Frankfurt mitgebracht. Dies sei jedoch nur der Anfang, versichert sie uns. Ziel sei es, die Metropole mit einigen Hundert auszustatten. Zumindest, wenn künftig die Nachfrage besteht.

Die robust wirkenden Gefährte lassen sich per Smartphone-App auf einer interaktiven Stadtkarte orten und buchen. Das System funktioniert im Gegensatz zu den beiden bestehenden Verleihsystemen in Frankfurt stationslos. Bei Call-a-Bike der Deutschen Bahn und Next-Bike stehen die Fahrräder an festen Plätzen und müssen nach der Benutzung auch wieder dort abgestellt werden. Solche feste Standorte gibt es bei Byke nicht. Die Räder können mit dem Smartphone geortet und gebucht werden. Nach der Fahrt kann man sie an beliebiger Stelle abstellen.

Zum Auf- und Abschließen genügt es, den QR-Code am Rahmen der Räder per App zu scannen. Nach der Fahrt wird das Rad einfach am Zielort abgestellt, mit dem Abschließen endet die Miete automatisch. Eine halbe Stunde kostet 50 Cent.

Die Räder werden per Smartphone-App gefunden und gebucht
Die Räder werden per Smartphone-App gefunden und gebucht

„Meine Vision ist es, mich schnell, flexibel und unabhängig in einer Stadt fortbewegen zu können“, sagt Julia Boss. Die Drahtesel sind nach Angaben des Start-ups alle mit höhenverstellbarem, gefedertem Sitz ausgestattet und verfügen über eine Drei-Gang-Schaltung. Eine regelmäßige Wartung soll sicherstellen, dass alle Räder „stets gut in Schuss sind“.

Byke war Anfang Oktober bereits in Dreieich und Langen mit ebenfalls jeweils 100 der blau-gelben Exemplaren gestartet. Dort befinden sich auch das zentrale Lager und die Werkstatt. Für die beiden Orte eine Besonderheit. Derartige Services werden bislang vorwiegend in Großstädten angeboten. „Frankfurt war das nächste attraktive Ziel, weil es die Pendler-Stadt schlechthin ist“, so Boss.

Hinter den vier Buchstaben des Berliner Anbieters verbirgt sich das neue Start-up von Christian Macht. Der ehemalige Rakuten Deutschland-Macher hatte sein Unternehmen Ende des vergangenen Jahres verlassen, um mit der Mobility-Firma Byke durchzustarten. „Wir bieten Bike Sharing für kürzere Strecken in urbanen Gebieten an. Dabei ist uns eine benutzerfreundliche, bequeme und sichere Fahrt besonders wichtig! Mit Byke wollen wir eine umweltbewusste Alternative für den Kurzstreckentransport anbieten”, heißt es auf der Website des Start-ups.

Die China-Räder kommen

Der Markt für Leihfahrräder in der Main-Metropole scheint interessant. Gleich fünf Unternehmen aus Fernost wollen tausende ihrer Drahtesel nach Frankfurt bringen. Die Anbieter, meist junge Unternehmen, hinter denen finanzkräftige Investoren stehen, heißen Mobike, Yobike, One-Bike, GoBee-Bike, BlueGoGo, Zen-Bike oder O-Bike, das laut eigener Darstellung die „smarteste Bike-Sharing Plattform der Welt“ ist.

Sie alle planen ebenfalls den stationslosen Verleih in Frankfurt. Das System des beliebigen Abstellens sorgt in anderen Metropolen bereits für Ärger. So gehen beim städtischen Tiefbauamt in Zürich täglich Beschwerden über Räder ein, die Wege blockieren oder Fahrradständer verstopfen. Amsterdam untersagte den Betreibern die Nutzung öffentlicher Fahrradabstellanlagen. Die Stadt Frankfurt befürchtet für die Zukunft chaotische Zustände, weshalb Verkehrsdezernent Klaus Oesterling die rechtliche Situation prüfen lässt.