HomeNewsZwischen Pulled Pork und Posten-Poker: Das Sommerfest der Frankfurter Wirtschaft

Zwischen Pulled Pork und Posten-Poker: Das Sommerfest der Frankfurter Wirtschaft

Die Wirtschaft feiert sich, die Politik feiert das Gestern. Und abseits der Bühne wird die Macht verteilt. Beobachtungen von einem Abend, dem es an nichts fehlte – außer an einer Vision.

Industrie-Charme statt Plüsch. Eine alte Lagerhalle im Gutleutviertel, derzeit Herberge der Ausstellung „City of Wow“ und künftiges Interim für die Städtischen Bühnen. Eine perfekte Kulisse für das Sommerfest der Wirtschaftsförderung. Das Logistische vorab: Die Wifö hat geliefert. Kühler Weißwein, Pulled-Pork-Burger und Banh Mi an den Live-Cooking-Stations.

Pulled-Pork-Burger auf Tellern bei den Live-Cooking-Stations des Sommerfests
Kulinarischer Volltreffer: Frisch zubereitete Pulled-Pork-Burger an den Live-Cooking-Stations.

Dazu eine Gästeliste, die sich sehen lassen konnte. Ein hochkarätiges Who-is-Who der Frankfurter Wirtschaft, starke Typen, echte Macherinnen und Macher. Dass parallel in den USA, Kanada und Mexiko die Fußball-WM läuft? An diesem Abend höchstens eine Randnotiz. Hier wurde nicht geguckt, hier wurde genetzwerkt.

Schaufenster-Rhetorik ohne Fahrplan

Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst und Wifö-Chef Bernhard Grieb im Dialog auf der Bühne
Launiger Dialog ohne tiefe Vision: Stephanie Wüst und Bernhard Grieb auf der Bühne.

Auch auf der Bühne wehte ein frischer Wind. Der ermüdende Werbeblock des Vorjahres? Gestrichen. Statt starrer Reden am Pult lieferten sich Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) und Wifö-Chef Bernhard Grieb ein launiges Zwiegespräch. Der offizielle Teil blieb erfreulich kurz. Der Haken: der Inhalt.

Unternehmer planen die Zukunft. Politiker loben die Vergangenheit. Start-ups, World Design Capital, Rückkehrer wie Condor – auf der Bühne wurde das städtische Schaufenster poliert. Die große Vision für das kommende Jahrzehnt? Fehlanzeige. Man hakt Buzzwords wie KI und Gamification ab, liefert aber keinen Fahrplan. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Entstehen die wirtschaftlichen Erfolge, die die Politik so gerne für sich reklamiert, eigentlich wegen ihr? Oder vielleicht eher trotz ihr?

Frankfurt beobachtet, Mailand greift zu

Wie zahnlos das phasenweise wirkt, offenbarte ein Nebensatz. Wüst, die im langen schwarzen Kleid mit pinkfarbenen Pumps zumindest modisch ein Statement setzte, räumte ein, dass namhafte Unternehmen wegen bundespolitischer Entscheidungen gerade „Milliarden-Investments in der Region zurückgezogen haben“. Ihre wirtschaftspolitische Kampfansage angesichts dieses Aderlasses? Sie wolle da mal „genauer hinschauen“. Milliarden fließen ab – und die Stadt kündigt an, den Vorgang zu beobachten.

Vielleicht ist das der Grund, warum ein anderer Satz Wüsts besonders aufhorchen ließ: „Am Ende geht es darum, dass Frankfurt und die Unternehmen hier immer noch wettbewerbsfähig sind.“

Immer noch. Ein kleines Wörtchen mit gewaltiger Fallhöhe. War das leise Selbstkritik? Die späte öffentliche Erkenntnis, dass der Standort längst von seiner Substanz zehrt? Die Einschläge kommen jedenfalls näher: Der S. Fischer Verlag flüchtet mit einer Ohrfeige nach Berlin , und Mailand greift nach der Commerzbank. Die Wirtschaft schafft Fakten, während sich die Kommunalpolitik lieber monatelang um Posten balgt oder über Poller im Nordend streitet. IHK-Präsident Ulrich Caspar legte den Finger, wenn auch in anderem Kontext, elegant in dieselbe Wunde: „Bedenkenträger sind nicht die, die die Zukunft gestalten.“ Ein Gruß in Richtung Elon Musk. Und ein Treffer gegen städtische Behäbigkeit.

Man mag Wüst nachsehen, dass sie an diesem Abend lieber das Gestern feierte, als ein Morgen zu skizzieren. Nach der Kommunalwahl sind die Würfel gefallen, ihre Abwahl steht bevor. Warum ein Haus bauen, in dem man politisch nicht mehr wohnt? Ihr ehrlichster Satz fiel ohnehin am Ende: „Ich möchte danach erst mal einen Aperol trinken.“ Wohl bekomm’s.

Frankfurter Wirtschaftsentscheider im Gespräch an Tischen beim Sommerfest
Netzwerken auf Augenhöhe: Die Frankfurter Wirtschaft nutzt den Abend für intensive Gespräche. (Foto: Joppen)

Flurfunk: Techno-Geld und Posten-Poker

Spannender war das Raunen abseits der Bühne. Zwei Themen mischten sich bei Chardonnay und Banh Mi immer wieder in die Gespräche der hochkarätigen Gäste.

Erstens: Die städtische Tourismusabgabe und ihre Ausweitung auf Geschäftsreisende. Eine Stadt, die ohnehin schon mehr als drei Milliarden Euro über die Gewerbesteuer einnimmt, bittet die Wirtschaft weiter zur Kasse. Zehn Millionen Euro extra. Mindestens. Die drängende Frage des Abends: Wird dieses Geld eigentlich sinnvoll investiert oder am Ende nur gefällig verteilt?

Das Misstrauen überwiegt. Vor allem, weil das Gerücht die Runde machte, dass das Techno-Festival „World Club Dome“ nach dem Ausscheiden des Frankfurter Unternehmers Bernd Breiter großzügig mit einem üppigen sechsstelligen Betrag aus diesem Topf bedacht wurde. Dass ein Mitarbeiter von Stephanie Wüst an diesem Abend im passenden T-Shirt als wandelnde Werbesäule für exakt dieses Event herumspazierte, ist da zumindest konsequent.

Zweitens: Das Revierverhalten der CDU. Das künftige Regierungstableau ist festgezurrt, der Kreisvorstand warm und trocken untergebracht. Nils Kößler (Finanzen), Martin-Benedikt Schäfer (Sicherheit und Ordnung), Yannick Schwander (Verkehr). Und Susanne Serke beerbt Stephanie Wüst demnächst im Wirtschaftsressort. Überraschung? Null. Aus den städtischen Gesellschaften war jedoch bereits zu hören, dass man sich dort gerne mehr Erfahrung gewünscht hätte. Aber man kann eben nicht alles haben.

Immerhin: Ein politischer Lichtblick bleibt. Bemerkenswerterweise hat es die „Marke Frankfurt“ in den neuen Koalitionsvertrag geschafft. Künftig will man diese „dezernatsübergreifend und mit externer Unterstützung“ neu entwickeln. Ein überfälliger Schritt, der die Stadt endlich als Ganzes denken könnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Am Ende war es ein typischer Frankfurter Abend. Die Wirtschaft macht die Arbeit, die Politik macht die Posten unter sich aus, das Catering und die Gäste retten die Stimmung. Die „City of Wow“ bleibt vorerst ein Slogan an den Wänden der alten Lagerhalle. Aber der Aperol war sicher exzellent.

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