Pink-violett changierte das Licht, das beim Neujahrsempfang der IHK in der Börse auf Pavillon und Bäume geworfen wurde. Und auch die Zukunft zeichnete man hier trotz politisch angespannter Lage in positiven Farben. Beherrschendes Thema des Abends – sowohl in Reden als auch in privaten Gesprächen – war wie auf fast allen Veranstaltungen in diesen Wochen die Flüchtlingskrise. Dass sie eine große Herausforderung darstelle, darüber war man sich unter den 1.500 Gästen, unter ihnen zahlreiche Entscheider aus Wirtschaft und Politik, einig. Hinsichtlich ihrer Bewältigung freilich gingen die Meinungen auseinander.

„Uns ging’s noch nie so gut wie heut‘“

Die Politik mühte sich um Zuversicht. „Uns ging’s noch nie so gut wie heut‘“, erklärte etwa der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, Bezug nehmend unter anderem auf 100.000 neu entstandene Stellen in der Metropolregion. Oberbürgermeister Peter Feldmann betonte die wirtschaftliche Stärke der Stadt und begrüßte deren wachsende Einwohnerzahl. Von Seiten der Wirtschaft gab es zwar auch eine überwiegend positive, aber nicht ungetrübte Erwartungshaltung für 2016. IHK-Präsident Mathias Müller etwa kritisierte die Folgen des Kommunalen Finanzausgleichs für Frankfurt wie die Spirale von Gewerbesteuer-Erhöhungen. Der Wirtschaftsweise und Hauptredner Professor Volker Wieland thematisierte die Qualifizierung von Flüchtlingen für den Arbeitsmarkt. Trotz einiger problematischer Aspekte sah er dabei Grund zum Optimismus.

Präsident der IHK Frankfurt, Dr. Mathias Müller, mit Gabriele Eick und Ministerpräsident Volker Bouffier
Präsident der IHK Frankfurt, Dr. Mathias Müller, mit Gabriele Eick und Ministerpräsident Volker Bouffier

Auch abseits der Rednerpulte dominierte der zuversichtliche Blick in die Zukunft. „Wir haben die Kraft, die sich uns stellenden Aufgaben zu bestehen“, sagte uns etwa der hessische CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Michael Boddenberg. „Dazu ist auch notwendig, über den Tellerrand zu schauen. Dann würden wir auch erkennen, dass wir zufrieden sein können, wo wir leben.“

Auch Petra Roth geht mit Freude ins neue Jahr. Die Ex Oberbürgermeisterin Frankfurts hat neben politischen auch private Gründe dafür: „Meine Familie hat Zuwachs bekommen – ich habe noch einen Enkel hinzu gewonnen!“

Nicht überall indes wurde die positive Einschätzung der bevorstehenden Entwicklungen geteilt. „Ob es ein gutes Jahr wird, das wird auch davon abhängen, in welchem Maße die Politik Worte dafür findet, in welcher Situation wir uns befinden“, erklärte uns Verleger Joachim Unseld. „Konsens statt Alleingang wäre ebenfalls wichtig.“

„So kalt es draußen war, so stark engagiert war es drinnen“

Weniger entscheidend für die Zukunft, nichtsdestotrotz ein an diesem Abend viel diskutiertes Problem: das Ausbleiben des Wein-Ausschanks während der Reden. Stattdessen und als Gegenmittel gegen die Kälte griffen die Gäste umso mehr zum pikanten Laugengebäck des Bad Homburger Brezelbursch Norbert März. „Wir haben über 4.500 Stückchen rausgegeben“, berichtete uns stolz eine Mitarbeiterin.

Großen Absatz fanden ebenfalls die Cocktails wie Caipirinha, Moscow Mule und Mango Margarita. Und auch in der Raucherlounge frönte man den altbewährten Genüssen. Am Stand einer Tabakrollerin aus Brasilien bildeten sich wie gewohnt Schlangen von Aficionados. Bis weit in die Nacht feierten sich die wirtschaftliche und politische Elite Frankfurts. „So kalt es draußen war, so stark engagiert war es drinnen“, zog IHK-Geschäftsführer Reinhard Fröhlich Bilanz.

So verlief der IHK-Neujahrsempfang 2016 ähnlich zu denen vergangener Jahre – ähnlich, aber doch ganz anders.