Museumsdirektorin Prof. Dr. Mirjam Wenzel, OB Peter Feldmann, Kulturdezernentin Ina Hartwig, Oberbürgermeister a.D. Andreas von Schoeler, Staatssekretärin Ayse Asar
Museumsdirektorin Prof. Dr. Mirjam Wenzel, OB Peter Feldmann, Kulturdezernentin Ina Hartwig, Oberbürgermeister a.D. Andreas von Schoeler, Staatssekretärin Ayse Asar

Größer, heller, freundlicher, moderner: Nach fünf Jahren Umbauzeit eröffnet am 21. Oktober das neue Jüdische Museum mit spektakulären Lichtachsen und stockwerkübergreifenden Fenstern. Von Kitti Pohl

Der einzigartige Komplex besteht aus dem neoklassizistischen Rothschild-Palais und dem erstaunlichen Lichtbau, der mit seinem koscheren Café „Flowdeli“ samt Terrasse, einer Bibliothek und dem großzügigen Lichthof mit der beeindruckenden Baumskulptur öffentlich zugänglich ist.

Die historischen Räume des Rothschild-Palais nach der Renovierung
Die historischen Räume des Rothschild-Palais nach der Renovierung

Jüdisches Museum Frankfurt: Ein Museum gegen Hass

„Ein Haus für alle, wo es viel zu entdecken gibt, mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und stark zu machen gegen Hass,“ sagte OB Peter Feldmann bei der Pressekonferenz in der Empfangshalle des Museums: „Frankfurt ist sicherlich die jüdischste Stadt Deutschlands. Die Ausstellung widmet sich vor allem gegenwärtigem jüdischen Leben in Frankfurt. Das ist bundesweit einmalig.“

Das neue Jüdische Museum Frankfurt (Foto Norbert Miguletz)
Das neue Jüdische Museum Frankfurt (Foto Norbert Miguletz)

Museum ohne Mauern

Kulturdezernentin Ina Hartwig: „Dieses Museum macht Jüdisches Leben auf kognitive und virtuelle Art erlebbar. Ein Museum ohne Mauern, das allen Menschen offensteht. Auch jenen, die die Ausstellung gar nicht besuchen wollen. Ein lebendiger und sozialer Ort, einer der wichtigsten öffentlichen Räume der Stadt,“ so Hartwig.

Für das Land Hessen, das den ersten kommunalen Museumsbau Deutschlands unterstützt, sprach Staatssekretärin Ayse Asar: „Ein Lernort, der die Höhepunkte, Abgründe und die Gegenwart Jüdischen Lebens in Frankfurt in den Blick nimmt. Eine unverzichtbare Bildungseinrichtung für das ganze Land.“

Jüdisches Museum Frankfurt: Anne Franks Kinderstühlchen

Die Dauerausstellung „Wir sind Jetzt“ macht auf drei Etagen das jüdische Leben in Frankfurt anhand verschiedener Biographien sichtbar, von der Zeit der Aufklärung im 19. Jahrhundert über die Ghettoisierung und den Nationalsozialismus bis zur Gegenwart. „Ein Museum, das Geschichte in Geschichten erzählt, ein Storytelling-Museum aus Jüdischer Perspektive,“ erklärte Direktorin Prof. Mirjam Wenzel.

Exponate des Famile Frank Zentrums im Jüdischen Museum Frankfurt
Exponate des Famile Frank Zentrums im Jüdischen Museum Frankfurt

Die Ausstellung wirkt frisch und modern, ist spannend, interaktiv und voller Überraschungen: So begrüßen Zeitgenossen wie die Gastro-Brüder James und David Ardinast lebensgroß per Video die Museums-Besucher, es gibt ungewöhnliche Kippas, Chanukka-Leuchter und bildende Kunst. Prof. Wenzel: „Wir wollen alle Menschen ansprechen, auch Nicht-Museumsbesucherinnen und -Besucher. Vor allem Jugendliche, die von ihrem Elternhaus her nicht unbedingt in diesem Museum landen würden. Zugespitzt gesagt: Auch die türkischstämmige Familie aus Offenbach.“

Jüdische Kultur der Gegenwart – Moderne Kippas
Jüdische Kultur der Gegenwart – Moderne Kippas

„Ask The Rabbi“ im Jüdischen Museum Frankfurt

Spannend: Die Themenkomplexe Tradition und Ritual, Familie und Alltag werden anhand von Filmen, Slideshows, Videoinstallationen, historischen Dokumenten, Aufzeichnungen und Alltagsgegenständen erklärt. Ein Komplex widmet sich der Familie Frank, zeigt Spielsachen, persönliche Briefe und Anne Franks rot gepolstertes, rosa verblasstes Kinderstühlchen, auf dem sie immer saß, wenn sie ihre Oma Alice besuchte. In jedem Raum gibt es interaktive Stationen für Kinder und Jugendliche.

Überraschend: Vier Rabbis und eine Rabbinerin unterschiedlicher jüdischer Grundströmungen beantworten in der Installation „Ask The Rabbi“ virtuell Fragen der Besucher, wie „Wann kommt der Messias?“, „Sind Männer und Frauen gleich?“ oder „Wie steht das Judentum zur Homosexualität?“. Der Umbau des europaweit einmaligen Jüdischen Museums kostete 58 Millionen Euro.

Kuratorin Sara Soussan präsentiert die Videoinstallation Ask the Rabbi.
Kuratorin Sara Soussan präsentiert die Videoinstallation Ask the Rabbi.

 

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