Hauptdarstellerin Marie Bäumer und Regisseurin Emily Atef sind der Einladung des Arthouse Kino-Chefs Christopher Bausch zur Vorpremiere von „3 Tage im Quiberon“ ins kürzlich umgebauten Cinéma am Roßmarkt gefolgt. Im Anschluss an die Filmvorführung und den tosenden Applaus des Publikums, haben Marie Bäumer und Emily Atef über die Entstehung des Films und Romy Schneiders Leben aus ihrer Sicht erzählt sowie Fragen des Publikums beantwortet.

Drei Tage im Leben von Romy Schneider hat die Regisseurin Emily Atef zum Thema ihres Films gewählt. Drei Tage im April 1981, in denen Romy vierzehn Monate vor ihrem Tod, dem Stern-Journalisten Michael Jürgs (gespielt von Robert Gwisdek) und dem Fotografen Robert Lebeck (gespielt von Charly Hübner) ungeniert und authentisch ihr wahres Ich präsentierte. Es sind die in diesen 72 Stunden entstandenen Fotos, die Jahre später die Regisseurin Atef inspirieren, diesen faszinierenden Einblick in die Seele der Schauspielerin zu verfilmen.

Für Emily Atef gab es nur eine Option für die Rollenbesetzung jener Frau, die während dieses Kuraufenthalts an der bretonischen Küste über sich sagte: „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider“ – Marie Bäumer. Hätte sie abgesagt, wie sie mehrfach Angebote das Leben von Romy Schneider zu verfilmen abgelehnt hatte, wäre dieses Kammerspiel mit vier Darstellern nicht entstanden.

„Es nervt mich nicht, ständig mit Romy Schneider verglichen zu werden.“ – Marie Bäumer

Viel zu naheliegend empfand Marie Bäumer den Gedanken, allein aufgrund der frappierenden optischen Ähnlichkeit mit Romy Schneider eine Rolle in der Verfilmung ihres Lebens zu spielen. „Es nervt mich nicht, ständig mit Romy Schneider verglichen zu werden, wie viele immer denken. Es ist so oder so ein Kompliment, sowohl äußerlich als auch vom Spiel her. Aber es hat mich nie interessiert ihr Leben zu spielen,“ erzählt Marie Bäumer.

Der Fokus auf drei bedeutende Tage, in denen Romy sich nicht als Filmstar präsentiert, sondern alle Facetten ihrer zerbrechlichen, verletzlichen und selbstzerstörerischen Seite in fast provokanter Manier preisgibt, fordert Marie Bäumer jedoch heraus.

Romy Schneider befand sich im Frühjahr 1981 in Begleitung ihrer Freundin im Erholungsurlaub, um in Quiberon Kraft für den bevorstehenden Drehstart der „Spaziergängerin von Sanssouci“ zu tanken. Was war es, was Romy dazu bewegte, dem Stern-Journalisten Jürgs und dem Fotografen Lebeck, zu dem sie ein vertrautes Verhältnis pflegte, während dieser drei Tage ein außergewöhnliches Interview zu gewähren, in welchem sie in ihr Innerstes blicken lässt?

Für gewöhnlich mied sie die deutsche Presse, wohlwissend, dass ihr die Auswanderung nach Frankreich nie verziehen wurde. War es eine bewusste, gar rebellische Entscheidung, um ihr Sissi-Image, welches ihr besonders in Deutschland anhaftete, endgültig abzuschütteln? Oder war es Phlegma, in einem psychisch labilen Zustand, durch die bevorstehende zweite Scheidung, den Sorgerechtsstreit um ihren Sohn David und die finanziellen Sorgen, die auf ihr lasteten?

Es ist der launische Gemütswechsel zwischen Romys zerrissener Seele, ihrer mädchenhaften Ausgelassenheit und dem berühmten „Sissi“-Lächeln, den Robert Lebeck mit der Kamera einfängt.

„Ich hatte große Angst, zu der Ikone Schneider nicht durchdringen zu können.“ – Marie Bäumer

Während der anschließenden Filmdiskussion beschrieb die Regisseurin Emily Atef, ihr überwältigendes Gefühl, als sie beim Schnitt des Films die gedrehten Szenen zum ersten Mal sah. „Das ist Romy“, sagte sie. Auf die Publikumsfrage, wie Romy Schneider in Frankreich wahrgenommen wurde, antwortete Atef, dass Romy für die Franzosen eine großartige, französische Charakterschauspielerin sei und französisches Kulturgut repräsentiere. „Romy Schneider befand sich in Quiberon in einer 360 Grad-Sackgasse“, sagt Bäumer. „Ich hatte große Angst, zu der Ikone Schneider nicht durchdringen zu können.“ Es ist ihr gelungen. Marie Bäumer glänzt in „3 Tage in Quiberon“ in ihrer Interpretation dieser emotionalen Zwiespältigkeit.

Christopher Bauscher, Andreas Tietze und Laura Zarantonello vom Cinéma am Roßmarkt
Christopher Bauscher, Andreas Tietze und Laura Zarantonello vom Cinéma am Roßmarkt

Im Anschluss drängte sich das Publikum im neuen Bistro im französischen Stil – im gestrigen Fall passend zum Film – welches das Kino-Foyer bildet und nicht nur von Kinobesuchern gerne besucht wird, wie Christopher Bausche erzählt. „Jetzt steht der Umbau des Harmonie Kinos in Sachsenhausen an. Wir werden eine größere Filmauswahl anbieten, wie Musikfilmreihen, Disharmonie fernab vom Mainstream und Arthaus-Sneaks,“ berichtet Bausche.


„3 Tage in Quiberon“  ist mit zehn Nominierungen der Favorit beim Deutschen Filmpreis (27. April). Der Film feierte auf der Berlinale Premiere und kommt am Donnerstag, den 12. April, in die Kinos.