„Kommunikation in Zeiten der Vertrauenskrise“

Für die MC-TOP-Veranstaltung am gestrigen Abend im Westhafen Pier 1 hatte der Marketing Club Frankfurt einen ganz besonderen Gastredner gewinnen können: Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts sowie Vorsitzender der Geschäftsführung der gleichnamigen Verlagsgruppe. Kein Wunder, dass das Branchen-Get-together der Marketiers bis auf den letzten Platz ausgebucht war, waren doch alle gespannt, was der erfolgreiche Autor und „Medienmann des Jahres 2012“ (Horizont) zum Thema „Kommunikation in Zeiten der Vertrauenskrise“ zu sagen hatte. Und das waren vorwiegend kritische Worte, denn, so der Wirtschaftsjournalist, „diese Krise ist weit schlimmer als andere. Das Vertrauen der Menschen in die Politik, die Banken, die Medien schmilzt schneller als das Eigenkapital südeuropäischer Banken oder die Polkappen. Wir, die für Kommunikation zuständig sind, haben die Entwicklungen einfach ignoriert. Die Gesellschaft ist vielschichtiger geworden, die Rezipienten haben sich verändert. Und wir? Sprechen zu den Menschen, ohne sie und ihre Realität zu kennen. Wie soll das Vertrauen schaffen?“ Im Bereich Marketing kritisierte der Journalist die immer gleichen Claims, zum Beispiel „Wir machen den Weg frei“. „Das mag damals, als der Spruch konzipiert wurde, Sinn gemacht haben. Heute könnte so mancher gebeutelte Anleger ergänzen: ‚den Weg in die Schlucht‘. Man tut so, als sei nichts passiert. Das ist der Grund, warum man die Menschen nicht mehr erreicht“. Klare Worte an die Marketing-Vertreter. Doch auch seine eigene Branche sieht Steingart in der Pflicht: „Unser Claim lautet nach wie vor ‚Substanz entscheidet‘. Aber mal ehrlich: Wäre dann George W. Bush wirklich Präsident geworden?“ Doch was tun, um die Vertrauenskrise zu überwinden? „Die Antwort lautet: Kommunikation. Wir haben heute Medien mit Rückkanal. Es ist also möglich, den Dialog anzuregen. In der Werbung sollte es wieder mehr um den Erwerb von Vertrauen des Kunden gehen.“