Wein und kein Wasser

Ein größeres Gastgeschenk hat im Römer sicher noch niemand bekommen. Oberbürgermeister Peter Feldmann überreichte seinem Amtskollegen Burkhard Jung (beide SPD) aus Leipzig zum Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt ein 300-Liter-Holzfass mit Spätburgunder des Weingutes der Stadt Frankfurt. Der Wein sei 1990, im Jahr der Deutschen Einheit, in einem noch größeren Fass im Keller des Weingutes eingelagert worden, erzählte er. Weil sich die Einheit zum 25. Mal jährt und die zentrale Feier im Oktober in Frankfurt stattfindet, war Leipzigs OB Jung bereits jetzt als Gastredner eingeladen und konnte statt mit typischem Ebbelwoi mit einem Gläschen Spätburgunder mit Feldmann auf das neue Jahr anstoßen.

Die Gäste, die es in den prall gefüllten Kaisersaal geschafft hatten, verfolgten dagegen bei stickiger Luft mit trockener Kehle die Worte der beiden. Vertreter aller Parteien, vieler Institutionen, Kulturschaffende wie der Verleger Dr. Joachim Unseld und der Schriftsteller Wilhelm Genazino, der neue Polizeipräsident Gerhard Bereswill und die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, die gerade ihren Dienst angetreten hat, hörten, wie Feldmann und Jung nicht nur den Wiederaufbau Ost und Frankfurts Leistung rühmten, sondern auch die Pegida-Bewegung anprangerten. Gemeinsam gedachten sie mit einer Schweigeminute den Opfern der Terrortaten in Paris. Auch die übrigen der insgesamt 1.250 Besucher, die vor dem Kaisersaal standen und die Reden auf gerade mal zwei leise eingestellten Bildschirmen im Seitengang mehr schlecht als recht verfolgen konnten, blieben durstig. Schlimmer noch: Sie saßen angesichts sechs leerer Wasserkisten in einer Ecke auf dem Trockenen. Selbst der Versuch, in den später geöffneten Römerhallen das Personal auf sich aufmerksam zu machen, um ein Glas Wasser zu bekommen, schlug fehl. Immobilien-Unternehmer Ardi Goldman rüttelte vergeblich am Gitter. Schnell machte der Begriff „Watergate“ statt „Brezelgate“, wie im vergangenen Jahr, die Runde.

Immerhin, statt der damals servierten trockenen Brezel, weil dank des Jubiläums der Frankfurter Goethe-Universität rund 1.500 Gäste gekommen waren, gab es diesmal wieder ein leckeres Frankfurter Büfett mit Grüner Soße, Ei und Würstchen. Das hob die Stimmung unter den Gästen erheblich. Dazu durften sie schließlich doch noch einen Tropfen des Weingutes der Stadt trinken. Allerdings nicht aus dem Fass des Festredners. Das solle Burkhard Jung den Leipzigern kredenzen, schlug Feldmann vor.