Von Rekordumsätzen, Homosexualität und „echten Fans“

Rund 400 geladene Gäste aus Fußball, Medien, Politik und Wirtschaft folgten heute Morgen der Einladung des Ligaverbaneds Deutsche Fußball-Liga (DFL) zu dem bereits seit sieben Jahren stattfindenden Neujahrsempfang der mächtigen Männer des deutschen Fußballs im Palais Frankfurt.

Nachdem DFL-Chef Christian Seifert und Ligapräsident Reinhard Rauball es sich nicht nehmen ließen, jeden Gast am Eingang persönlich per Handschlag zu begrüßen, eröffnete Seifert die offiziellen Feierlichkeiten: „Als wir uns vor ziemlich genau einem Jahr versammelt haben, hat sich keiner von uns, nicht mal der Dortmunder Rauball, träumen lassen, was das 50. Jahr der Fußball-Bundesliga für uns bereithalten würde. Das erste deutsch-deutsche Champions League-Finale, die Engländer waren so freundlich es für uns auszurichten.“ Mit Stolz stellte er zudem fest, dass die Wertschätzung der Bundesliga im Ausland derzeit einen unglaublichen Auftrieb erfahre. Zeichen dafür sei nicht zuletzt die erst kürzlich erfolgte Adelung der deutschen Jugendarbeit durch Arsenal London-Trainer Arsene Wenger sowie das internationale Interesse an jungen Talenten aus Deutschland.

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht gab es für den Mann mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein Erfreuliches zu berichten. Noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Geschäftszahlen ließ er durchblicken, dass die Bundesliga in 2013 einen erneuten Rekordumsatz verzeichnete, der über 2 Milliarden Euro-Marke liegt, was einer Steigerung von mehr als 7% im Vergleich zum Vorjahr bedeute. „Diese Mehreinnahmen, so erfreulich sie sind, müssen unbedingt auch wieder reinvestiert werden, sei es in Torlinientechnik oder Fanprojekte.“

Auch das Outing des Ex-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger war natürlich Gegenstand der Tischgespräche. „Ich war nicht besonders glücklich über die meiner Meinung nach ausufernde Berichterstattung über das Thema. Es betrifft nichts anderes als die sexuelle Orientierung eines Menschen“, so Rauball. Schwulen Fußballprofis riet er, sich nur ihrem Arbeitsumfeld, d.h. Trainer, Team und Vorstand als homosexuell zu bekennen, um allzu große mediale Beachtung und Ablenkung vom Lebensmittelpunkt Fußball zu verhindern. Auch Christian Seifert bewertete die mediale Resonanz als kritisch: „Der erste aktive Fußball-Profi, der sich öffentlich bekennt, würde zu einer Ikone der Schwulenbewegung werden und nie wieder einfach Fußballspieler sein können.“

Zur Sicherheit in den deutschen Stadien fanden einige der Anwesenden erstaunlich deutliche Worte. Rauball nahm in seiner Rede auch die Politik in die Pflicht: „Die Bezeichnung „Fans“ für diese Leute verbietet sich. Wir wollen den Dialog zwischen echten Fans, Vereinen und Liga weiter fördern, um Gewalt und Gefahr in deutschen Stadien einzudämmen bzw. zu verhindern. Wir erwarten allerdings auch, dass alle zivil- und strafrechtlichen Mittel von Bund und Ländern ausgeschöpft werden, um Einzeltäter zu bestrafen. Es hat keinen Sinn, die Fans als Allgemeinheit zu sanktionieren und die Fankultur, um die Deutschland international beneidet wird, einzuschränken.“ Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder hatte ein ähnliche Meinung wie die DFL-Offiziellen: „Generell muss zuerst einmal der Austausch gefördert, in Einzelfällen jedoch die Zügel deutlich angezogen werden“, und bezog sich damit auf die fast 500 Stadionverbote, die Schalke 04 kürzlich für die Ausschreitungen beim Revierderby gegen Dortmund aussprach. Auch bezog Metzelder Stellung zu der Massenschlägerei in Köln am vergangenen Wochenende. „Man kann nicht mehr von Fußball und Emotionen reden, wenn sich in der Kölner Innenstadt hunderte Hooligans die Köpfe einschlagen und die Mordkommission ermitteln muss.“

Nur im Hinblick auf die WM in Brasilien wollte sich keiner so recht äußern. Motiviert zeigte sich Rauball dennoch und richtete dem DFB von den Bundesligateams aus: „Es wäre naiv zu sagen, wir werden Weltmeister, nicht naiv ist es zu sagen, wir wollen diesen Titel unbedingt!“