Happy Birthday Mutter Frankfurt!

17 Jahre stand sie an der Spitze des Römers. Als erste direkt gewählte Chefin zog sie ins Frankfurter Rathaus ein und war dabei auch die erste Frau auf diesem Posten. Mehrfach wählte sie der Deutsche Städtetag zu seiner Präsidentin. Zweimal war sie sogar als mögliche Kandidatin für das Bundespräsidentenamt im Gespräch. Heute feierte die langjährige Oberbürgermeisterin Frankfurts Dr. h.c. Petra Roth ihren 70. Geburtstag.

Dichtes Gedränge herrschte im Kaisersaal des Römers beim offiziellen Empfang der zum Ehrentag von „Mutter Frankfurt“ gefeiert wurde. Über 600 Weggefährten, Freunde, die Familie und die ganze Frankfurter Stadtgesellschaft wollten der ehemaligen Rathauschefin zum Geburtstag gratulieren und so hieß es für Petra Roth: Händeschütteln im Akkord. In einer langen Warteschlange stellten sich die Gratulanten an, darunter Publizist Michel Friedman, Ehrenbürger der Stadt Frankfurt und Bankier Friedrich von Metzler, Stadtkämmerer a.D. Ernst Gerhardt und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Immer noch mitmischen

In ihrem schwarzen Kostüm und mit den immer noch blonden Haaren machte die liberale CDU-Politikerin an ihrem Geburtstag eine gute Figur, sah sie doch mindestens fünf Jahre jünger aus. „Ich fühle mich blendend, gesund und munter. Ich will noch 25 Jahre älter werden und immer noch mitmischen“, entgegnete die gebürtige Bremerin den Journalisten.

Unter den erlesenen Gästen war auch Roths Nachfolger, Oberbürgermeister Peter Feldmann von der SPD, der in seiner Rede betonte: „Frankfurt wäre nicht das, was es heute ist, eine europäische Kulturhauptstadt, ohne Petra Roth“. Petra Roth bescheinigte ihrerseits, dass ihn die Oberbürgermeisterkette ausgesprochen gut kleide. Auch der Präsident des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Dr. Ulrich Maly lobte ihre Arbeitsweise und gestand: „Ich habe sie immer bewundert. Sie hat immer den Mut gehabt, Fragen zu stellen, die kein anderer zu fragen wagte. Und bewundernswert ist, dass sie immer ehrliche Antworten bekam“, sagte der Nürnberger anerkennend und schenkte ihr zwei Laibe fränkisches Roggenbrot, das sie so liebt.

Mutig, tapfer und unabhängig

Ministerpräsident Volker Bouffier freute sich in dreifacher Hinsicht, gratulieren zu dürfen, als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU (in dessen Funktion er auch die ausdrücklichen Glückwünsche von Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte), als hessischer Ministerpräsident aber auch als Freund wünschte er ihr für die Zukunft Glück, Gesundheit und einen wachen Geist. Außerdem ein bisschen mehr Vorsicht. Und bezog sich damit auf den Kommentar von Petra Roth zu ihrem Armbruch im Januar diesen Jahres: „Die Abfahrt war aber geil“. In seiner Ansprache lobte er zudem die vielen Facetten der Petra Roth: „Mutig und tapfer bist du immer für deine Überzeugung eingetreten. Dein unbändiger Fleiß, dein unabhängiger Geist, dein einzigartiges Schaffen und das politische Kalkül, sind die Zutaten deiner Karriere. Du warst die erste Frau, die in Frankfurt etwas zu sagen hatte. Und deine Erfolgsgeschichte ist einmalig. Du redest mit dem Hartz IV-Empfänger auf gleicher Höhe wie mit Bill Gates. Das macht dich so liebenswert“, sagte Bouffier und schenkte Roth zwei antiquarische Bücher über Romantik und einen edlen Wein.

In einer Laudatio mit dem Titel „Frankfurts Kurs zur internationalen Bürgerstadt“ würdigte der Städteplaner und Architekt Professor Albert Speer dann die lebenslustige Grande Dame Frankfurts und ihre Taten für die Stadt. Dabei erinnerte er sich an ein Treffen in Shanghai, ihre Vorliebe für chinesische Zigaretten und sagte mit Anerkennung: „Liebe Petra Roth, Ihre Amtszeit war prägend für Frankfurt und hat die kommunale Politik in Deutschland gestärkt. Mit gewohntem Charme und mit großer Hartnäckigkeit werden Sie auch in den kommenden Jahren im besten Bürgersinn Einfluss auf die Geschicke dieser Stadt nehmen.“ Petra Roth lauschte aufmerksam den Geburtstags-Lobeshymnen, notierte sogar fleißig mit und konnte sich ein Lachen und Grinsen manchmal nicht verkneifen.

Fleißig im Ruhestand

In den Augen vieler Frankfurter hat sie Spuren in der Stadt hinterlassen, die auch noch lange nachwirken werden. Mit ihr verbindet man vor allem den Wiederaufbau der Altstadt sowie ihre jüngsten Bemühungen um das Romantikmuseum. Immens fleißig ist sie in ihrer Amtszeit gewesen, stets neugierig – und Angst kannte sie nur wenig in ihrem Job. Mit Kraft und Ausdauer hat sie ihre 30-Stunden-Tage bewältigt. Eine 40-Stunden Woche gab es für sie nie. Diese wäre auch spätestens am Mittwochabend vorbei gewesen, bescheinigte ihr Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler. Jetzt mit 70 Jahren blickt die ehemalige Rathauschefin mit Lebensgefährte Robert Raeber, der in der Schweiz lebt und den man sonst nur beim Opernball zu Gesicht bekommt, in die Zukunft. „Ich genieße meine Zeit mit meinen Enkeln und lese viel. Ob im Römer gestritten wird, interessiert mich jetzt nicht mehr. Die junge Generation ist jetzt am Ruder und wir werden uns da raushalten, aber wenn’s notwendig ist, bringen wir uns auch wieder ein“, so Roth schmunzelnd. Doch wer glaubt, seit sie nicht mehr im Amt ist, seien ihre öffentlichen Auftritte weniger geworden, der irrt. Auf vielen Veranstaltungen sieht man sie nach wie vor. Ihr Terminkalender ist noch immer voll.

Älterwerden mit Freude

„Lebe heute und sei dir dessen bewusst“, ist Petra Roths Motto, wenn es ums Älterwerden geht, und so feierte sie freudig mit tout Frankfurt ihren runden Geburtstag. Statt Sekt- flogen dann ganz nach Roths Gusto auch die Kronkorken und die CDU-Politikerin tat noch einmal, was sie am allerbesten kann: Die verschiedenen, teils heftig widerstrebenden Teile der bunten Frankfurter Stadtgesellschaft zusammenführen.