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Wenn die Frankfurter Prominenz in der Vorweihnachtszeit keine Champagnergläser, sondern Teller in den Händen hält, dann ist es wieder soweit: Medienmanager Bernd Reisig beschert Frankfurter Obdachlosen mit seiner Hilfsorganisation „Helfen helfen“ eine ganz besondere Gaumenfreude. Bereits zum fünften Mal fanden sich 600 Bedürftige im Ratskeller des Römers zum Gänseessen ein – serviert wurden die Speisen aber nicht von gelernten Servicekräften, sondern von stadtbekannten „Hilfskellnern“ wie Oberbürgermeister Peter Feldmann, Eintracht-Vorstand Fredi Bobic oder Kempinski-Chefin Karina Ansos.

 

600 Gänsekeulen und 2000 Klöße mit Sauce galt es zu verkosten, die vom Scheck-In Center bereitgestellt und vom Küchenteam des Hessischen Hof zubereitet wurden. Auch Hoteldirektor Eduard M. Singer ließ es sich nicht nehmen, in weißer Schürze den Ober zu geben und erklärte: „Wir sind doch alle Frankfurter und deshalb mache ich hier seit Anbeginn mit. Es geht schlicht und einfach darum, den Menschen dieser Stadt zu helfen!“ Ebenso argumentierte Oberbürgermeister Peter Feldmann am Rednerpult, bevor er sich die Servierschürze umband: „Ich freue mich, dass so viele Menschen dieses Angebot wahrgenommen haben, denn sie gehören zu unserer Gesellschaft. Das Gänseessen ist ein demonstratives Zeichen, um zu zeigen, dass es im Schatten der glitzernden Bankentürme in Frankfurt auch Armut gibt. Niemand darf sich deshalb verstecken!“

„Los, auf geht’s, wir fangen an“, motivierte Mick Knauff das „Serviceteam“ und kurz darauf liefen Polizeipräsident Gerhard Bereswill, Schauspielerin Radost Bokel, Star-Koch Mirko Reeh und Oberbürgermeisterin a.D. Dr. h.c. Petra Roth mit Tellern beladen durch den gut gefüllten Ratskeller. Organisator Bernd Reisig kommentierte das rege Treiben zufrieden: „Wir freuen uns, den obdachlosen Menschen in Frankfurt mit dem Weihnachtsgansessen ein schönes Fest zu bescheren. Uns ist klar, dass unsere Aktion immer nur ein ganz kleiner Beitrag sein kann. Aber vielleicht vergessen sie für einen kleinen Moment ihre Sorgen und Nöte.“

Doch es ging nicht nur um den weihnachtlichen Schmaus: So wurde gemeinsam mit Sänger Andy Ost inbrünstig „Oh Tannenbaum“ angestimmt, während Fredi Bobic mit einem Fußballfan über dessen Schirmmütze und den BVB diskutierte. Auch der gebürtige Offenbacher und ehemalige Nationalspieler Dieter Müller packte kräftig mit an. Sein Beweggrund? „Hier wird man Zeuge trauriger Schicksale, aber mit der Aktion zeigen wir Nähe zu den Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“

Im Fokus der Veranstaltung steht aber nicht nur die außergewöhnliche Verköstigung, weiß hr-Intendant Manfred Krupp, der gemeinsam mit Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, und Schauspielerin Radost Bokel zum Abschied Geschenktüten verteilte: „Die Gäste werden hier einfach als Menschen gesehen und behandelt. Das ist für sie keine Selbstverständlichkeit und es berührt mich sehr, das zu beobachten.“ (aj)