Im Kino und Streaming ist Mala Emde derzeit omnipräsent. Fünf Filme mit ihr sind aktuell fast gleichzeitig zu sehen. Begonnen hat die Schauspielerin, die aus Frankfurt stammt, schon als Jugendliche mit kleinen Krimi-Nebenrollen. Heute darf es für sie gerne international sein. Hauptsache, sie kann dabei Neues entdecken.
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Ihr Elternhaus steht in Seckbach, sie ist im Nordend zur Schule gegangen. Eine frühere Schulfreundin hat Mala Emde noch in Frankfurt, mit der sie bis heute eine besondere Beziehung verbindet. Und sie erinnert sich noch gut an einen ihrer ersten Drehs für die Reihe „Krimi.de“ von KiKA, dem Kinderkanal der öffentlich-rechtlichen Sender. Da war sie 15 Jahre alt. „Das war in Harheim, gemeinsam mit dem Schauspieler Rainer Ewerrien, bis heute ein Freund und mein Mentor. Wir haben gemeinsam die ersten Castings vorbereitet.“ Schon mit elf Jahren stand die Frankfurterin das erste Mal vor der Kamera. Kurz darauf folgten bereits fünf Drehtage für den Tatort „Architektur eines Todes“ mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf. Nach dem Abitur ging es schließlich nach Berlin und zur Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.
„Ich habe gedacht, ich kann jeden Menschen verstehen auf dieser Welt, wenn ich mich in ihn hineinversetze.“
– Mala Emde
Von der Nebenrolle zum Oscar-Beitrag
Lange scheint das her zu sein, denn seitdem hat Mala Emde regelmäßig vor der Kamera gestanden. Sie hat bedeutende Filme gedreht, wie bereits mitten im Abitur das Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“ oder 2020 die deutsch-französische Produktion „Und morgen die ganze Welt“, über die gewaltbereite Antifa-Szene, die als deutscher Beitrag ins Rennen um den Auslands-Oscar ging. Sie spielte eine Hauptrolle in der ARD-Serie Charité und im Science-Fiction-Liebesfilm „Aus meiner Haut“. Zuletzt war sie im Kino in der internationalen Produktion „Köln 75″ über das legendäre Konzert des Jazz-Pianisten Keith Jarrett zu sehen.
Schauspiel als Zauberkraft und Forschungsarbeit
Nur wenige Schauspielerinnen können auf eine so erfolgreiche Karriere zurückblicken. Dabei hat sie gerade erst ihren 30. Geburtstag gefeiert. Aber wer früh anfängt…: „Ich war sieben Jahre alt und habe einen Film geguckt, dann noch einen und noch einen und wollte schließlich sehen, wie das gemacht wird und habe das dann nachgespielt. Es war eine Welt, die meine Neugierde geweckt hat“, erinnert sie sich heute. Das Schauspielen sei ihr wie eine Zauberkraft erschienen. „Ich habe gedacht, ich kann jeden Menschen verstehen auf dieser Welt, wenn ich mich in ihn hineinversetze.“

Heute verzaubert sie eher das Kinopublikum in ihrer intensiven Darstellung unterschiedlichster Figuren. Die Begeisterung ist geblieben. „Ich glaube, dass alle Menschen dazu fähig sind, andere zu verstehen. Ich habe dazu noch die Fähigkeit, andere zu verkörpern. Das ist die schönste Forschungsarbeit.“ Dass es das Schauspielfach werden würde, war ihr dabei anfangs gar nicht so klar, obwohl sie aus einer kreativen Familie stammt. Ihr Vater Thomas Emde ist Lichtkünstler, ihre Mutter Cathrin Ehrlich Theaterwissenschaftlerin und war unter anderem Geschäftsführerin der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. „Sie haben mir die Liebe zur Schönheit der Künste, die Neugier und das genaue Hinschauen vermittelt. Ich habe anfangs die Vorstellung gehabt, einen handfesten Beruf zu erlernen und mich auch für Bildhauerei interessiert, für Psychologie und Neurologie. Aber meine Intelligenz liegt mehr in der Empathie und in meinem Körper.“
Keine Rolle zweimal spielen
Sie liebe es, Geschichten zu erzählen, sagt sie und räumt ein: „Filme zu drehen, ist oft harte Arbeit.“ Dennoch sei sie zum Erstaunen mancher Kollegen noch immer vor jedem Drehtag freudig und aufgeregt. Was sie bis heute in ihrem Beruf trägt, ist die Lust am Entdecken neuer Welten. Sie will Neues lernen – an den Figuren, an sich selbst und hat es bisher geschafft, sich auf keinen Rollentypus festlegen zu lassen. Sie schaue bei einem Drehbuch vor allem darauf, welche Figuren sie interessieren könnten. „Habe ich sowas schon gespielt? Dann reizt es mich nicht so. Weil ich sonst das Gefühl hätte, man würde mich in eine Box stecken. Dann werde ich schnell klaustrophobisch.“
„Sommer auf Asphalt“: Radfahren als Ventil
Les war so eine Figur, die sie gereizt hat. Sie ist die Protagonistin ihres aktuellen Kinofilmes „Sommer auf Asphalt“, in dem sie an der Seite von Christoph Maria Herbst spielt. „Sie ist eine Figur, die man noch nicht so oft im Kino gesehen hat, finde ich.“ Les ist eine ungebundene Fahrradkurierin, die sich plötzlich mit der Idee von Familie auseinandersetzen muss. „Sie findet die Lösung für emotionale Herausforderungen im Körperlichen. Das Radfahren ist ihr Ventil.“ Diese Körperlichkeit setzt Mala Emde im Film sehr deutlich um in ihren Bewegungen und ihrer Präsenz. „Es ist eine Art zu spielen, die ich noch immer vor allem bei meinen männlichen Kollegen beobachte und die ich mir auch erschließen will.“

Der Stärke ihrer Figur setzt der Film zwei Männer entgegen: Christoph Maria Herbst in der Rolle des Vaters. Er sei so nahbar und berührend, wie man ihn lange nicht gesehen habe, findet Mala Emde. Und der von Aaron Hilmer kindlich-naiv und ebenfalls sehr bewegend gespielte Tyler ist ihr die liebste Figur. „Jeder müsste einen Tyler an seiner Seite haben.“
Mit Filmen die Stimme erheben
Von der Figur der Les habe sie gelernt, dass Familie nicht immer Mutter, Vater, Kind bedeuten müsse, erzählt sie. Auch die Verkörperung der damals 15-jährigen Anne Frank, die schon gut zehn Jahre zurückliegt, hat ihr etwas Bleibendes mitgegeben: „das unverschämte Selbstbewusstsein, dass man das Recht hat, seine Stimme zu erheben, auch wenn andere einem nicht die Erlaubnis dazu erteilen“.
„Ich schaue immer, dass in einem Drehbuch Wahrheit liegt.“
– Mala Emde
Immer wieder erhebt auch Mala Emde mit ihren Filmen ihre Stimme. Etwa mit der aktuellen Netflix-Produktion „23.000 Leben“ über die Seenotrettung im Mittelmeer, die inspiriert ist von der Arbeit der Organisation „Jugend rettet“. Sie spielt darin eine der jungen Frauen, eine, die an ihre künftige Karriere denkt und lange zögert, sich schließlich aber durch das Gebot der Menschlichkeit überzeugen lässt. „Ich habe das Drehbuch gelesen und gedacht, das muss ich machen, das ist eine Selbstverständlichkeit. Ich schaue immer, dass in einem Drehbuch Wahrheit liegt.“
„Das gewisse Etwas“: Neuland im Kino
Neuland war für sie der Dreh der Komödie „Das gewisse Etwas“, ein Remake eines französischen Kinoerfolgs. „Der Hauptcast bestand aus Menschen mit Beeinträchtigung“, erzählt sie und war neugierig auf die Arbeit mit ihnen. Das Ergebnis ist ab 3. September im Kino zu sehen. Die internationale Anti-RomCom „Any Other Night“, in der sie ebenfalls mitspielt, hat dagegen noch keinen Starttermin.
Neue Arthouse-Projekte mit Julia von Heinz
Mala Emde ist gedanklich schon bei zwei weiteren Projekten, die dieses Jahr noch anstehen, „diesmal wieder Arthouse-Filme“, wie sie betont. Sie sind bereits in Vorbereitung und sollen nächstes Jahr in die Kinos kommen. Es sind zwei neue Herausforderungen für sie. Für den einen Film müsse sie Gitarre und Singen lernen, erzählt die Schauspielerin. Der zweite ist ein Projekt mit der Regisseurin Julia von Heinz, mit der sie bereits „Und morgen die ganze Welt“ gedreht hat. „Sie verfilmt diesmal den erfolgreichen Ratgeber ‚Das Kind in dir muss Heimat finden‘. Wie das geht, weiß ich noch nicht.“ Ihr zur Seite stehen dabei namhafte Kollegen wie Ulrich Tukur, Martina Gedeck und Hannah Herzsprung. „Es wird eine Familienkomödie, wir springen da rein.“
Kein Karriereplan, aber klare Vorstellungen
Einen Karriereplan hat die 30-Jährige nicht, aber konkrete Vorstellungen: „Ab dem Alter wird das Thema Familie wichtiger, ich möchte beruflich weiter wachsen und mir Vorbilder suchen.“ Sie freue sich schon darauf, 38 zu werden, sagt sie dann unvermittelt. „Das ist ein richtig tolles Alter, Sandra Hüller war da mit ‚Toni Erdmann‘ in Cannes, Vicky Krieps mit ‚Für immer und ewig‘.“ Sie würde auch gerne in fremden Sprachen drehen und durch ihre Arbeit andere Kulturen und Weltanschauungen kennenlernen. Es gebe noch so viel zu entdecken.
Was Mala Emde mit Frankfurt verbindet
Wenn Mala Emde ausnahmsweise nicht arbeitet, dann kommt sie durchaus auch mal nach Frankfurt. „Die Stadt hat den höchsten Himmel von allen in Deutschland“, schwärmt sie. Am Main mal wieder zu arbeiten, könnte ihr ebenfalls gefallen, stellt sie fest. Vielleicht etwas Historisches über die Frankfurter Schule oder das TAT. Auch Theater würde sie gerne wieder spielen. Zunächst aber wird es nur ein Besuch zuhause: „Meine Eltern haben in ihrem Garten 20 niedliche Ziegen, die muss ich wiedersehen.“
Häufig gestellte Fragen zu Mala Emde
Woher stammt Mala Emde?
Mala Emde stammt aus Frankfurt am Main. Ihr Elternhaus steht in Seckbach, zur Schule ging sie im Nordend. Nach dem Abitur wechselte sie nach Berlin an die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.
Wie hat die Karriere von Mala Emde begonnen?
Mit elf Jahren stand sie das erste Mal vor der Kamera, kurz darauf folgten fünf Drehtage für den Tatort „Architektur eines Todes“. Mit 15 drehte sie in Frankfurt-Harheim für die KiKA-Reihe „Krimi.de“ – gemeinsam mit dem Schauspieler Rainer Ewerrien, den sie bis heute als Freund und Mentor bezeichnet.
Den Durchbruch brachte noch während des Abiturs das Doku-Drama „Meine Tochter Anne Frank“.
In welchen Filmen ist Mala Emde 2026 zu sehen?
Vier Produktionen laufen nahezu zeitgleich: die Tragikomödie „Sommer auf Asphalt“ (Kinostart 4. Juni 2026), das Netflix-Drama „23.000 Leben“ über die Seenotrettung im Mittelmeer, die Komödie „Das gewisse Etwas“ ab 3. September 2026 im Kino sowie die internationale Anti-RomCom „Any Other Night“, für die noch kein Starttermin feststeht.
Worum geht es in „Sommer auf Asphalt“?
Mala Emde spielt Les, eine ungebundene Fahrradkurierin, die sich unvermittelt mit der Idee von Familie auseinandersetzen muss. Ihr entfremdeter Vater Bert – gespielt von Christoph Maria Herbst – steht plötzlich vor der Tür.
Die Figur löst emotionale Konflikte über den Körper: Das Radfahren ist ihr Ventil. Regie führte Simon Ostermann, mit dem Emde zuvor die Serie „Oh Hell“ gedreht hat.
Wer sind die Eltern von Mala Emde?
Ihr Vater Thomas Emde ist Lichtkünstler, ihre Mutter Cathrin Ehrlich Theaterwissenschaftlerin und war unter anderem Geschäftsführerin der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Beide vermittelten ihr nach eigener Aussage die Liebe zur Kunst, die Neugier und das genaue Hinschauen.
An welchen Projekten arbeitet Mala Emde als Nächstes?
Zwei Arthouse-Filme stehen an, die 2027 in die Kinos kommen sollen. Für den einen muss sie Gitarre und Singen lernen. Der zweite ist eine Familienkomödie von Julia von Heinz, mit der sie bereits „Und morgen die ganze Welt“ gedreht hat – eine Verfilmung des Ratgebers „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl.
Zum Ensemble gehören Ulrich Tukur, Martina Gedeck und Hannah Herzsprung.