HomePanoramaMarkus Fein – der Kulturverführer der Alten Oper

Markus Fein – der Kulturverführer der Alten Oper

Seit gut fünf Jahren ist Dr. Markus Fein Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper. In dieser Zeit hat er die Tore des Hauses weit geöffnet und mit Formaten wie Fratopia neue Zielgruppen erschlossen. Bis 2030 hat er noch einiges vor.

An der Wand seines Büros hängen zwei Fotografien. Die eine zeigt die leere Alte Oper von der Bühne aus. Die andere das gefüllte Haus aus gleicher Perspektive, mit Musikern, die sich nach einer Aufführung die Hand geben. „Zwischen diesen beiden Momenten passiert das Wunder, das sich hier jeden Abend ereignet“, sagt Markus Fein und meint die Magie, die sich entfaltet, wenn Musik auf Zuhörer trifft und das Hören zum Fühlen wird.

„Wir sind zu zwei Dritteln privat finanziert. Das zeigt ja schon, dass die Alte Oper ein Bürgerhaus ist. Es darf sich von der Stadtgesellschaft daher nicht abkoppeln, es muss zugänglich sein.“ – Dr. Markus Fein

Die Alte Oper als Bürgerhaus

Markus Fein ist meistens dabei. Er mag die Gastgeberrolle. An den weit über hundert eigenen Veranstaltungen der Alten Oper pro Saison ist er im Haus präsent. Zugleich liegt ihm daran, dass möglichst viele Menschen dieses Wunder erleben können, vor allem jene, die nicht zum klassischen Konzertpublikum zählen. Auch dafür ist der gebürtige Frankfurter vor fünf Jahren als Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper angetreten. Und dieses Ziel treibt ihn bis heute um. „Wir sind zu zwei Dritteln privat finanziert durch Sponsoren, Stiftungen und den Ticketverkauf. Das zeigt ja schon, dass die Alte Oper ein Bürgerhaus ist. Es darf sich von der Stadtgesellschaft daher nicht abkoppeln, es muss zugänglich sein“, stellt er fest.

Fratopia lockt 46.000 Besucher in die Alte Oper

Alte Oper Frankfurt am Opernplatz mit Brunnen und Spiegelung in der Abenddämmerung, Panoramaaufnahme
Rund 250 Konzerte an fünf Tagen bei freiem Eintritt: Beim Fratopia-Festival öffnet die Alte Oper alle Türen. Foto: Norbert Miguletz / Alte Oper Frankfurt

An Formaten, die eine solche Zugänglichkeit ermöglichen, mangelt es nicht. Fein sprüht nur so vor Ideen, um Menschen zum Besuch der Alten Oper zu verführen. „Der entscheidende Punkt ist aber, sie realisiert zu bekommen. Da trifft man schon auf einige Bedenkenträger und Hürden.“ Eine dieser Ideen hatte er im Kopf, als er im September 2020 nach Frankfurt kam, und konnte sie drei Jahre später das erste Mal umsetzen: das Fratopia-Festival . Im vergangenen Jahr lockte er damit an fünf Tagen alleine 46.000 Besucher in die Alte Oper, die bei freiem Eintritt überall im Haus auf Stühlen, auf dem Boden und ganz nah am Orchester Platz nahmen, um rund 250 Konzerte mit einem bunt gemischten Programm aus Klassik, Jazz und Pop zu erleben. Vom 23. bis 27. September gibt es eine Neuauflage, als Ausrufezeichen zu Beginn der neuen Spielzeit, verspricht der Intendant.

Neue Formate für neues Konzertpublikum

Formate wie „Hereinspaziert“ für Klassik-Neulinge und die Mittagskonzerte, zu denen ganze Abteilungen aus den Frankfurter Unternehmen kommen, bringen ebenfalls frischen Wind ins Konzerthaus. Das Angebot „Eine Straße geht ins Konzert“ lädt nicht nur die Anwohner einer von einer Jury ausgewählten Straße pro Spielzeit ins Haus ein. Es werden auch Wünsche dieser Anwohner erfüllt, wie etwa ein Hofkonzert oder eines, bei dem Musiker von allen Balkonen der Straße spielen. „Mehr Tuchfühlung mit der Stadtgesellschaft geht nicht. Im Idealfall macht das auch was mit den Menschen vor Ort, die sich plötzlich mehr grüßen.“

Podium Zukunft: Festival der Jugendorchester

Im April veranstaltete die Alte Oper unter dem Titel „Podium Zukunft“ zum ersten Mal ein Jugendorchesterfestival, um die junge Generation zu erreichen. „Wir bringen internationale und nationale Spitzenjugendorchester zusammen. Sie kommen aus Südafrika, Brasilien, den Niederlanden und bringen Frische und Energie mit“, erzählt der Intendant begeistert. In der Alten Oper konnten die Jugendlichen sich an den drei Tagen aufhalten, es gab gastronomische Angebote. Dabei sollte auch ein solches Festival nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Fein plante auf dem Opernplatz mit den jungen Menschen ein Happening und hoffte auf viel Zukunftsoptimismus, der in diesen Zeiten in die Stadt ausstrahlte.

Wim Wenders: Festival zum 80. Geburtstag

Selbst namhafte Künstler wie Wim Wenders lassen sich von seinem Engagement mitreißen. Der Filmemacher präsentierte im Oktober 2024 sein Werk über Sebastião Salgado in der Alten Oper, als diese den bekannten brasilianischen Fotografen feierte. „Wim Wenders konnte damals nicht glauben, dass zu so einer Veranstaltung 2.500 Menschen kommen“, berichtet Markus Fein. Für ihn war es daher ein logischer Schritt, dem Regisseur anlässlich seines 80. Geburtstags Mitte März 2026 ein eigenes Festival zu widmen. „Er ist ein großer Musikliebhaber und die Musik spielt in seinen Filmen eine bedeutende Rolle.“ Die Idee, dass sich auf diese Weise die verschiedenen Künste im Haus begegnen, findet er besonders reizvoll.

Vom Musikwissenschaftler zum Intendanten

Dass er einmal ein Konzerthaus wie die Alte Oper – immerhin eines der größten des Landes – führen könnte, davon träumte der 54-Jährige schon früh. Er entschied sich für ein Studium der Angewandten Kulturwissenschaften in Lüneburg, weil ihn die Verbindung aus Theorie und Praxis lockte, wechselte dann zu den Kunsthistorikern und Musikwissenschaftlern nach Wien und Hamburg, wo er promovierte. Schon während des Studiums initiierte er selbst Konzertreihen und arbeitete für Festivals. Die erste künstlerische Leitung übernahm er 2001 bei den Musiktagen Hitzacker. Als Intendant der Niedersächsischen Musiktage sorgte er kurz darauf bereits für ungewöhnliche Programmkombinationen, etwa aus Sufi-Musik des Islam und Mozart.

Vor seiner sieben Jahre dauernden Intendanz der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ging er 2010 noch für eine Saison zu den Berliner Philharmonikern, wo er als Leiter der Programmplanung und Dramaturgie gemeinsam mit Sir Simon Rattle neue Veranstaltungsformate entwickelte. „Das Berliner Orchester ist ein sensationeller Klangkörper und Simon Rattle so inspirierend“, schwärmt er. Die Alte Oper aber sei wendiger, agiler, hier könne er schneller Dinge umsetzen und es biete als Haus ohne festes Orchester viel mehr Möglichkeiten, schätzt er seine jetzige Aufgabe.

International Outreach für Frankfurts Weltpublikum

Neu in der Spielzeit 2025/26 war unter anderem ein Vorhaben, das Fein „International Outreach“ nennt. Frankfurt sei eine internationale Stadt, das bilde sich in der Besucherstruktur zu wenig ab. „Die Antwort kann nur sein, dass wir nicht genügend wahrgenommen werden und zu wenig auf internationale Gruppen zugehen.“ Dem will er Abhilfe schaffen und hat dafür eine Abteilung mit zwei Mitarbeitern gegründet. Sie sollen unter anderem internationale Arbeitgeber in der Stadt ansprechen und spezielle, auch englischsprachige Angebote für Mitarbeiter und Kunden machen.

Alte Oper Frankfurt bei Nacht vor den beleuchteten Hochhäusern des Bankenviertels, Blick von oben
Konzerthaus zwischen Wolkenkratzern: Feins Abteilung „International Outreach“ wirbt gezielt bei den internationalen Arbeitgebern der Stadt. Foto: Norbert Miguletz / Alte Oper Frankfurt

Wachsende Besucherzahlen und Vertrag bis 2030

Solche Ideen kommen an. „Wir spüren ein riesiges Interesse und verzeichnen wachsende Besucherzahlen. Und das, obwohl die Theaterferien länger sind und die Anzahl der Spieltage geringer ist“, sagt Markus Fein ein wenig stolz. Der Aufsichtsrat der Alten Oper hat seinen Vertrag kürzlich frühzeitig bis August 2030 verlängert. Zum Klavier- oder Gitarrespielen kommt der Intendant daher heute nicht mehr. Er widerstehe auch mancher Versuchung, in Gremien oder Jurys zu sitzen und auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen. Seine Lehrtätigkeit, unter anderem an den Universitäten Lüneburg und Hamburg, hat er ebenfalls reduziert. Wenn er nicht arbeitet, verbringt er seine Zeit mit der Familie. Die acht- und zehnjährigen Söhne kennen aber auch das Opernhaus schon bestens – inklusive aller Geheimgänge.

Zukunftshaus Alte Oper: Doppeljubiläum 2030/31

Schnell ist Markus Fein wieder bei seinem Lieblingsthema angekommen. Denn nicht nur die Entwicklung neuer Ideen liegt in seinen Händen, auch in die Programmgestaltung ist er stets involviert. Zu jedem Konzert kann er etwas erzählen, wie lange es dauerte, dieses und jenes Orchester für einen Auftritt zu gewinnen oder wie anspruchsvoll es ist, ohne Programmetat das Geld für solche Engagements zu erwirtschaften. „Das alles ist eine gigantische Teamleistung“, betont er.

Markus Fein steht vor der Orgel im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt zwischen Instrumenten des Orchesters
Bis 2030 läuft Feins Vertrag – bis dahin soll das „Zukunftshaus Alte Oper“ ein gutes Stück Weg zurückgelegt haben.

Mit seinen rund 40 Mitarbeitern schaut er auch über die nächsten Spielzeiten hinaus. Die Ideen, wie das Opernhaus fit für die kommenden Jahrzehnte werden soll, sind in den Plan „Zukunftshaus Alte Oper“ eingeflossen. Bis in die Spielzeit 2030/31 wollen sie ein gutes Stück dieses Weges gegangen sein, betont der Chef. Denn dann begeht die Institution gleich zwei Jubiläen: 150 Jahre Opernhaus und 50 Jahre Alte Oper nach dem Wiederaufbau. „Wir wollen dabei nicht nur uns selbst feiern, sondern die Chance nutzen, das Haus weiterzuentwickeln.“

„Deutschland und Europa sind Weltmarktführer in der Kultur. Wir wollen optimale Voraussetzungen schaffen, unser reiches Erbe zu pflegen.“ – Dr. Markus Fein

Nachhaltigkeit mit Angeboten statt Verboten

Auch ein Opernhaus muss sich schließlich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Markus Fein will dazu die Besucher einbinden – „nicht oberlehrerhaft mit Verboten, sondern mit Angeboten“. Ein Beispiel: Das Grüne Abo mit fünf Konzertterminen, an denen nicht nur zusätzliche Talkrunden zum Thema Klimaschutz, sondern für die Anfahrt auch Fahrradstellplätze angeboten werden, auf denen die Räder während des Konzerts in Kooperation mit dem ADFC codiert, durchgecheckt und, wenn nötig, geputzt werden.

Für das Abo gebe es schon Interessenten, sagt Fein und ist offen für weitere Ideen. „Die Grenze ist klar, es geht im Kern immer darum, Kultur zu ermöglichen. Es geht nicht um Zirkus oder Ablenkungsmanöver. Deutschland und Europa sind Weltmarktführer in der Kultur. Wir wollen optimale Voraussetzungen schaffen, unser reiches Erbe zu pflegen“, stellt er fest. Um die Zukunft des Hauses macht sich Markus Fein keine Sorgen. Je unübersichtlicher die Welt werde, desto wichtiger werde die Alte Oper, sagt er. In Zeiten von KI suchten die Menschen immer stärker echte Erlebnisse. „Und wir bieten Inhalte hinter der Oberfläche.“

Häufig gestellte Fragen zu Markus Fein und der Alten Oper Frankfurt

Wer ist Markus Fein?

Dr. Markus Fein ist seit September 2020 Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper Frankfurt. Der gebürtige Frankfurter studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Lüneburg sowie Kunstgeschichte und Musikwissenschaft in Wien und Hamburg, wo er promovierte.

Vor seiner Frankfurter Zeit leitete er die Sommerlichen Musiktage Hitzacker, die Niedersächsischen Musiktage und sieben Jahre lang die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. 2010 arbeitete er eine Saison lang bei den Berliner Philharmonikern als Leiter der Programmplanung und Dramaturgie.

Wie lange bleibt Markus Fein Intendant der Alten Oper?

Der Aufsichtsrat der Alten Oper hat Feins Vertrag vorzeitig bis August 2030 verlängert. Der Beschluss fiel einstimmig und folgte einem Vorschlag von Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Was ist das Fratopia-Festival und wann findet es statt?

Fratopia ist ein fünftägiges Festival, bei dem die Alte Oper alle Säle, Salons und Foyers bei freiem Eintritt öffnet. Rund 250 Kurzkonzerte aus Klassik, Jazz, Pop und Weltmusik laufen parallel, Tickets und Anmeldung sind nicht erforderlich. Markus Fein setzte das Format 2023 erstmals um, im Jahr darauf kamen 46.000 Besucher.

Die Ausgabe 2026 läuft von Mittwoch, 23., bis Sonntag, 27. September.

Welche Angebote der Alten Oper richten sich an Klassik-Neulinge?

Neben Fratopia gibt es das Format „Hereinspaziert“ für Einsteiger sowie Mittagskonzerte, zu denen ganze Abteilungen Frankfurter Unternehmen kommen. Bei „Eine Straße geht ins Konzert“ lädt das Haus pro Spielzeit die Anwohner einer von einer Jury ausgewählten Straße ein und erfüllt deren Wünsche, etwa ein Hofkonzert oder ein Konzert von allen Balkonen der Straße.

Das „Grüne Abo“ verbindet fünf Konzerttermine mit Talkrunden zum Klimaschutz und Fahrradstellplätzen, an denen die Räder während des Konzerts in Kooperation mit dem ADFC codiert und durchgecheckt werden.

Was bedeutet „Zukunftshaus Alte Oper“?

Unter diesem Titel bündelt die Alte Oper ihre Pläne, das Haus für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen: neue Formate, veränderte Dramaturgien und der Mut, Gewohntes zu hinterfragen. Bis in die Spielzeit 2030/31 will das Team ein gutes Stück dieses Weges zurückgelegt haben.

Der Zeitpunkt ist gesetzt: 2030 wird das Gebäude 150 Jahre alt, ein Jahr später feiert die Alte Oper 50 Jahre als Konzerthaus nach dem Wiederaufbau.

Wie finanziert sich die Alte Oper Frankfurt?

Zwei Drittel des Etats stammen aus privaten Quellen: Sponsoren, Stiftungen und Ticketverkauf. Für Markus Fein folgt daraus ein Auftrag – ein Haus mit dieser Finanzierungsstruktur sei ein Bürgerhaus und dürfe sich von der Stadtgesellschaft nicht abkoppeln.

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