Gold - Vertrauen in goldene Zeiten
Gold - Vertrauen in goldene Zeiten

Bereits 5.000 vor Christus wurde Gold als Tauschmittel verwendet. Heute hat das kostbare Edelmetall als direktes Zahlungsmittel ausgedient – als Wertanlage kommt ihm aber noch immer eine enorme Bedeutung zu. Im Gespräch mit Experten wie Julius Leineweber vom hessischen PGD Goldvertrieb haben wir herausgefunden, warum das chemische Element mehr als nur ein Wertbewahrer ist und wann der Goldrausch zum Geldsegen werden kann. Von Thomas Zorn

Seit der Finanzkrise 2008 sind die Sorgen um die eigenen Rücklagen gewachsen. Das weltweite Programm zur Rettung der Banken hat zu einer bedrohlichen Verschuldung der Staaten und einer vorher nicht gekannten Niedrigzinspolitik geführt. Viele haben Aktien, Häuser oder Wohnungen gekauft, um ihr Vermögen vor negativen Realzinsen und schleichender Inflation zu bewahren.

Das ultimative Zahlungsmittel

Angesichts eines mit Geld gefluteten Marktes, brummenden Börsen und Spitzenpreisen für Immobilien steigt die Furcht vor einem Crash. Hinzu kommen Klimawandel, Flüchtlingswellen und eine ziemlich unberechenbar gewordene internationale Politik.

In solch stürmischen Zeiten besinnt man sich gern auf Gold. Alan Greenspan, der frühere Chef der US-Notenbank, hat das mythische Metall einmal als das „ultimative Zahlungsmittel“ bezeichnet. Denn Gold wird weltweit akzeptiert und gilt als wertbeständig.

Die Federal Reserve Bank of New York in Manhattan, wo 8.000 Tonnen Gold lagern.
Die Federal Reserve Bank of New York in Manhattan, wo 8.000 Tonnen Gold lagern.

Etliche Experten halten es für den besten Schutz vor wirtschaftlichen Katastrophen. Selbst in vergleichsweise ruhigen Perioden ist Gold mehr als nur ein Wertbewahrer. Vergleicht man dessen Performance mit anderen Anlageklassen, hat es im Zeitraum von 1970 bis 2010 sehr gut abgeschnitten.

Inflationsbereinigt wurde eine Jahresrendite von 4,8 Prozent ermittelt. Erfolgreicher war nur noch der Aktienindex S&P 500 Total Reverse mit 5,5 Prozent. Die noch etwas bessere Bilanz des S&P-Aktienindexes in den vergangenen Dekaden beeindruckt die Anhänger des Goldes nicht. Sie wollen auf keinen Fall in einen Kollaps hineingeraten, wie er sich am Schwarzen Freitag im Oktober 1929 an der New Yorker Börse ereignet hatte.

Münzen, Barren, Nuggets

Mit dem Zusammenbruch begann die Weltwirtschaftskrise. Ins Bodenlose stürzten damals die Aktien genau wie die Preise für Rohstoffe und Fertigwaren. Die Industrieproduktion sank innerhalb von drei Jahren in den USA um fünfzig Prozent. Wer Anteilsscheine von Gold- und Silberproduzenten besaß, erzielte jedoch exorbitante Gewinne.

Doch dem, was man nur auf dem Papier besitzt, misstrauen die wahren Anhänger des Goldes. Sie wollen physisches Gold, um im Notfall nicht von Regierungen und Börsen abhängig zu sein. Die Skepsis ist begründet. Die Geschichte liefert zahlreiche Beispiele, wie Staaten Gold, das ihnen nicht gehörte, unter ihre Kontrolle bringen wollten.

Ein Handelsverbot zu erlassen, ist vergleichsweise einfach. Physisches Gold und andere Edelmetalle besitzen jedoch eine zauberhafte Eigenschaft. Will man sie bei den Bürgern beschlagnahmen, verschwinden sie plötzlich ganz spurlos. Anders ausgedrückt: Münzen, Barren, Nuggets oder Schmuck lassen sich leicht verstecken oder außer Landes schaffen.

Verbote und Beschränkungen gab es schon in der klassischen Antike. Immer wieder wurden die Mächtigen übergriffig, ob im Mittelalter oder in den letzten hundert Jahren. Besonders hervorgetan haben sich dabei die sozialistischen Staaten und autoritäre Länder der Dritten Welt. Aber auch Demokratien griffen in Krisen auf privates Gold zu wie in Deutschland während der Hyperinflation 1923 und in den USA 1933.

Noch in den sechziger Jahren regulierten Indien und Großbritannien den Goldbesitz. Erst 1973 mit dem Ende des Bretton-Wood-Systems, das ein Tauschverhältnis von 35 Dollar für eine Feinunze Gold festgelegt hatte, wurden die meisten Beschränkungen – zumindest in den Marktwirtschaften – beseitigt.

Hessisch‘ Fort Knox

Die weltpolitische und wirtschaftliche Unsicherheit ist weiterhin groß. Goldhändler wie Premium Gold Deutschland mit Sitz in Heusenstamm profitieren davon. „Die vielen Konfliktherde und Politiker, die von allen guten Geistern verlassen scheinen, befördern unser Geschäft“, diagnostiziert Julius Leineweber, geschäftsführender Gesellschafter der PGD.

Julius Leineweber (Premium Gold Deutschland)
Julius Leineweber (Premium Gold Deutschland)

Der 49-jährige sitzt in einem mit Kameras, Alarmanlagen und Scherengittern hoch- gesicherten Bürogebäude im Gewerbegebiet südlich von Frankfurt. Der Besucher kommt sich vor wie in einem hessischen Fort Knox. Im Showroom glänzen 22-karätiger Goldschmuck, Goldmünzen und Barren in langen Reihen. Gold für mehrere Tausend Euro werde pro Tag umgesetzt, berichtet der gebürtige Niedersachse, der vor vier Jahren hier in Heusenstamm eingestiegen ist.

Von Goldgräbern

„Insgesamt liegen hier viele Kilo Gold“, erzählt der Geschäftsmann ehrfürchtig. Sogar ein cooler Vertriebler wie er, der früher mit Immobilien und Telekommunikation sein Geld verdiente, scheint angesichts der Menge des kostbaren Materials ein bisschen befangen. Das korrosionsfeste Metall mit der Ordnungszahl 79 verliert auch auf Profis nicht seine magische Wirkung. Die Kunden, die bei Leineweber Münzen und Schmuck kaufen, sind überwiegend türkischer und nahöstlicher Herkunft.

„Wer aus diesen Gegenden stammt, schenkt mit Vorliebe Gold zur Hochzeit“, erzählt er. Auch die Staaten dieser Region schätzen das Edelmetall und bauen – wie Russland und China – zurzeit massiv ihre Goldreserven auf. Leinewebers Partner Mesut Pazarci hat das Heusenstammer Unternehmen 2008 gegründet. Jetzt fungiert er als geschäftsführender Gesellschafter der PIM Gold und Scheideanstalt GmbH, die mit der PGD verknüpft ist. Altgoldhändler liefern Schmuck und Ringe, die eingeschmolzen und zu Barren und Münzen geformt werden.

Goldbarren im 'Hessisch' Fort Knox'
Goldbarren im ‚Hessisch‘ Fort Knox‘

Der Schmuck wird in der Türkei produziert. 250 Juweliere arbeiten dem Großhändler zu. Standorte, wo die glänzenden Stücke bestaunt und erworben werden können, unterhält das Haus auch in Mannheim und im österreichischen Wels – Stuttgart, München, Hannover, und Duisburg sollen 2018 folgen. Deutsche Anleger sind weniger an Schmuck interessiert.

Sie decken sich dafür mit bis zu 1000 Gramm schweren Barren ein oder ordern eine mit Gold hinterlegte Kreditkarte. Einige erwerben auch Silber. Banken versorgen sich ebenfalls bei dem Unternehmen. Der Jahresumsatz von PGD und PIM hat inzwischen mehr als 100 Millionen Euro erreicht. „Damit liegen wir in Deutschland zwar deutlich hinter den ganz großen Goldhändlern, sind aber durch Focus Business zum Wachstums-Champion 2018 gekürt worden“, erklärt Leineweber. „Wir bieten eben den besten Preis.“

Gefragt wie nie

Gold ist in Deutschland gefragt wie nie. Sieben Milliarden Euro wurden nach einer Analyse des World Gold Council im vergangenen Jahr in Gold investiert. Die Bestände wuchsen um 190 Tonnen. „Ein neuer Höchststand“, jubelte die Fachpresse.

„Die Flucht ins Gold ist vorgezeichnet.“ – John C. van Eck

Nur eine Minderheit will unmittelbar Gewinne erzielen. In einer Umfrage unter deutschen Anlegern antworteten 57 Prozent der Befragten, es gehe ihnen beim Gold vorrangig um Vermögenssicherung. „Wir bieten auch eine sichere Wertsteigerung mit unseren Produkten“, so Leineweber.

Doch genau dazu könnte es demnächst kommen, erwarten Vermögensmanager wie der renommierte Schweizer Felix Zulauf. Er prognostiziert eine neue Goldära. Anleger würden sich dem Metall der Metalle zuwenden, um den zu erwartenden Kursverfall bei den Aktien abzufedern. Joe Foster, Portfoliobetreuer für die Gold-Fonds des US-Asset-Managers Van Eck, rechnet ebenfalls mit steigenden Goldkursen.

Schließlich reduziere die amerikanische Fed ihre Anleihenkäufe, sodass den Märkten 2018 über das Jahr gerechnet 600 Milliarden US-Dollar entzogen würden. „Die Selbstgefälligkeit dürfte in Angst umschlagen“, vermutet der Stratege. Die Flucht ins Gold sei vorgezeichnet.

Gold: die bessere Währung?

Andere wie Jan-Hendrik Hein, Deutschland-Chef vom Fondshaus ETF Securities, sind vom Höhenflug des Goldes noch nicht überzeugt. Wenn die Fed die Zinsen in den USA konsequent erhöhe, stärke sie damit den Dollar. Das schlage sich „zu Ungunsten des Goldpreises“ nieder.

Starinvestor Warren Buffett hält derzeit Gold sogar für eine „unproduktive Wertanlage“ und erinnert daran, dass es in den vergangenen fünf Jahren keine großen Sprünge nach oben machte. Allerdings verschweigt die Finanzlegende, dass er selbst noch 2011 zum Großeinkauf von Gold geraten hatte.

Gold heizt spekulativen Phantasien an.

Dabei war damals die Luft schon dünn. Wer beim Spitzenkurs von 1900 Dollar für die Feinunze eingestiegen ist, muss jetzt noch mit einem Wertverlust von deutlich über 500 Dollar pro 31,103 Gramm purem Gold leben.

Dennoch heizt Gold mal wieder die spekulativen Phantasien an und überstrahlt andere Edelmetalle wie Silber, Platin oder Palladium, die zur Vermögenssicherung ebenfalls taugen. Gold, in grauen Vorzeiten bei einem Supernova-Kernkollaps entstanden, wurde schon vor mehr als 6000 Jahren kultisch verehrt: In Bulgarien entdeckte man Goldartefakte als Grabbeigaben. In Europa, in China und in Südamerika sollte Gold einst den guten Draht zu den Göttern herstellen.

In der römischen Antike diente es dann schon als sehr realer Wertmaßstab für das umlaufende Geld. Ewiges Leben ist heute mit Gold wohl nicht mehr zu erkaufen. Doch dafür ist die Hoffnung nicht unberechtigt, mit Gold das eigene Vermögen gegen Turbulenzen zu behaupten – und damit die eigenen Nachkommen zu beglücken. Weiterleben kann man so wenigstens im Gedächtnis seiner Lieben.


Krugerrand

Krugerrands aus verschiedenen Jahrzehnten
Krugerrands aus verschiedenen Jahrzehnten

Der Krügerrand ist die meistverkaufte Goldmünze der Welt. Der Name der Münze geht auf Paul Kruger zurück, der von 1882 bis 1902 Präsident der Republik Südafrika war.

Anlässlich des diesjährigen 50. Jubiläums fertigte die Rand Refinery einen Riesen-Krügerrand mit einem Durchmesser von stolzen 10 Zentimeter, einem Gewicht von 1,6 Kilo und einem Gegenwert von 60.000 Euro.


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