2017 feierte er im Restaurant Opéra mit vielen Frankfurter Persönlichkeiten „100 Jahre Maleki“. Gemeint war natürlich nicht der 100. Geburtstag von Nader Maleki. Der Unternehmer ist 70 geworden. Er hat kurzerhand die 30 Jahre, in denen seine Firma besteht, hinzugezählt. Andere würden an diesem Punkt ans Aufhören denken. Maleki aber startet noch einmal neu durch.

Fast hätte es Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, für möglich gehalten, dass Nader Maleki 100 Jahre alt geworden ist. Es fühle sich zumindest so an, weil sie sich schon ewig kennen würden, sagte er schmunzelnd bei der Geburtstagsfeier des Unternehmers im Restaurant Opéra.

Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, verleiht Dr. Nader Maleki die 'Ehrenurkunde für Kunst und Kultur'
Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, verleiht Dr. Nader Maleki die ‚Ehrenurkunde für Kunst und Kultur‘

Nicht nur der Minister war als Gratulant gekommen – und hatte für den Jubilar die Ehrenurkunde des Landes Hessen für Kunst und Kultur für dessen Verdienste um den Deutschen Pianistenpreis im Gepäck, der von Maryam Maleki, seiner Ehefrau, ins Leben gerufen wurde. Auch zahlreiche weitere prominente Wegbegleiter der vergangenen 30 Jahre feierten mit Maleki.

Darunter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der ihm am 13. März die Ehrenplakette der Stadt überreichen wird, der frühere Hessische Ministerpräsident Roland Koch sowie die früheren Chefs der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, Rolf-E. Breuer und Jürgen Fitschen.

Die Deutsche Bank spielt im Berufsleben von Nader Maleki eine wichtige Rolle. 1979 hatte er dort angefangen, direkt nach dem Studium in München und seiner Promotion an der Universität Dortmund. Dank des Frankfurter Instituts konnte er nach und nach seine Maleki Corporate Group aufbauen.

Franz-Josef Nick, Ex-Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen mit Friederike Lohse, Dr. Nader Maleki und Barbara und Rolf Breuer beim Internationalen Deutschen Pianistenpreis 2015
Franz-Josef Nick, Ex-Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen mit Friederike Lohse, Dr. Nader Maleki und Barbara und Rolf Breuer beim Internationalen Deutschen Pianistenpreis 2015

Dabei war die Entscheidung, dort anzuheuern, zunächst nur eine Notlösung. Eigentlich wollte der gebürtige Teheraner in seine Heimat zurückkehren, in der er schon als Jugendlicher auf eigene Rechnung erfolgreich Popkonzerte organisiert hatte und dank einer eigenen Musik-Fernsehshow, vergleichbar mit der deutschen Sendung „Disco“ mit Ilja Richter, eine bekannte Größe war.

Zum Studium war er nach Deutschland gegangen, um dem Militärdienst zu entgehen. „Meine Familie hatte eine eigene Bank im Iran. Der Direktionsposten wartete dort schon auf mich“, erzählt Maleki. Doch die Revolution ließ ihn zunächst abwarten und in Deutschland bleiben. So wurde aus ein paar Monaten schließlich ein ganzes Leben.

Herrhausen als Weihnachtsmann

Schon in seinen Anfangsjahren bei der Deutschen Bank hatte Nader Maleki ein Händchen dafür, Kontakte zu knüpfen – und das auf allen Ebenen. Dem Pförtner bot er Gummibärchen an und durfte dafür auch am Wochenende auf dem firmeneigenen Parkplatz stehen. Sein Organisationstalent bewies er bei der Ausrichtung der Weihnachtsfeiern für das Geldinstitut.

Dr. Nader Maleki
Dr. Nader Maleki

Für eine der Veranstaltungen kam ihm die Idee, den damaligen Vorstandsvorsitzenden Alfred Herrhausen, den er sehr verehrte, als Weihnachtsmann auftreten zu lassen. Dieser habe gelacht über die Anfrage und entgegnet, er habe bereits ein Abendessen

mit wichtigen Gesprächspartnern für den Abend vereinbart. Doch Maleki blieb hartnäckig. Noch heute sagt man ihm gerne nach, wenn man ihn durch die Tür hinauswerfe, komme er zum Fenster wieder hinein.

Er schlug Herrhausen also vor, nach dem Abendessen noch zur Feier zu kommen, und dieser ließ sich darauf ein. Bei den Direktoren der Deutschen Bank hatte sich Maleki mit diesem Auftritt allerdings keine Freunde gemacht. „Sie versuchten monatelang einen Termin bei Herrhausen zu bekommen und bei mir trat er als Weihnachtsmann auf, das haben sie mir nicht verziehen.“

„Wenn man gute Ideen hat, hat man ständig Neider.“ – Dr. Nader Maleki

Solche Kritik lässt Nader Maleki jedoch an sich abperlen. Er habe in seinem Berufsleben häufig Auseinandersetzungen geführt. „Wenn man gute Ideen hat, hat man ständig Neider“, stellt er heute dazu fest. Neben dem Neid sei auch das Glück sein ständiger Begleiter gewesen. Zum Beispiel jenes, dass Alfred Herrhausen an ihn glaubte. Zunächst erkämpfte Maleki sich in der Deutschen Bank einen Posten in der Abteilung der Projektfinanzierer.

Doch sein Herz schlug für die Kommunikation. So kam ihm damals die Idee, dass die Bank eine PR-Abteilung brauche. Durch seinen Chef ließ er Alfred Herrhausen dies ausrichten und bekam den Auftrag, die Abteilung aufzubauen. 1989 wurde er ihr Direktor.

Auf eigenes Risiko

Zu dieser Zeit hatte er bereits die ersten öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen geplant und 1986 mit Unterstützung von Herrhausen das International Bankers Forum gegründet, Deutschlands größten privat initiierten Berufsfachverband des Bank- und Finanzgewerbes, dessen Präsident Maleki bis heute ist.

Auch den ersten Bankenball, damals noch im Kempinski Hotel Gravenbruch, organisierte der Iraner nebenher und gründete vor genau 30 Jahren seine erste deutsche Firma, die SFB, Service für Banken GmbH. „Sie war der Grundstein für die heutige Maleki Corporate Group GmbH“, betonte er bei seiner Feier.

Für die Organisation des Bankenballs 1990 hatte der Unternehmer besondere Pläne. Diesmal sollte es ein Benefizball im großen Stil in der Alten Oper werden. Statt der 300 Karten für 100 Mark das Stück im Kempinski musste er nun die doppelte Anzahl für 450 Mark verkaufen. Seine Kollegen erklärten ihn für verrückt. Er habe sich freistellen lassen und auf eigene Kosten die Alte Oper gemietet. Ans Risiko habe er nie gedacht, sagt er heute, auch wenn Alfred Herrhausen, der ein Jahr zuvor von der RAF ermordet worden war, ihn nicht mehr unterstützen konnte.

Wieder war das Glück auf seiner Seite. Die Deutsche Bundesbank plante zeitgleich eine internationale Konferenz mit Vertretern von Aufsichtsbehörden aus aller Welt in Frankfurt. Der Ball als Abschluss war ideal. Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl wurde Schirmherr und bestellte auf einen Schlag 450 Tickets. Am Ballabend stand der junge Iraner Maleki mit seiner schönen Frau am Eingang und begrüßte die gesamte Financial Community. Der Zeremonienmeister des Finanzplatzes Frankfurt war geboren. „Da haben sie wieder das Thema Neider“, sagt er rückblickend dazu.

Bill Gates & Josef Ackermann

2009 - Dr. Nader Maleki verleiht Jean-Claude Juncker die Auszeichnung 'Banker of the Year'.
2009 – Dr. Nader Maleki verleiht Jean-Claude Juncker die Auszeichnung ‚Banker of the Year‘.

Weil er im darauffolgenden Jahr einen ebenso erfolgreichen Ball veranstalten wollte, eine Konferenz aber nicht in Sicht war, erfand er eben selbst eine, den European Banking Congress. Dank seiner Kontakte gelang es ihm, dass der neue Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger dort seinen ersten Auftritt hatte.

Auch der Kongress wurde ein Erfolg. Nach und nach holte er für die unterschiedlichsten Veranstaltungen die Köpfe der weltweiten Finanzbranche nach Frankfurt, Notenbanker wie Alan Greenspan, aber auch Politiker wie den Luxemburger Jean-Claude Juncker, Anatoli Sobtschak, Mentor von Boris Jelzin, und Größen wie Bill Gates.

Natürlich gab ihm auch Wim Duisenberg keinen Korb, als er ihn bat, an seinem ersten Arbeitstag als Chef der EZB in Frankfurt bei einer seiner Konferenzen aufzutreten. Seit 2009 sorgt er dafür, dass sich der Finanzplatz auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos entsprechend präsentiert.

Melodien im Kopf

Für jede Idee – er selbst nennt sie gerne Melodien, die in seinem Kopf entstehen, und die er dann unbedingt verwirklicht sehen will – gründete er eine neue Firma, stellte mindestens einen Mitarbeiter ein. Bis zu 100 Menschen waren in Spitzenzeiten für ihn tätig. Viele Kongress- und Tagungsformate weltweit entwickelte er auf diese Weise. Irgendwann entstand daraus die Dachmarke „Maleki Group“. Die Deutsche Bank hatte weiterhin seine Freistellung verlängert.

Doch ihm war längst klar, dass er zur Bank nicht zurückkehren wollte. Spätestens, als man dort mit einer Idee, die seiner eigenen ähnelte, 1992 die Alfred Herrhausen Gesellschaft gründete, stellte er fest: „Ich war nicht dabei, da wusste ich, es ist Zeit zu gehen.“

1998 erweiterte er den European Banking Kongress zur Euro Finance Week, die in diesem Jahr bereits zum 20. Mal um die tausend Banker nach Frankfurt brachte. In den Jahren 2000 und 2001 veranstaltete er für
die Stadt Frankfurt zudem den Euro Marathon Frankfurt. Zur Euroeinführung als gesetzliche Buchungswährung am 1. Januar 1999 erfand er eine Konferenz, die parallel rund um den Globus stattfand.

Insgesamt 17 Stunden lang traten Redner wie der damalige Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann und Larry Summers, Chefökonom der Weltbank, in Tokio, New York, Frankfurt und weiteren Städten auf und wurden live in die anderen Teilnehmerstaaten übertragen. Eine ähnliche Veranstaltung in allen Finanzplätzen Europas plant Maleki zum 20. Jahrestag des Euro ebenso wie die Wiederholung eines Rekordes, für den er sogar im Guinness-Buch steht. 10.000 Menschen kamen damals vor die EZB, um das Euro-Symbol darzustellen.

Neue Wege

Pläne hat Maleki etliche für die nächsten Jahre. Er hat die Maleki Communications Group, das Unternehmen, mit dem er unter anderem die Euro Finance Week veranstaltete, bereits 2012 an den Deutschen Fachverlag verkauft und ist in diesem Sommer aus der dortigen Geschäftsführung ausgetreten.

„Ich habe viele neue Melodien im Kopf, die ich noch gerne umsetzen möchte.“ – Dr. Nader Maleki

„Ich war schon daran interessiert, dass ich meine Melodien vergolde“, sagt Maleki. Für fünf Jahre hatte er sich zur Zusammenarbeit verpflichtet. Nun will er wieder eigene Wege gehen. „Wie lange habe ich noch Zeit, etwas zu bewegen, vielleicht zehn Jahre. Ich habe viele neue Melodien im Kopf, die ich noch gerne umsetzen möchte.“

Eine davon ist das Vorhaben, eine eigene Bank zu gründen, um einer iranischen Privatbank den Weg nach Europa zu ebnen. Natürlich hat er dafür wieder eine Firma gegründet und Personal eingestellt. Die Maleki-Akademie für internationale Studenten ist eine weitere Melodie, mit der er sein Wissen an die nächste Generation weitergeben möchte.

Alles wieder genauso machen

Dem eigenen Nachwuchs hat er seine Begeisterung für die Kommunikation und Organisation bereits vererbt. Seine Tochter und sein Sohn studieren internationales Management und wollen in seine Fußstapfen treten. „Meine Tochter hat an der Uni gerade ihre erste Konferenz zum Thema Digitalisierung organisiert“, berichtet der Vater stolz.

Dass Nader Maleki allerdings deshalb kürzer tritt, ist nicht vorstellbar. Er arbeitet zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. „Ich muss es nicht, es ist mein Hobby“, sagt er. Dass seine Frau für die Musik genauso engagiert ist und im Büro neben ihm sitzt, macht ihm dieses Pensum natürlich leichter.

Zu seinem Geburtstag erfährt er nun gleich mehrere öffentliche Würdigungen für seine Verdienste um den Finanzplatz Frankfurt. Das macht ihn stolz. Er würde alles genauso wieder machen, sagt Maleki im Rückblick auf die vergangenen 70 Jahre. Er würde auch die gleiche Frau noch einmal heiraten, stellt er fest. So gesehen hätte er im Restaurant Opéra sogar 130 Jahre Maleki feiern können. Denn mit seiner Frau ist er ebenfalls genau 30 Jahre verheiratet.


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