Philip Holzer - Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG
Philip Holzer - Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG

Ökonomischer Sachverstand plus Empathie: Philip Holzer wacht als Aufsichtsrat über die Eintracht. Geübt dafür hat er bei der Investmentbank Goldman Sachs. Von Peter Lückemeier und Holger Peters (Fotos)

Philip Holzer taugt nicht für Klischees. Normalerweise würde man von einem langjährigen ehemaligen Top-Manager der Investment-Bank Goldman Sachs einen kalten Blick auf Zahlen und Profit erwarten. Also niemanden, der eigenes Geld in die Stiftung „Business for Sports“ steckt, um Kindern und Jugendlichen das Prinzip des Fair Play zu vermitteln, nicht nur im Fußball, sondern auch im Alltag. Also auch keinen, der einen Großteil seiner Zeit für Ehrenamtliches zur Verfügung stellt. Und niemanden, der sogar im knallharten Profifußball einen gesellschaftlichen Klebstoff ausmacht. Der sagt: „Fußball ist emotional – alterslos, klassenlos, er hat die wärmende Kraft eines Lagerfeuers.“

„Einer allein kann niemals gewinnen.“ – Philip Holzer

Dass Philip Holzer für Werte steht, hat viel mit dem Fußball zu tun. Und mit seinem Elternhaus. Gekickt hat er schon als Knabe. Später stand er für die Spielvereinigung Bad Homburg im Tor, immerhin in der Oberliga Hessen. Von den Erfahrungen im Mannschaftssport Fußball, sagt er, hat er ein Leben lang profitiert: „Einer allein kann niemals gewinnen.“

Der Teamgeist half ihm auch im Studium der Betriebswirtschaft und dann bei Goldman Sachs, wo es nur ganz wenige so lange aushalten wie er, 22 Jahre. Daheim in Bad Homburg hat ihn vor allem sein Vater geprägt. Von 1973 bis 1991 war Werner Holzer Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, eine der legendären Gestalten des Printjournalismus jener Jahre, in denen das Blatt im längst abgerissenen Gebäude am Eschenheimer Tor noch stolze schwarze Zahlen schrieb. Als Werner Holzer 2016 im Alter von neunzig starb, hielt sein Sohn eine bewegende Rede. Er weiß bis heute nicht, wie er sie durchstand.

Philip Holzer im Gespräch mit Peter Lückemeier
Philip Holzer im Gespräch mit Peter Lückemeier

„Mein Vater“, sagt er jetzt beim entspannten Gespräch in einer der Logen des Stadions, „konnte einem sehr charmant klarmachen, dass man gerade absoluten Blödsinn redete.“ Und er habe dem Sohn den Wert von Meinungsfreiheit, Toleranz und Gemeinsinn vermittelt. Schon als Knabe durfte Philip Holzer den Vater sonntags in die Redaktion begleiten. Während der Chefredakteur den Leitartikel schrieb, wurde der Sohn in der Sportredaktion geparkt. Babysitter war damals Harald Stenger, der Philip bald zu interessanten Spielen mitnahm. Noch immer halten der gut vernetzte Fußballjournalist, einst Kommunikationschef des Deutschen Fußballbundes, und sein ehemaliges Sportziehkind Kontakt.

Holzer drängt sich nicht vor Kameras, weicht ihnen aber auch nicht aus. Dem Aufsichtsrat der Eintracht gehört er schon seit zehn Jahren an. Der Verein war damals auf der Suche nach jemandem, der Finanzkenntnisse mit Sportsgeist vereinte und in der Region so gut vernetzt war, dass er Türen öffnen konnte. Mit anderen Worten: Profil und Persönlichkeit passten perfekt zusammen.

Eintracht Aufsichtsratchef Philip Holzer lernte bei Goldman Sachs
Eintracht Aufsichtsratchef Philip Holzer lernte bei Goldman Sachs

Seit dem 28. Juli dieses Jahres trägt Holzer nun Verantwortung an der Spitze des Eintracht-Aufsichtsrats. Über seinen Vorgänger Wolfgang Steubing sagt Holzer nur das Beste. Wie er überhaupt mit Lob nicht geizt, das reicht vom erfahrenen Finanzvorstand Oliver Frankenbach bis zum leidenschaftlich-kompetenten Vorstandsvorsitzenden Fredi Bobic.

„Aufsichtsrat bedeutet Aufsicht und Rat.“ – Philip Holzer

Den Vorstand der Eintracht preist er als „äußerst fähig“. Über diesen Vorstand hat der neue Aufsichtsratsvorsitzende zu wachen und folgt dabei einer ebenso bewährten wie einfachen Devise: „Aufsichtsrat bedeutet Aufsicht und Rat.“

Dabei bezieht sich solcher Rat aber nicht auf fußballerische Spitzfindigkeiten. Wer bei Philip Holzer monieren würde, dass die Abwehrkette der Eintracht auf der linken Seite verstärkt werden oder durch welches Supertalent die Flaute im Sturm behoben werden könnte, den verweist das Kuratoriumsmitglied der Frankfurter Oper auf die Spezialisten.

Ohnehin hat der Verein und damit auch das Aufsichtsgremium derzeit ganz andere Sorgen. Die 1899 gegründete SGE hat 90.500 Mitglieder, also so viele, wie Flensburg Einwohner hat. Die Corona-Krise führte nun dazu, dass dieser große Traditionsverein des deutschen Fußballs „aus einer Wachstumssituation in Richtung Vollbremsung ging“. So drückt es der Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG aus, deren Eigentümer zu 67,88 Prozent der eingetragene Verein „Eintracht Frankfurt e. V.“, zu 18,55 Prozent die Freunde des Adlers GmbH, zu 10 Prozent die Freunde der Eintracht AG und zu 3,57 Prozent die Steubing AG sind. Hinter den Freunden des Adlers stecken als Gesellschafter Philip Holzer und sein Geschäftspartner Stephen Orenstein, im Privatleben seit 1985 Dauerkarteninhaber.

Die finanziell derzeit schwierige Lage drückt also nicht nur den Aufsichtsratsvorsitzenden, sondern auch den Geschäftsmann Philip Holzer. Der genau weiß, was dem Verein entgeht, wenn er vor null statt vor den 51.500 Zuschauern aufspielt, die das herrliche Deutsche Bank Park-Stadion so oft bis auf den letzten Platz füllen. Der Eintracht entgehen pro Heimspiel derzeit rund 2,5 Millionen Euro. Zum Glück gibt es die Geisterspiele mit ihren Medienerlösen, die rund 40 Prozent des Umsatzes ausmachen. Wenn die auch noch wegbrächen, dann gute Nacht. Statt „Umsatz“ sagt Holzer übrigens „Revenues“, statt „Kartenverkauf“ spricht er von „Ticketing“ – die langen Jahre in New York und London prägen auch sprachlich.

„Siegen zu wollen ist Teil meiner DNA, und das ist bei allen unseren Vorständen genauso, bei Fredi Bobic sowieso.“ –  Philip Holzer

Die Wahrnehmung, ein Verein wie Bayern München strebe mit allen Fasern nach Erfolg, während die Eintracht Misserfolge eher schulterzuckend hinnehme, kann Porschefahrer Holzer nicht teilen: „Siegen zu wollen ist Teil meiner DNA, und das ist bei allen unseren Vorständen genauso, bei Fredi Bobic sowieso. Und was wir hier in den letzten Jahren geschafft haben, ist ’ne absolute Outperformance. Wenn wir samstags verloren haben, bin ich das ganze Wochenende weiß Gott nicht glücklich, da können Sie meine Lebensgefährtin fragen.“

Irgendwann im Laufe des Gesprächs kommt die Rede auf Uli Hoeneß. Holzer kann ihn gar nicht genug loben – diese einmalige Verbindung aus Sportkompetenz, ökonomischer Intelligenz und einer Empathie, die einen Verein als Familie begreift. Irgendwie hat Philip Holzer damit ganz ungewollt auch ein bisschen sich selbst beschrieben.


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