Die App Mobility inside ermöglicht das verbund- und verkehrsmittelübergreifende „Informieren, Buchen und Bezahlen“
Die App Mobility inside ermöglicht das verbund- und verkehrsmittelübergreifende „Informieren, Buchen und Bezahlen“

Um vom Rosenheimer Platz in München über den Frankfurter Hauptbahnhof nach Mainz zu gelangen und dann noch mit einem Leihfahrrad weiter zu reisen, sind bislang mehrere Buchungsschritte, Apps und Tickets unterschiedlichster Anbieter nötig. Die Branchenlösung Mobility inside ermöglicht zukünftig das verbund- und verkehrsmittelübergreifende „Informieren, Buchen und Bezahlen“ aus einer Hand. Wir sprachen mit RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat über die neue, digitale Plattform.

Seit 25 Jahren gilt im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) das Prinzip: Es gibt eine Fahrkarte von A nach B. Egal, ob man mit Bus, Straßenbahn oder Regionalzug fährt, egal, ob man umsteigt, und egal, welche Verkehrsunternehmen genutzt werden. Seit 2006 gibt es RMV-Fahrkarten außerdem komfortabel als RMV „HandyTicket“ über das Smartphone. Diese attraktiven Angebote und der einfache Weg zur passenden Fahrkarte sind wesentliche Bausteine für den enormen Erfolg des RMV. „Alleine von 2017 auf 2018 ist die Zahl der Fahrgäste von 754 auf 788 Millionen und damit um rund fünf Prozent gestiegen. Bis 2030 werden es eine Milliarde pro Jahr sein“, erläutert RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat. „Heute fahren 50 Prozent mehr Menschen mit uns als zur Verbundgründung im Jahr 1995.“

„In Deutschland gibt es hunderte verschiedener Tarife der Verkehrsverbünde und -unternehmen. Unser Ziel ist es, sie alle in einer digitalen Plattform zusammenzuführen.“ – Prof. Knut Ringat

Tarife in digitaler Plattform bündeln

RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat (Foto Peters)
RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat (Foto Peters)

Waren zunächst ausschließlich RMV-Fahrkarten über die RMV-App erhältlich, können seit 2018 auch Fernverkehrsfahrkarten der Deutschen Bahn erworben werden. In der immer mobiler werdenden Gesellschaft steigt auch die Zahl der Fahrgäste spürbar, die mit Bussen und Nahverkehrszügen über die RMV-Grenzen hinaus fahren. Der Wunsch wächst, auch für diese Fahrten mit der RMV-App Tickets kaufen zu können. „Genau hier setzen wir an“, so Prof. Ringat. „In Deutschland gibt es hunderte verschiedener Tarife der Verkehrsverbünde und -unternehmen. Unser Ziel ist es, sie alle in einer digitalen Plattform zusammenzuführen, sodass die Fahrgäste selbst von Sylt nach Garmisch-Partenkirchen einfach nur Start und Ziel in die gewohnte Heimat-App eingeben müssen und im Hintergrund die passenden Fahrkarten zusammengestellt werden.“

Branchenprojekt Mobility inside

Damit dieses Ziel schon bald Realität wird, engagiert sich der gebürtige Sachse Ringat seit Jahren über seine Geschäftsführertätigkeit hinaus im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) als Vizepräsident. Die zentrale Herausforderung des Projekts ist die Heterogenität der Nahverkehrsbranche: Einerseits gibt es große Unternehmen wie den Rhein-Main-Verkehrsverbund oder die Deutsche Bahn, andererseits aber auch Busunternehmen mit nur einer Handvoll Mitarbeiter. „Mit dem Projekt Mobility inside haben wir dafür eine Lösung gefunden“, ist Prof. Ringat überzeugt. „Die größeren und diejenigen, die ihre Tarife schon digital aufbereitet haben, gehen voran, und alle anderen können peu à peu einsteigen.“ Schon rund 200 Akteure, vom privaten und öffentlichen Verkehrsunternehmen bis hin zu Bürgerbusvereinen, haben in einer Absichtserklärung Anfang 2019 ihr Interesse an einer Partizipation bekundet.

Test der Pilot-App läuft bereits

Zusammen mit einem Dutzend weiterer Partner bildet der RMV die Speerspitze bei Mobility inside und hat eine Pilot-App mitentwickelt. Bereits seit Oktober 2019 läuft der Test mit bis zu 3.000 Fahrgästen aus neun Regionen Deutschlands. Die Fahrgäste geben dabei ganz komfortabel Start und Ziel an. Im Hintergrund werden dann die passenden Fahrkarten erworben. Wer also beispielsweise aus der Münchner Innenstadt über den Frankfurter Hauptbahnhof in die Mainzer Innenstadt fährt, erhält eine Fahrkarte des Münchner Verkehrsverbunds, eine ICE- sowie eine RMV-Fahrkarte aus derselben App. Die Abrechnung erfolgt dann gesammelt am Ende des Monats wie bei einer Telefonrechnung.

RMV-App wird grenzenlos

Der große Unterschied zwischen Pilot-App und Regelbetrieb: Während die Test-App noch gesondert installiert werden muss, wird dies künftig nicht nötig sein. „Niemand hat Lust, eine zusätzliche App zu installieren“, macht Prof. Ringat klar. „Deswegen werden die bestehenden Mobilität-Apps fit gemacht fürs grenzenlose Fahren. Über die RMV-App werde ich dann bald Fahrkarten für München, Leipzig oder Bochum kaufen können.“

„Moderne Mobilität bedeutet, die Verkehrsträger miteinander zu vernetzen. Deshalb beziehen wir in Mobility inside Car- und Bikesharing-Unternehmen oder E-Roller mit ein“ – Prof. Knut Ringat

Mobility inside denkt über Nahverkehr hinaus

Auch wenn bereits eine App für den öffentlichen Nahverkehr nicht weniger als eine Revolution des Ticketkaufs in der eher regional und unternehmensweise denkenden Branche ist, geht das Projekt Mobility inside noch weiter. „Es ist falsch zu denken, dass ein Autofahrer nie den RMV nutzt oder ein RMV-Fahrgast nie Auto oder Fahrrad fährt“, betont Ringat. „Moderne Mobilität bedeutet, die Verkehrsträger miteinander zu vernetzen. Deshalb beziehen wir in Mobility inside auch Car- und Bikesharing-Unternehmen oder E-Roller mit ein und haben auch On-Demand-Angebote im Blick.“

Digitalisierung aktiv gestalten

Da der RMV die Chancen der Digitalisierung für komfortablere Angebote früh erkannt hat, konnten viele technische Hintergründe in das Projekt Mobility inside übernommen werden. Beispielsweise nutzen nirgendwo in Deutschland so viele Fahrgäste elektronische Chipkarten wie im RMV-Gebiet. Das Beste: Diese sogenannten eTickets sind nicht nur digitale Fahrkarten, sondern fungieren auch als „Schlüssel“ für Car- und Bikesharing.

Nicht zuletzt bezieht die klare Digitalisierungsstrategie des RMV auch die Erfahrungen aus der Hotelbranche mit ein. „Die ebenfalls sehr heterogene Hotelbranche hat es nicht rechtzeitig geschafft, eine gemeinsame Buchungsplattform zu schaffen. Diese Lücke haben branchenfremde Betreiber wie Booking.com oder Expedia ausgefüllt. Heute müssen Hotels deshalb zweistellige Provisionen für die Vermittlung zahlen und haben den direkten Zugang zu ihren Kunden verloren“, macht Ringat klar und warnt: „Da im Nahverkehr keine Gewinne erwirtschaftet werden, würde ein solcher Verlust des Direktvertriebs unabsehbare Folgen für den Erhalt und notwendigen Ausbau des Fahrtenangebots haben.“

Schon 2021 sollen die RMV- und Partner-Apps mit Mobility inside Fahrkarten der zehn Partner verkaufen
Schon 2021 sollen die RMV- und Partner-Apps mit Mobility inside Fahrkarten der zehn Partner verkaufen

Mobility inside auf dem Weg zur Einführung

Dieses Schreckensszenario rückt jedoch in immer weitere Ferne. Nachdem die Pilot-App seit Oktober stabil und erfolgreich im Test läuft, erfolgte im Dezember 2019 die Gründung der Mobility inside-Gesellschaft. Diese wird sich nun um die Markteinführung und die Ausweitung auf die gesamte Mobilitätsbranche in Deutschland kümmern. Die Vision einer Mobilitäts-App für ganz Deutschland ist also voll auf Kurs: „2021 sollen die Partner-Apps – wie die RMV-App – mit Mobility inside Fahrkarten der zehn Partner verkaufen. Dann werden weitere Verkehrsverbünde und -unternehmen sowie Sharing- und On-Demand-Anbieter ergänzt“, beschreibt Prof. Knut Ringat den Zeitplan, den sich mancher Fahrgast rot in den Kalender eintragen wird.

 

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