„Dear, love is a burning fire – Stay, cause then the flames grow higher…“ Das in Modern Talkings „Brother Louie“ besungene Feuer gibt es bei unserem kulinarischen Treffen mit Thomas Anders glücklicherweise nicht. Dafür erzählt uns unser Prominenter am Herd aber von seiner brennenden Leidenschaft für die Musik, von alten Wegbegleitern und großen Erfolgen – und verrät, warum Maria Callas für das vorzeitige Ende seines Studiums sorgte.
Von Johanna Müdicken

Modern Talking – 125 Millionen verkaufte Platten weltweit, 400 Mal Gold und Platin. Eine unschöne Fehde mit Ex-Bandpartner Dieter Bohlen und im Anschluss eine überaus erfolgreiche Karriere als Solokünstler – all diese Dinge könnten einem in den Sinn kommen, wenn die Rede von Thomas Anders ist. Dass unser heutiger Prominenter am Herd allerdings auch ein passionierter Koch ist und vor Kurzem sein erstes Kochbuch herausgebracht hat, wissen wohl die wenigsten.

Modern Talking-Star Thomas Anders
Modern Talking-Star Thomas Anders

Wir sind gespannt, wie es um die Kochkünste des Sängers steht. Das Menü: Seeteufel mit einer fruchtig-pikanten Papaya-Salsa. „Wie alle anderen Rezepte aus dem Buch eines meiner liebsten“, stellt Thomas Anders lachend klar, als er im Haus des Tre Torri Verlags in Wiesbaden eintrifft, wo bereits sein Buch „Modern Cooking – Einfach, lecker, Anders“ entstanden ist.

Kurz nimmt er die Zutaten unter die Lupe – und krempelt sich wenige Momente darauf die Ärmel hoch: „Alles da – los geht’s!“, verkündet er voller Tatendrang und schnappt sich die ersten Zutaten

Pasta e Musica

„Ich mag es ja gerne scharf“, erklärt er, während er eine Chilischote halbiert. „Käse kann ich aber zum Beispiel gar nicht leiden – den esse ich höchstens mal auf der Pizza oder nutze ihn zum Überbacken. Sehr zum Leidwesen meiner Frau – sie liebt Käse.“ Seit achtzehn Jahren ist Thomas Anders mit seiner Claudia verheiratet, gemeinsam haben sie einen 15-jährigen Sohn. Dass die Inhaberin eines Luxus-Hunde-Shops dem Musiker verfallen ist, ist auch seinen Kochkünsten zu verdanken, verrät er uns.

„Als ich das erste Mal für sie gekocht habe, gab es Bandnudeln mit frischen Pfifferlingen. Und ja, zugegeben: Ein bisschen Klavierspielen war auch dabei. Diese Kombi ist doch unschlagbar – stellen Sie sich vor, da kommt ein junger adretter Mann, der ein wunderbares Abendessen zaubert und sich danach an den Flügel setzt. Das hat doch was, oder?“, fragt Anders mit einem Augenzwinkern und schneidet die Chili in feine Streifen. Ein Geheimrezept für die Liebe will er uns dann aber nicht verraten – denn „das gibt es nicht“, stellt er bestimmt fest. „Grundsätzlich sollte man immer Respekt vor einander haben, sich vertrauen und Humor haben. Das ist das Wichtigste.“

Thomas Anders:„Kochen macht Freu(n)de“

Nun wird der Ingwer in feine Würfel geschnitten. Wie kam Thomas Anders denn nun eigentlich vom Ton- ins Kochstudio? „Daran ist eindeutig Ralf Frenzel, der Verleger des Tre Torri Verlags, Schuld“, erklärt unser prominenter Koch lachend.

„Wir haben uns vor einigen Jahren kennengelernt und schnell festgestellt, dass das Kochen unsere gemeinsame Leidenschaft ist.“ Irgendwann habe Frenzel ihm dann vorgeschlagen, ein Kochbuch zu schreiben. „Erst habe ich gedacht: Warum sollte ich das tun? Darauf hat die Welt ja nun wirklich nicht gewartet. Aber schlussendlich war es eine der wunderbarsten Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Das ganze Team drumherum war einfach fantastisch.“

Die Inspiration für die Rezepte, die Thomas Anders in seinem Buch präsentiert, fand er aber nicht – wie man meinen könnte – auf den zahlreichen Reisen, die er auf Grund seines Berufs unternimmt oder in seiner zweiten Heimat Ibiza, sondern bei sich zuhause: „Ich habe massig Kochbücher und Kochzeitschriften daheim. Die Rezepte habe ich nach und nach verfeinert, abgewandelt und meinem Geschmack angepasst. Viele meiner Rezepte haben einen asiatischen Einfluss. Asiatische Gewürze wie Sojasoße und Koriander haben es mir angetan.“

„Kochen hat für mich etwas Meditatives.“

„Wenn ich mich während des Kochens nicht unterhalte, schneide ich übrigens viel schneller“, entschuldigt sich Thomas Anders, der gerade das Frucht eisch der Papaya kleinwürfelt. Dabei können sich seine Kochkünste wirklich sehen lassen: Schon landen Ingwer und Papaya in einer Schüssel, Frühlingszwiebeln werden in Ringe geschnitten. „Kochen hat für mich etwas Meditatives“, erklärt er.

Gekonnt zerlegt Thomas Anders den Seeteufel
Gekonnt zerlegt Thomas Anders den Seeteufel

„Ich koche zwar auch gerne in Gesellschaft, aber ich mag es nicht, wenn die Gesellschaft anfängt mitzukochen. Unsere Gäste dürfen dafür gerne bei uns in der Küche an der Theke sitzen und ein Glas Champagner trinken.“ Besonders wichtig, so erzählt er uns, sei ihm beim Kochen die Herkunft und Saison der verwendeten Produkte.

„Erdbeeren im Winter? Das ist doch nur Zellstoff in Rot!“, stellt er bestimmt fest und hackt die Cashewkerne klein. „Man sollte schon darauf achten, was man so in seinen Körper reinstopft. Gerade bei Männern ist es doch oft so: Das Auto bekommt das beste Motorenöl und wird jeden Samstag schön poliert, aber selbst isst man dann nur Fastfood.“

Weniger konsequent als bei seiner Ernährung sei er hingegen beim Thema Sport, bekennt Thomas Anders. „Ich sage immer, dafür habe ich keine Zeit. Das klingt besser, als zu sagen, ich habe keine Lust“, schmunzelt er. „Mein Äußeres ist mir aber natürlich wichtig. Jeder Kollege, der sagt, er achtet nicht auf sein Aussehen, lügt. Das ist wie mit den Damen, die keine Falten haben, weil sie angeblich jeden Tag 10 Liter Wasser trinken und 23 Stunden am Tag schlafen.“

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Und selbst wenn dies das Geheimnis des ewigen Jungbrunnens wäre – Zeit hätte Thomas Anders für solche Schönheitsrituale sowieso nicht: Erst vor wenigen Tagen ist er von einem Konzert in Russland zurückgekehrt, im vergangen Jahr erschien sein neues Album „Pures Leben“, auf dem er zu seinen Wurzeln zurückkehrt und nach 30 Jahren wieder auf Deutsch singt.

Mit seinen neuen Liedern sowie den Modern Talking-Klassikern tourt er von Land zu Land. 1984 gründeten Dieter Bohlen und Thomas Anders mit Modern Talking ein Pop-Duo, das in Europa alle Rekorde brechen sollte. Die erste Single „You’re my Heart, You’re My Soul“ blieb sechs Wochen lang auf Platz 1 der deutschen Charts, es folgten weitere Nummer 1 Hits wie „You can win if you want“ oder „Cheri Cheri Lady“.

Schon nach vier Jahren war es allerdings aus mit Modern Talking – der Grund: heftige Streitigkeiten und gegenseitige Anschuldigungen. So beschwerte sich etwa Dieter Bohlen über Thomas Anders‘ damalige Frau Nora, die mit ihrer Einmischung in das Band-Business Hauptgrund für Auseinandersetzungen gewesen sein soll.

Elf Jahre lang mussten die Fans warten, bis der Streit 1998 endlich beigelegt wurde – und die Modern Talking-Reunion folgte. Neu aufgelegte, alte Hits sowie neue Lieder stürmten erneut an die Spitze der Charts. Aber auch dieser Frieden währte nicht ewig. 2003 folgte Trennung Nummer 2, abermals begleitet von öffentlichen Beschimpfungen, Unterstellungen und gegenseitigen Beschuldigungen, die Thomas Anders gar dazu brachten, gegen Dieter Bohlen vor Gericht zu ziehen.

Thomas Anders mit Top Magazin-Redakteurin Johanna Müdicken
Thomas Anders mit Top Magazin-Redakteurin Johanna Müdicken

2014 verriet Anders in einem Fernsehinterview, dass man inzwischen endlich wieder höflich miteinander umgehen könne. Mit Dieter Bohlen hat er heute dennoch kaum noch Kontakt, erzählt er uns und verrührt dabei langsam den Limettensaft mit Sesam-, Olivenöl und Sojasoße. „Wenn, dann geht es nur um das Berufliche. Denn Modern Talking ist schließlich immer noch ein Business, eine Marke. Ab und an muss man da miteinander kommunizieren. Aber sonst haben wir nichts mehr miteinander zu tun. Jeder hat so sein Leben.“ Eine erneute Reunion von Modern Talking schließt er aus. „Ich glaube nicht, dass es je wieder eine Zusammenarbeit zwischen Dieter und mir geben wird“, stellt er fest.

„Warum auch? Jeder von uns ist mit dem, was er macht, erfolgreich. Und außerdem weiß man ja, wie es ist: Die Fantasie macht alles immer viel größer, als es die Realität je einhalten kann. Sobald wir wieder auftreten würden, kämen die ersten, die sagen: ‚Die sind aber alt geworden, das habe ich mir ganz anders vorgestellt.‘ Da wollen wir uns gar nicht drauf einlassen.“ Über mangelnde Beschäftigung kann sich der Musiker außerdem auch so nicht beschweren – neben seinen Auftritten als Sänger wird er ab Sommer als Juror in der Jury der TV-Casting-Show „X-Factor“ sitzen und ab Herbst im ZDF eine Ahnenforschungs-Show moderieren.

„Ich habe einen Traumberuf: Ich gehe zum Job und bekomme Applaus.“

Thomas Anders fügt die vorbereiteten Zutaten, die Limettenschalen und Garam Masala zur Salsa hinzu, die nun vermischt und abgeschmeckt wird. Er selbst hat den beruflichen Weg, den er eingeschlagen hat, nie bereut.

„Ich sage immer: Ich habe einen Traumberuf: Ich gehe zum Job und bekomme Applaus“, witzelt er und fügt kurz darauf hinzu: „Nein, mal ehrlich. Natürlich gibt es immer mal wieder Momente, wo man sich sagt: Warum hast du nichts Anständiges gelernt? Aber es gibt auch wahnsinnig tolle Momente, in denen ich weiß: Ich will nie wieder etwas Anderes machen. Existenziell für das Durchhalten in jedem Beruf ist die Leidenschaft. Wenn das Herz daran hängt, wenn man sagt, ich kann ohne das nicht leben – dann muss man es machen. Nur so kann man auch mit Niederlagen umgehen. Wenn man etwas nur macht, um berühmt zu werden, dann hat man auch nicht das Rückgrat, schlechte Zeiten durchzustehen.“

„Ich hatte keinen Plan B.“

Für Anders gab es immer nur eine Option in Hinblick auf seine berufliche Zukunft. Bereits mit sechs Jahren stand er das erste Mal auf der Bühne, schon als Dreijähriger gab er vor seiner Verwandtschaft kleine Konzerte. „Ich hatte keinen Plan B, was jetzt, als Erwachsener, eigentlich ziemlich erschreckend ist“, gibt er zu.

„Es musste einfach klappen.“ In Mainz studierte Thomas Anders, dessen richtiger Name eigentlich Bernd Weidung lautet, Musikwissenschaft und Germanistik. Ob er denn eine lustige Anekdote aus seiner Studienzeit für uns parat hätte? „Leider nein – ich war ja nie da“, lacht er, um kurz darauf hinzuzufügen: „Doch, eine Sache gab es. Mein Professor hat uns im Unterricht eine Schallplatte von Maria Callas vorgespielt. Ich habe meinen Kommilitonen angeschaut und ihn gefragt: ‚Was ist das denn? Das klingt ja schrecklich!‘ Und er hat ganz entsetzt reagiert: Ich könne so etwas nicht sagen, das wäre schließlich Maria Callas. Da wusste ich, ich bin hier ganz falsch.“

Mit etwas Rosmarin und Thymian wird der Seeteufel in der Pfanne angebraten.
Mit etwas Rosmarin und Thymian wird der Seeteufel in der Pfanne angebraten.

Nach fünf Semestern „pausierte“ Anders sein Studium dann – die Pause hält bis heute an. „Ich habe damals zu meinen Eltern gesagt: Ich mache jetzt schon mein Leben lang Musik und möchte mir eine Auszeit nehmen, um zu schauen, ob ich von der Musik leben kann. Wenn ich 25 bin und sich nichts in meiner Karriere getan hat, kann ich immer noch weiter studieren. Aber mit 21 hatte sich das ja schon erledigt – dann kam Modern Talking. Ich hatte Glück.“

Teuflisch lecker

Während die Salsa durchzieht, um ihr volles Aroma zu entfalten, brät Thomas Anders jetzt die Seeteufel-Medaillons an. Zusammen mit Thymian- und Rosmarinzweigen sowie Knoblauch schmurgelt der Fisch in der Pfanne und verbreitet einen würzigen, intensiven Duft im Raum, der uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Gut, dass schon kurze Zeit später der Tisch gedeckt werden kann und Seeteufel samt Papaya-Salsa auf unseren Tellern landen.

Top Magazin-Redakteurin Johanna Müdicken stößt mit Thomas Anders auf ein gelungenes Menü an.
Top Magazin-Redakteurin Johanna Müdicken stößt mit Thomas Anders auf ein gelungenes Menü an.

Wir lassen es uns schmecken und können bestätigen: Thomas Anders’ kulinarische Künste können sich sehen lassen. Satt und zufrieden lehnen wir uns zurück. Für den Sänger geht es gleich wieder heimwärts, nach Koblenz. Bevor er aufbricht, fragen wir ihn, ob ein weiteres Kochbuch geplant ist. „Also genug Rezepte habe ich auf jeden Fall, da kann eigentlich nichts schiefgehen“, lautet seine zuversichtliche Antwort. „Die Arbeit für das letzte Kochbuch hat so viel Spaß gemacht – also für mich wär’s ein Träumchen!“


Danke an…

…den Tre Torri Verlag für die Location und die Bereitstellung aller Zutaten sowie Frenzel’s Weinkontor in Wiesbaden für den begleitenden Wein.


Seeteufel mit Papaya-Salsa

Für vier Personen

Papaya-Salsa

Seeteufel mit Papaya-Salsa - gekocht von Thomas Anders
Seeteufel mit Papaya-Salsa – gekocht von Thomas Anders

1 rote Chilischote
4 cm Ingwer
400 g Papayafruchtfleisch
2 EL helles Sesamöl
2 Frühlingszwiebeln
100 g geröstete Cashewkerne
2 unbehandelte Limetten
2 EL helle Sojasauce
1 TL Garam Masala
2 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer Zucker

Seeteufel-Medaillons

500 g Seeteufelrücken
2 Zweige Thymian
1 Zweig Rosmarin
2 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer

Die geputzte Chilischote längs halbieren, entkernen (wenn man es nicht so pikant mag) und in feine Streifen schneiden. Den Ingwer schälen und in kleine Würfel schneiden. Das Fruchtfleisch der Papaya kleinwürfeln. Die geputzten und gewaschenen Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden, die Cashewkerne hacken.

Thomas Anders - Modern Cooking
Thomas Anders – Modern Cooking

Limetten heiß abwaschen, gut abtrocknen und die Schale abreiben, dann den Saft auspressen. Diesen mit dem Sesam- und Olivenöl sowie der Sojasauce verrühren, Garam Masala und Limettenschale hinzufügen, ebenso die vorbereiteten Zutaten. Ordentlich vermischen und mit Salz, Pfeffer sowie einer Prise Zucker abschmecken.

Seeteufel waschen, trocken tupfen und in ungefähr 4 cm dicke Medaillons schneiden. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und Kräuterzweige sowie den geschälten und leicht angedrückten Knoblauch kurz darin anbraten.

Dann die Seeteufel-Medaillons dazulegen und unter mehrmaligem Wenden etwa 8 bis 10 Minuten braten. Anschließend noch mit Salz und Pfeffer würzen und zusammen mit der Papaya-Salsa auf Teller anrichten. Frisches Baguette oder Basmatireis passen gut dazu, ansonsten braucht es keine weiteren Beilagen.


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