Pulsmesser für die Branche

Als Terézia Mora am Vorabend der Frankfurter Buchmesse erfuhr, dass sie die diesjährige Gewinnerin des Deutschen Buchpreises ist, war sie völlig überrascht. „Jetzt stehe ich da ohne Rede, ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass ich gewinne“, meinte die sympathische Autorin mit ungarischen Wurzeln im Frankfurter Römer bescheiden.

Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth, Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) und Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth
Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth, Alexander Skipis (Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) und Kulturdezernent Prof. Felix Semmelroth
Ganz so überraschend kam der Sieg nicht, denn ihr 700-seitiger Roman Das Ungeheuer stand auf der Shortlist und Mora galt als Favoritin. Ihr Roman sei ein „mitreißender Seelen- und Roadtrip“, war sich die siebenköpfige Jury einig, die im Vorfeld 254 Neuerscheinungen gesichtet hatte.

Schwere Kost siegte, denn es geht im Werk der Ungarin um Einsamkeit, Trauer und Tod. Überhaupt lag der Schwerpunkt der Shortlist 2013 – die einen Pulsmesser für die Branche darstellt und erfahrungsgemäß das Buchgeschäft beflügelt – auf psychischen Krisenthemen, was mehr als ein Zufall scheint. „Ich bin reich beschenkt durch beide Sprachen. Ich habe den Roman zunächst in meiner Muttersprache geschrieben, dann ins Deutsche übersetzt, was ein großer Kraftakt war“, sagte die in Berlin lebende Gewinnerin, die sich beim anschließenden Empfang für Autoren, Gäste und Verleger mit Rucksack zeigte. „Da ist mein Laptop drin.“

Einmal nicht auf der Shortlist vertreten zu sein, kann durchaus einen kleinen Vorteil bedeuten, wie der Kölner Verleger Helge Malchow (Kiepenheuer & Witsch) zugab. „So ist man bei der Preisverleihung ganz entspannt und hat kein Herzklopfen.“

www.deutscher-buchpreis.de