Paavo Järvi und sein Team

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Eröffnungskonzert


„Es wird laut!“ Damit hatte Intendant Michael Herrmann den Besuchern des Rheingau Musik Festival Eröffnungskonzerts keineswegs zu viel versprochen. Das hr-Sinfonieorchester spielte Gustav Mahlers 6. Sinfonie und verwandelte damit die Basilika des Klosters Eberbach in eine Soundkulisse für spektakuläre Klänge. Ein fulminanter Abschied von Paavo Järvi als Chefdirigent und ein wahres Feuerwerk musikalischer Emotion, das mit den von Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter vorgetragenen Wesendonck-Liedern Richard Wagners wehmütig und todessehnsüchtig begann und den Höhepunkt in der geballten instrumentalen Kraft von Mahlers „Tragischer“ fand – inklusive der zwei Schläge mit dem Hammer im vierten Satz.

Laut war dann auch der Applaus des Publikums, das den Maestro und seine Musiker mit Standing Ovations bedachte und sich beim anschließenden Empfang im Laiendormitorium begeistert von der beeindruckenden Darbietung zeigte. „Auch wenn man sich immer wieder mal über die Rundfunkgebühren ärgern mag, wenn man dieses Orchester spielen hört, weiß man, dass man in das höchste Gut investiert: in Kultur“, sagte Stefan Ress, Präsident des Rheingauer Weinbauverbands und gratulierte Michael Herrmann zu einem gelungenen Auftakt. Das tat auch Knut Dorn, den uns der Intendant als seinen „Lehrmeister“ bei der Buchhandlung Otto Harrassowitz vorstellte. Dieser kommentierte: „Ich bin froh, dass er dann doch einen anderen Weg gewählt hat und uns nun dieses phantastische Festival beschert.“

Eine Bescherung gab es an jenem Abend dann auch anlässlich des „langen Abschieds von Paavo Järvi“, so hr-Intendant Dr. Helmut Reitze. Er verglich den scheidenden Chefdirigenten mit Pep Guardiola: „Die Analogie lässt sich nicht bloß mit der Ähnlichkeit eurer beiden Schädel begründen, sondern vor allem damit, dass wir uns fühlen wie der FC Barcelona. Der Chef ist zwar weg, aber er hinterlässt das weltbeste Team.“ Als Erinnerung erhielt er Aufnahmen seines gesamten Oeuvres in einem Rollkoffer. „Das ist keine Kleinigkeit. Und wie man sieht auch kein Handgepäck.“ Im Namen des „weltbesten Teams“ überbrachte Orchestervorstand Peter Zelienka ein Faksimile des Adagietto von Gustav Mahler und folgenden Wunsch der Musiker: „Wir hoffen, Frankfurt ist dein Zuhause geworden.“

Paavo Järvi gab zu, so ergriffen zu sein, dass ihm die Worte fehlten und er deshalb niemanden mit „inkohärenten Phrasen“ langweilen möge. Dennoch betonte er, dass er sich keineswegs als Heilsbringer versteht: „Fakt ist: Als ich kam, stieß ich zu einem sehr guten Orchester. All die Erfolge der letzten Jahre sind den Musikern geschuldet. Sie arbeiten, und ich bin der Held. Das ist nicht fair, oder?!“ Und dann beendete er seine knappe Ansprache mit einem Appell an alle Gäste: „Bitte macht so weiter. Fördert die Kunst!“ Apropos Weitermachen: Auch wenn Paavo Järvi nicht mehr Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters ist, so wird er als Gastdirigent immer wieder zu erleben sein und als „Chef des Eröffnungskonzerts“, wie Michael Herrmann ihn nannte, auch im nächsten Jahr den Auftakt des Rheingau Musik Festivals dirigieren.

Konzert-Tipp

Im Rahmen des diesjährigen Rheingau Musik Festivals wird Paavo Järvi als neuer Conductor Laureate das hr-Sinfonieorchester beim traditionellen Konzert im Kurhaus Wiesbaden dirigieren. Bevor sie Anton Bruckners 3. Sinfonie zum Besten geben, präsentiert im ersten Programmteil der Förderpreisträger des Rheingau Musik Festivals Christopher Park mit dem Klavierkonzert d-Moll KV 466 eine ungewohnt düstere und dramatische Facette von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mittwoch, 21. August, 20 Uhr, Kurhaus Wiesbaden