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Joshua Abuaku: Frankfurts Hoffnung für Olympia

Joshua Abuaku ist Frankfurter, Deutscher Meister und einer der acht besten Hürdenläufer der Welt. Sein nächstes großes Ziel sind die Olympischen Spiele in Paris und eine Hürde, die er unbedingt unterschreiten will: die 47,48 Sekunden von Harald Schmid aus dem Jahr 1982.

Die letzten vier bis fünf Stunden vor einem Wettkampf isst Joshua Abuaku nichts mehr. Auch den Tag vor dem ersten Lauf in Paris wird er möglichst ruhig gestalten. So wie immer, wenn ein Wettkampf ansteht. Noch einmal duschen und sich dann langsam zur Laufbahn aufmachen. Doch Paris ist für ihn ein besonderer Moment. Nicht nur, weil seine Frau, seine kleine Tochter Liv, die Eltern und Schwiegereltern dabei sein werden, wenn der 28-Jährige antritt. Es sind die Olympischen Spiele, für die er sich qualifiziert hat. Bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere.

„Die Konkurrenz in Paris ist die gleiche wie in Tokio. Heute habe ich aber andere Voraussetzungen als vor drei Jahren. Daher möchte ich meinen Erfolg abrunden.“ – Joshua Abuaku

Seine Familie drückt fest die Daumen, dass er seinen Erfolg von Tokio 2021 mindestens wiederholen kann. Damals erreichte er das Halbfinale. Bei der Weltmeisterschaft in Budapest im vergangenen Jahr kam er als erster Deutscher seit 36 Jahren sogar ins Finale und lief dort auf Platz 8. „Die Konkurrenz in Paris ist die gleiche wie in Tokio. Heute habe ich aber andere Voraussetzungen als vor drei Jahren. Daher möchte ich meinen Erfolg abrunden“, sagt Abuaku – was wohl so viel heißen dürfte wie, weiter vorne zu landen als auf Rang 8.

Bei der EM 2023 in Budapest kam Joshua Abuaku ins Finale (Foto: Imago Images)
Bei der EM 2023 in Budapest kam Joshua Abuaku ins Finale (Foto: Imago Images)

Mit der Teilnahme an der wegen Corona um ein Jahr verschobenen Spiele in Japan konnte der Hürdenläufer, der für Eintracht Frankfurt an den Start geht, sich bereits seinen Lebenstraum erfüllen: einmal bei Olympia starten. Die Wiederholung kann er nun noch mehr genießen. „Tokio war super cool. Aber es gab wegen der Pandemie keine Zuschauer. Diesmal, mit den Spielen vor der Haustür, wird es ein anderes Erlebnis“, ist er sich sicher.

Joshua Abuaku hat Paris als zweites großes Ziel

Neben dem guten Abschneiden in Paris hat Joshua Abuaku noch ein weiteres ambitioniertes Ziel in diesem Jahr. „Ich bin sicher, dass die 48-Sekunden-Marke fallen kann“, sagt er. Mit den 48,12 Sekunden, die er im September 2023 beim Internationalen Stadionfest in Berlin lief, war er schon ganz nah dran und ist damit zweitschnellster Deutscher auf dieser Strecke. Vor ihm liegt nur der dreimalige Europameister und Olympiadritte aus Gelnhausen, Harald Schmid, der 1982 in Athen noch schneller ins Ziel kam. Noch. Vielleicht gelingt es ihm dort bereits, dass im Ziel die 47 vor dem Komma steht.

Ambitioniert war Joshua Abuaku schon früh. Bereits als Neunjähriger fiel sein Talent bei den Bundesjugendspielen an der Schule in seiner Heimatstadt Oberhausen auf. Dort nahm er regelmäßig an einem Waldlauf teil und wurde anschließend zum Probetraining beim Turnverein eingeladen. Dort blieb er.

Der Hürdenlauf als Disziplin habe ihn damals im Fernsehen beeindruckt, erzählt der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen. „Es bietet einen Anreiz mehr, weil man nicht nur geradeaus läuft.“ Doch erst einmal probierte er in seiner Jugend viele Disziplinen aus, trainierte Mehrkampf und lieferte auch dort schon solide Leistungen ab. Er entwickelte sich zunächst zum Sprinter. „Dann habe ich festgestellt, ich kann gut sprinten und ganz gut Hürden laufen“, sagt der 1,90 Meter große Sportler. Warum also nicht beides verbinden. Seit gut zehn Jahren ist der Hürdenlauf über 400 Meter nun seine Hauptdisziplin.

Darin arbeitete er sich langsam nach oben. Seine erste nationale Medaille in Silber errang er bei den Deutschen Meisterschaften, da war er noch keine 20 Jahre alt. Sie ebnete ihm den Weg zum Leistungssport. Doch der ganz große Durchbruch ließ zunächst auf sich warten.

„Frankfurt war die beste Option, um im Leistungssport auf hohem Level zu trainieren.“ – Joshua Abuaku

Wechsel nach Frankfurt für Joshua Abuaku

2018, mit 21 Jahren, wollte Joshua Abuaku es dann wissen. „Frankfurt war die beste Option, um im Leistungssport auf hohem Level zu trainieren“, erzählt er. Er bekam einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und konnte damit aus Oberhausen zur LG Eintracht Frankfurt und zur Trainingsgruppe von Bundestrainer Volker Beck wechseln. Mit ihm schaffte er den Schritt zu den Olympischen Spielen. Unterstützung erhält er auch als einer von derzeit 38 Athletinnen und Athleten von der Frankfurter Sportstiftung, die der Unternehmer Jürgen Lange ins Leben gerufen hat.

„Ich bin jetzt seit fast sieben Jahren hier und das war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben“, betont er. Und meint das nicht nur in sportlicher Hinsicht. In Frankfurt lernte der Hürdenläufer auch seine Frau kennen, vor gut einem Jahr wurde die gemeinsame Tochter hier geboren. „Seit einigen Wochen leben wir in einer neuen Wohnung in Sachsenhausen. Es passt alles.“

Hat große Ziele: Frankfurts Olympiahoffnung Joshua Abuaku im Bundesstützpunkt Leichtathletik in Niederrad
Hat große Ziele: Frankfurts Olympiahoffnung Joshua Abuaku im Bundesstützpunkt Leichtathletik in Niederrad

Die vergangenen 15 Jahre seien für ihn perfekt gelaufen, sagt der Sportler zufrieden. Dabei habe er sein Leben nicht durchgeplant. „Ich wusste, ich möchte den Sport zu meinem Beruf machen und davon leben können. Alles andere hat sich aber von selbst gefügt“, sagt er dankbar. Dass dazu auch viel Disziplin und Ausdauer gehört, versteht sich für ihn von selbst.

Noch während Joshua Abuaku in Oberhausen trainierte, begann er im Oktober 2015 ein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln. Selbst nach seinem Wechsel nach Frankfurt fuhr er vier Jahre lang weiterhin regelmäßig nach Köln, um das Studium abzuschließen. Seine Bachelorarbeit beendete er erst 2022. Ein Masterstudium anzuhängen, das ist immer noch sein Plan. Doch derzeit steht der Sport für ihn an erster Stelle.

Geduld & Konstanz

Der diesjährige Saisonbeginn im Mai lief bestens für Joshua Abuaku. Gleich im ersten Lauf im italienischen Savona startete er mit einer Zeit von 49,26 Sekunden. In Marseille erreichte er kurz darauf das Ziel in 48,90 Sekunden und blieb damit erstmals in seiner Karriere schon im Mai unter den 49 Sekunden. Dank des Trainings bei Volker Beck habe er sich eine gute Basis für konstante Leistungen erarbeitet, sagt er.

Ausdauer und Krafttraining stehen immer auf dem Programm, wenn er vier bis fünfmal pro Woche am Bundesstützpunkt trainiert. Geht es in Richtung Wettkämpfe, werde das Training kürzer, aber intensiver. Beim Hürdenlauf komme es darauf an, das Tempo aus dem Lauf mitzunehmen und sich nach dem großen Schritt auf die nächste Hürde vorzubereiten. „Es ist ein Automatismus. Für mich fühlt es sich an wie Laufen.“

„Geduld, Konstanz und Zielorientiertheit, das sind die Eigenschaften, auf die es für einen perfekten Hürdenlauf ankommt. So lassen sich auch die Hindernisse im Leben schaffen.“ – Joshua Abuaku

Geduld, Konstanz und Zielorientiertheit, das sind die Eigenschaften, auf die es für ihn beim perfekten Lauf ankommt. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch die Hindernisse im Leben schaffen, findet er. „Ich muss im Lauf zehn Hürden überwinden, das gelingt mir nur, wenn ich sie nicht mehr als Hindernis sehe“, erläutert er und meint das nicht nur auf den Sport bezogen.

Olympische Spiele in Paris

Denn auch bei Joshua Abuaku verlief im Leben nicht alles nach Plan. Als er 2022 endlich international erfolgreich war, erlitt er zu Saisonbeginn einen Muskelabriss. Doch die Trainingspause führte bei ihm nicht zum Einbruch, sondern zu einem Leistungssprung. Im vergangenen Jahr, nach der Geburt seiner Tochter, war es der ausreichende Schlaf, der ihm fehlte. Doch das Familienglück motivierte ihn auch gleichzeitig so stark, dass er am Ende seine beste Saison erreichte. „Der Sport ist einfach meine große Leidenschaft.“

Wenn es nach ihm geht, werden die Olympischen Spiele in Paris daher nicht seine letzten sein. „Einen Olympiazyklus möchte ich auf jeden Fall noch machen, danach werde ich weiterschauen“, plant er. Längere Reisen mit seiner Familie möchte er ebenfalls noch unternehmen in der Zukunft. Auch das wird sich sicher fügen.


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