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Klassik-Nachwuchs in Frankfurt: Wie das Rhein-Main-Gebiet junge Musiker fördert

Wer junge hochkarätige klassische Musiker erleben möchte, hat im Rhein-Main-Gebiet viele Möglichkeiten. Es gibt gleich mehrere international anerkannte Institutionen und zwei renommierte Orchester, die die Karriere des Nachwuchses befördern.

Deutschland gilt als das Land der Dichter, Denker – und Musiker. Dank seines kulturellen Erbes gibt es hier eine weltweit wohl einzigartige Dichte an Orchestern, Chören, Opern- und Konzerthäusern, Festivals und Ausbildungsmöglichkeiten. Für den talentierten Klassik-Nachwuchs ist das Rhein-Main-Gebiet ein gutes Pflaster. Er findet hier vielfältige Chancen, sich einen Namen zu machen oder seine Popularität weiter zu steigern. „Wir sind nicht München oder Hamburg, aber hier hat sich viel entwickelt, etwa mit der Alten Oper oder der Kronberg Academy“, stellt der Orchestermanager des hr-Sinfonieorchesters, Michael Traub, fest.

Porträt von Michael Traub, dem Orchestermanager des hr-Sinfonieorchesters, in einem dunklen Sakko.
Michael Traub, Orchestermanager des hr-Sinfonieorchesters, setzt bei der Programmgestaltung gezielt auf junge, unkonventionelle Künstler.

Karriere-Push durch das hr-Sinfonieorchester

Sein Orchester bietet in dieser Saison den beiden jungen niederländischen Pianisten Lucas und Arthur Jussen im Programm „Artist in Residence“ eine große Bühne mit insgesamt sechs Konzerten. „Es ist eine schöne Möglichkeit für uns Künstler, mit der Stadt und dem Publikum eine Beziehung aufzubauen“, stellt Arthur Jussen fest. Mit dem hr-Sinfonieorchester zu spielen, sei eine Ehre und ein wichtiger Schritt für die Karriere, bestätigt sein Bruder Lucas.

Der lachende niederländische Pianist Arthur Jussen sitzt am Flügel bei einem Open-Air-Konzert.
Publikumsmagnet in Frankfurt: Arthur Jussen am Flügel beim Europa Open Air des hr-Sinfonieorchesters.

In der Reihe „Auftakt“ im hr-Sendesaal tritt das Orchester ebenfalls häufig mit jungen Solisten auf. „Das Publikum vertraut uns, daher können wir es uns erlauben, jenseits von Ticketüberlegungen zu agieren und die zu holen, die jung, wild und interessant sind“, erläutert Michael Traub. Zudem bietet das Orchester den jungen Künstlern weltweite Aufmerksamkeit. Da alle Konzerte der Reihe und viele weitere auf YouTube gestreamt werden, wo der Kanal des Orchesters bereits 633.000 Abonnenten zählt und damit der erfolgreichste nichtkommerzielle Klassikkanal ist, bietet er eine große Reichweite: „Als der Dirigent Klaus Mäkelä 2019 bei uns war, hatte er innerhalb von vier Wochen 100.000 Klicks, das hat schon gepusht.“ In der Spielzeit 2027/28 soll der Finne Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestras sowie des Concertgebouw Orchesters in Amsterdam werden.

Das Orchester des Hessischen Rundfunks investiert zugleich in die Ausbildung junger Musiker. 2014 gründete es mit Hilfe des Fördervereins eine Orchesterakademie, in der mittlerweile 12 Stipendiaten pro Spielzeit bei unterschiedlichen Auftritten mitspielen. „Wir ziehen uns unseren eigenen Nachwuchs, acht von ihnen haben wir schon fest ins Orchester übernommen, 29 haben Stellen bei anderen renommierten Orchestern bekommen, etwa an der Hamburger Staatsoper“, erzählt Traub.

Die Akademie und MuseumsSolisten der Oper Frankfurt

Ähnlich handhabt es auch das Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Auf Initiative seiner Mitglieder wurde 2015/16 die Paul-Hindemith-Orchesterakademie gegründet, in der sich junge, gut ausgebildete Instrumentalisten ebenfalls optimal auf den Beruf des Orchestermusikers vorbereiten sollen. Das zweijährige Stipendium, das mittlerweile an zwölf Musiker vergeben wird, dient als Sprungbrett in das Festengagement an der Oper Frankfurt oder an einem anderen renommierten Orchester.

Zudem bietet das Opern- und Museumsorchester ebenfalls seit rund zehn Jahren auch jüngeren Solisten die Möglichkeit einer Zusammenarbeit über mehrere Konzerte hinweg. Der erste in der illustren Reihe der „MuseumsSolisten“ war der Cellist Johannes Moser, es folgten große Namen wie die Klarinettistin Sabine Meyer oder der Pianist Kit Armstrong. In der Saison 2025/26 ist der Perkussionist Alexej Gerassimez vier Mal zu erleben. Er freue sich besonders darauf, die Tradition und Orchesterkultur der Frankfurter Institution kennenzulernen, betonte er vorab. „Ich freue mich auch auf die Stadt und darauf, in Kontakt mit Menschen zu kommen.“

Der Perkussionist Alexej Gerassimez kreuzt zwei Trommelstöcke vor einer dynamischen, blauen Pulverwolke.
Im April 2026 spielt der Perkussionist Alexej Gerassimez als Solist des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters in der Alten Oper.

Weltweite Karrieren dank der Kronberg Academy

Wer herausragende junge Musiker an der Geige, Bratsche oder am Cello und mittlerweile auch am Piano erleben möchte, der muss nur ein wenig über die Frankfurter Stadtgrenze hinausschauen. Die vor mehr als 30 Jahren gegründete Kronberg Academy hat sich in der internationalen Musikwelt längst einen Namen gemacht. Die Absolventen der dortigen Studiengänge sind häufig unter den Gewinnern der großen Klassikwettbewerbe zu finden. Sie werden nicht nur zu Solisten ausgebildet, sondern auch auf eine internationale Karriere vorbereitet.

So spielt die Cellistin Anastasia Kobekina, die bis 2015 in Kronberg studierte, heute mit Orchestern wie den Wiener Symphonikern oder dem Warschauer Sinfonieorchester und ist „New Generation Artist“ des BBC Radios. Ihr Kollege Kian Soltani trat schon mit dem West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim auf und ist „Opus Klassik“-Preisträger. Die kürzlich mit dem Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Thomas Guggeis in der Alten Oper für das Saint-Saëns-Cellokonzert Nr. 1 bejubelte Julia Hagen studierte bei Wolfgang Emanuel Schmidt an der Kronberg Academy.

Die Cellistin Anastasia Kobekina sitzt barfuß mit ihrem Cello am Fenster eines hellen Lofts.
Die Kronberg-Absolventin Anastasia Kobekina kehrt im April 2026 für Elgars Cellokonzert e-Moll in die Alte Oper Frankfurt zurück.

„Wir bringen die Musiker mit den großen Künstlerinnen und Künstlern unserer Zeit zusammen. So fördern wir junge Talente mit dem Ziel, dass sie zu Künstlerpersönlichkeiten reifen, die sich ihrer Verantwortung für die Musik, aber auch für die Gesellschaft bewusst sind“, betont die Kronberg Academy. Während die rund 40 Studierenden das Jahr über intensiv mit international renommierten Dozenten arbeiten, können sie dank der Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) einen Bachelor- und Master-Abschluss machen. „Die Zahl unserer Absolventen liegt bei etwa 7 bis 14 pro Jahr“, bestätigt die Akademie.

Das Casals Forum vereint Lehre und Auftritt

Mit dem neu errichteten Casals Forum, dem architektonisch spektakulären Kammermusiksaal mit angegliedertem Studienzentrum in Kronberg, hat die Stiftung zudem einen Ort geschaffen, an dem Lehren und Auftreten zusammengehen. Allein beim jährlichen Kronberg Festival traten diesmal mehr als 60 Interpreten sowie zwölf Orchester und Ensembles auf, darunter hochkarätige Künstler wie Christian Tetzlaff oder Tabea Zimmermann, die auch mit dem Nachwuchs auf der Bühne standen. Zugleich fanden Geigen- und Bratschen-Meisterkurse statt, zu denen rund 250 junge Musiker aus 40 Nationen angereist waren.

Die lächelnde Cellistin Julia Hagen spielt schwungvoll auf ihrem Cello.
Die Cellistin Julia Hagen gastiert am 20. April 2026 für Tschaikowskys „Souvenir de Florence“ erneut in der Alten Oper.

Zeitgenössische Musik in der Ensemble Modern Akademie

Wer als junger Künstler seinen Schwerpunkt auf zeitgenössische Musik setzt, der hat in Frankfurt seit 2003 an der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) besondere Möglichkeiten. Dort können ausgebildete Instrumentalisten, Dirigenten, Komponisten und Regisseure unter anderem in Kooperation mit der HfMDK einen einjährigen Masterstudiengang absolvieren und in dieser Zeit mit Mitgliedern des renommierten Ensemble Modern und mit namhaften Persönlichkeiten wie Peter Eötvös oder Heiner Goebbels als Gastdozenten am Repertoire zeitgenössischer Musik arbeiten – und natürlich auch hier auftreten.

Neue Impulse durch kreative Artists in Residence

Zeitgenössische Klänge sind bei den Artists in Residence des hr-Sinfonieorchesters ebenso gerne gehört. „Die Künstler, die wir auswählen, müssen nicht immer ganz jung sein, uns ist es vor allem wichtig, dass sie in möglichst unterschiedlichen Stilen bewandert sind und nicht nur in der Alten Oper spielen, sondern auch Formate mit zeitgenössischer Musik oder Barock bedienen können“, erläutert Michael Traub.

Grundbedingung sei, dass die Künstler mit den Musikern des Orchesters einen Kammermusikabend kreieren. „Nächste Saison geht für uns ein kleiner Traum in Erfüllung. Der nächste Künstler wird zusätzlich sogar ein Konzert mit der Big Band spielen“, verrät der Orchestermanager, dessen tägliche Arbeit es ist, die Musikwelt zu beobachten und besondere Musiker zu entdecken. „Die Jussen-Brüder kannten wir schon von einem Konzert. Damals waren wir so begeistert, wie unglaublich fabelhaft und tiefgründig sie spielen.“

Das Orchester ist dabei nicht nur Plattform, die Musiker profitieren auch selbst von solchen Kooperationen. Die Zusammenarbeit mit jungen Musikern biete auch für das erfahrene Orchester neue Impulse, bestätigt Traub. „Es inspiriert uns. Wie man heute zum Beispiel Barockmusik spielt, kann man auch von Studierenden lernen.“

Alte Oper und Rheingau Musik Festival fördern Vielfalt

Weitere Klassik-Institutionen im Rhein-Main-Gebiet verfügen über ähnliche Programme. Die Alte Oper, in der das hr-Sinfonieorchester und das Opern- und Museumsorchester regelmäßig zu erleben sind, hat noch eine eigene „Jazz-Residenz“. In dieser Saison ist mit dem Saxofonisten Jakob Manz dort ein Künstler zu erleben, der schon in jungen Jahren die Jazzwelt erobert.

Und auch das Rheingau Musik Festival kürt in jeder Saison einen „Artist in Residence“. In der kommenden wird der junge Pianist und dreifache Opus-Klassik-Preisträger Hayato Sumino diese Funktion übernehmen. Auch er steht für Vielfalt und Wandelbarkeit: Er wird in sieben Konzerten im Rheingau zu erleben sein und dort klassische Werke interpretieren und sie mit Improvisationen und Eigenkompositionen kombinieren.


Häufig gestellte Fragen

Wie fördert das Rhein-Main-Gebiet junge Klassik-Musiker?

Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet bieten dem Klassik-Nachwuchs hervorragende Karrierechancen. Institutionen wie das hr-Sinfonieorchester, die Oper Frankfurt und die Kronberg Academy unterstützen junge Talente aktiv. Sie vergeben Stipendien, gründen eigene Orchesterakademien und bringen den Nachwuchs regelmäßig mit Weltstars auf die große Bühne.

Welche Rolle spielt das hr-Sinfonieorchester für den Nachwuchs?

Das hr-Sinfonieorchester integriert junge Solisten gezielt in seine Konzertreihen und ernennt sie zu „Artists in Residence“. Über den eigenen YouTube-Kanal mit einer halben Million Abonnenten verschafft das Orchester den Talenten zudem enorme internationale Reichweite. Gleichzeitig bereitet die hauseigene Orchesterakademie zwölf Stipendiaten pro Spielzeit auf Festengagements vor.

Was bietet die Paul-Hindemith-Orchesterakademie in Frankfurt?

Die Akademie ist eine Initiative des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Sie vergibt zweijährige Stipendien an junge, exzellent ausgebildete Instrumentalisten. Die Musiker sammeln dort wertvolle Praxis und nutzen das Programm als direktes Sprungbrett für Festanstellungen an renommierten Opernhäusern.

Warum studieren so viele internationale Talente an der Kronberg Academy?

Die Kronberg Academy vor den Toren Frankfurts formt herausragende Streicher und Pianisten zu internationalen Solisten. Die Studierenden arbeiten intensiv mit renommierten Dozenten zusammen. Dank der Kooperation mit der Frankfurter Musikhochschule (HfMDK) erwerben sie offizielle Bachelor- und Masterabschlüsse, während das neue Casals Forum exzellente Lehre und Live-Auftritte an einem Ort vereint.

Wo können junge Künstler zeitgenössische Musik in Frankfurt studieren?

Die Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) bietet einen spezialisierten, einjährigen Masterstudiengang an. Instrumentalisten, Dirigenten und Komponisten erarbeiten sich dort gemeinsam mit Mitgliedern des Ensemble Modern und internationalen Gastdozenten ein modernes Repertoire und bringen dieses direkt auf die Bühne.

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