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Lucas und Arthur Jussen beim hr-Sinfonieorchester: Frankfurt fühlt sich wie Zuhause an

Beim Europa Open-Air-Konzert an der Weseler Werft konnte man die Brüder Lucas und Arthur Jussen im vergangenen Sommer schon auf großer Bühne erleben. In der aktuellen Saison sind die beiden sympathischen Pianisten aus den Niederlanden „Artists in Residence“ beim hr-Sinfonieorchester und fühlen sich in der Stadt schon heimisch.

Wenn Lucas und Arthur Jussen in Frankfurt sind, sehen sie meist nicht viel mehr als ihr Hotel, die Alte Oper, den Sendesaal des Hessischen Rundfunks und ab und zu ein Restaurant. Trotzdem mögen sie die Stadt besonders gerne. „Frankfurt ist beeindruckend, mit all diesen Hochhäusern. Für uns ist hier natürlich vor allem die Alte Oper, wo wir oft proben und spielen. Wir kennen dort alle Wege“, sagt Arthur Jussen. Auch das hr-Sinfonieorchester ist den beiden schon sehr vertraut. „Wir haben eine unglaublich gute Beziehung zu den Musikern und zu den Leuten hinter der Bühne. Mittlerweile fühlt sich Frankfurt deshalb wie ein Zuhause an. Und da wir so viel reisen, ist es sehr schön, sich irgendwo auf der Welt zu Hause zu fühlen.“

Lucas und Arthur Jussen im Gespräch an einem Tisch im Casa de Rosé Frankfurt.
Sympathisch und bodenständig: Die Weltstars Lucas und Arthur Jussen fühlen sich in Frankfurt bereits heimisch.

Erfolge beim hr-Sinfonieorchester Frankfurt

Dass die Brüder so gut Deutsch sprechen, hilft natürlich dabei, in Frankfurt heimisch zu werden. Und das liegt in der Familie. Ihr Vater Paul, der Schlagzeuger im Radiophilharmonieorchester in ihrer Heimat Hilversum ist, stammt aus dem niederländischen Ort Vaals bei Aachen, einer Region, deren Dialekt dem Deutschen sehr nahe kommt, erzählen sie. Weil Deutschland auf dem internationalen Klassikmarkt eine wichtige Rolle spielt, haben sie zudem ein deutsches Management.

Insgesamt sechs Konzerte gestalten die beiden bis zum Ende der Saison als „Artists in Residence “ mit dem hr-Orchester. Es ist nicht das erste Mal, dass es eine Zusammenarbeit gibt. Vor gut zwei Jahren spielten sie hier bereits Francis Poulencs „Konzert für zwei Klaviere“ unter der Leitung von Alain Altinoglu. Der Konzertmitschnitt auf YouTube wurde mehr als 450.000 Mal aufgerufen, ihr Auftritt beim Europa Open Air mit dem Stück noch einmal 100.000 Mal. Als „göttliches Piano-Duo“ feierte sie ein Zuschauer damals. Mittlerweile zählen sie zu den gefragtesten Klavierduos überhaupt. Aktuell werden die Brüder von den Frankfurtern mit großer Begeisterung empfangen, was sicher an ihrem Können liegt, aber auch ein wenig an ihrem guten Aussehen und dem jugendlichen Charme, mit dem sie auftreten. Lucas, der Ältere, ist im Februar 1993 im niederländischen Hilversum geboren, sein Bruder Arthur ist dreieinhalb Jahre jünger. Wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen, könnte man fast meinen, sie seien Zwillinge.

Musik ist ein großer Teil unseres Lebens, aber es ist nicht das Leben“ – Arthur Jussen

Die beiden freuen sich sehr über den Zuspruch und betonen, dass es ihnen eine große Ehre ist, mit dem Frankfurter Orchester arbeiten zu dürfen. Doch zum Höhenflug aufgrund ihrer wachsenden Popularität setzt keiner der beiden an. Dazu sind die Brüder viel zu bodenständig. „Musik ist ein großer Teil unseres Lebens, aber es ist nicht das Leben“, sagt Arthur Jussen. Sie seien ungeheuer dankbar für die Karriere, die derzeit richtig Fahrt aufnimmt. So feiern sie im Februar 2026 ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern, spielen dieses Jahr unter anderem mit dem Gewandhausorchester, dem Dänischen Nationalsinfonieorchester, dem Orchestre National de France und treten in Asien und in den USA unter anderem in Pittsburgh und mit dem Boston Symphony Orchestra auf.

„Die Gefahr ist groß, dass man immer denkt, es muss noch besser werden und nie zufrieden ist.“ – Lucas Jussen

Sie seien an einem Punkt angekommen, an dem alles, was sie machen dürften, unglaublich schön ist, sagt Lucas Jussen, räumt aber zugleich ein: „Die Gefahr ist groß, dass man immer denkt, es muss noch besser werden und nie zufrieden ist.“ Daher versuchten sie, dankbar und glücklich über das Erreichte zu sein und nicht ständig an die nächste Herausforderung zu denken.

Die Anfänge des Klavierduos

Neben dem Klavierspielen haben sie durchaus noch Hobbys: Wenn ihnen die Zeit bleibt, dann treiben sie gerne Sport, spielen Tennis oder fahren Ski. Und sie sind seit ihrer Kindheit große Fußballfans. Dem Fußball haben sie es sogar zu verdanken, dass sie einst Pianisten geworden sind. Fünf Jahre alt sei er gewesen, erinnert sich Lucas Jussen, als er 1998 zum ersten Mal eine Fußballweltmeisterschaft verfolgte. „Holland ist da sehr weit gekommen und vor jedem Spiel erklang unsere Nationalhymne, die ich toll fand.“

Seine Mutter, selbst Musiklehrerin, habe ihm ein Buch mit den Noten gegeben, mit dem Kinder Klavier lernen können. So war das erste Stück, das Lucas Jussen auf dem Piano spielte, ausgerechnet die niederländische Nationalhymne. Schnell fiel den Eltern auf, dass er Talent hat. „Zwei Wochen später hatte ich Klavierunterricht.“ Sein Bruder Arthur wollte ihm natürlich nacheifern. „Meine Eltern sagen zwar immer, ich wollte erst Geige lernen, aber daran erinnere ich mich nicht“, sagt dieser.

Dass sie beim Spielen rivalisierten, daran können sich die Brüder absolut nicht erinnern. „Ich hatte als Jüngerer das Glück, dass mein älterer Bruder nie zeigen wollte, dass er der Ältere ist. Er hat mich immer mit einbezogen“, sagt Arthur. Bis heute gebe es keinen Wettbewerb zwischen ihnen. Selbst die Interviewfragen beantworten sie immer abwechselnd. „Wir motivieren einander. Ich weiß, wie hart Lucas arbeitet, und er weiß es von mir.“

Spielen sie zusammen – denn auch als Solokünstler sind sie gefragt und wollen ausdrücklich auch das Solorepertoire nicht vernachlässigen –, dann lassen sie eine Münze entscheiden, wer an welchem Flügel, beziehungsweise wer an einem Flügel rechts oder links sitzt.

Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere ist die Harmonie zwischen ihnen ihre größte Stärke. „Wir versuchen, uns im Spiel so nah wie möglich zu kommen“, beschreibt es Lucas. Es könne durchaus passieren, dass der eine bei einem Konzert eine emotionalere, der andere eine rationalere, philosophischere Art zu spielen zeige. „Beim nächsten Konzert kann das aber genau andersherum sein.“ Die Verständigung über die Musik passiert zwischen ihnen vor allem intuitiv. „Wir sprechen nicht viel, wenn wir spielen, höre ich, was Lucas machen will und Lucas hört das bei mir“, sagt Arthur.

Beide schätzten es aber sehr, wenn sie unterschiedliche Ideen zu einem Stück haben, weil das oft inspirierend sei. „Als Lucas mit 18 Jahren alleine in die USA gegangen ist, haben viele gesagt, das ist das Ende des Duos.“ Es sei aber das Gegenteil passiert. „Wir haben uns unterschiedlich entwickelt, aber als wir wieder zusammen waren, hatten wir so viele frische Ideen und so große Lust, wieder gemeinsam Musik zu machen.“ Das gehe natürlich nur, wenn man bereit sei, sich auf den anderen einzustellen, findet Arthur.

Wenn sie üben, können es schon mal fünf oder sechs Stunden werden, die sie am Instrument verbringen, „manchmal aber auch nur eine Stunde und dann spielen wir ein Konzert. Und es gibt Tage, da spielen wir gar nicht“, erzählt er. Natürlich gebe es Momente, in denen sie lieber Fußball spielen oder mit ihrer Familie im Restaurant sitzen würden, gibt er zu. Und auch jene, in denen sie etwas getrennt machen möchten, wie Lucas ergänzt: „Meine Frau und auch Arthurs Freundin sind froh, wenn sie uns mal alleine für sich haben.“

Konzertsaison und aktuelle Programme in Frankfurt

In Frankfurt spielen Lucas und Arthur Jussen im Dezember und Februar noch drei Konzerte: Von den „Lebensstürmen“ Schuberts und Bartóks über zeitgenössische Orchesterwerke von John Adams bis zur Klangekstase eines Claude Debussy oder Alexander Skrjabin. Nach den eigenen „Lebensstürmen“ gefragt, die sich im Konzert eventuell emotional zur Musik mischen, stellt Lucas Jussen ganz sachlich fest: „Wenn wir spielen, wir sind sehr langweilig, konzentriert und versuchen, so gut wie möglich zu spielen. Wir fühlen die Emotionen, die wichtig sind, um das Stück zu spielen. Das hat mit Professionalität zu tun. Aber da bleibt wenig Raum, um über anderes nachzudenken.“ Zumindest sei das jetzt so. „Wer weiß, wenn wir mehr eigene Lebensstürme erlebt haben, vielleicht wird es dann mal anders.“

„Wenn Holland die WM gewinnt, dafür würde ich glatt meine Karriere aufgeben.“ – Lucas Jussen

Bisher denken sie bei dem Wort Sturm vermutlich vor allem an Fußball. Ob sie 2026 allerdings häufig dazu kommen werden, die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA zu sehen, ist fraglich, bei den vielen Konzerten, die auf dem Spielplan stehen. Mitfiebern werden sie auf jeden Fall: „Wenn Holland die WM gewinnt, dafür würde ich glatt meine Karriere aufgeben“, scherzt Lucas Jussen. Auch das Sporttreiben als Ausgleich lassen sie sich nicht nehmen, selbst wenn dabei immer ein Verletzungsrisiko besteht. „Man muss auch leben dürfen. Wir fahren in Amsterdam auch regelmäßig Fahrrad. Das gehört einfach dazu“, ergänzt Arthur Jussen.

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