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Prinzessin Sirivannavari: Zwischen Monarchie und Moderne

Die paar hundert Prinzessinnen der 44 Monarchien, die es derzeit auf der Erde gibt, führen meist ein Leben nach Protokoll. Prinzessin Sirivannavari Nariratana Rajakanya von Thailand, die reichste von allen, hat das königliche Skript umgeschrieben: Als Modedesignerin, Fotografin und Dressurreiterin international erfolgreich, arbeitet sie hart an der Verwirklichung ihrer ehrgeizigen, persönlichen Ziele. Erstaunliche Einblicke in ihr glamouröses Leben zwischen Märchen, Monarchie und Moderne. Von Kitti Pohl

Elegant, grazil und auf sympathisch-bescheidene Art selbstbewusst betritt die Enkelin von Rama IX Bhumibol und Tochter des amtierenden Königs Rama X Maha Vajiralongkorn von Thailand die Leica Galerie Frankfurt. In einer Stunde wird sie hier ihre Fotoausstellung „Journey Through The Lens“ eröffnen. Sie trägt einen edlen schwarzen, glänzenden Nadelstreifenanzug aus ihrer eigenen Kollektion „Sirivannavari Bangkok“, der ihre zierliche Figur unterstreicht. Sieben Botschafter Thailands sind aus ganz Europa extra nach Frankfurt gereist und stehen Spalier, um Her Royal Highness mit diplomatischer Ehrfurcht ihre Aufwartung zu machen. Bevor die Prinzessin ihre Reiseaufnahmen von Kenia, Venedig, Kairo und Thailand sowie ihre Modefotografien vorstellen wird, treffen wir sie zum Exklusiv-Interview im VIP-Raum.

Politik? Tabu.

Eine echte Prinzessin zu interviewen, das ist ein bisschen wie ein Spaziergang durch ein königliches Minenfeld. Politik? Tabu. Wirtschaft? Bloß nicht! Internationale und innerstaatliche Konflikte? Keine Chance. Persönliche und familiäre Angelegenheiten? Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Okay hingegen: Fragen zur Ausstellung, der Liebe der Prinzessin zur Fotografie und ihrer Modelinie, so steht’s im schriftlichen Briefing. Reden wir also über das Leben einer Royal, die neben Fotografie und Mode auch ein Faible für Dressurreiten, Reisen, Tauchen, Rassehunde und Musik hat. Mal ehrlich – wer braucht da noch Politik und Wirtschaft?

Opa fotografierte auch

Wir sitzen über Eck am niedrigen Tisch, ein Dutzend Personen, sowohl aus ihrem Gefolge als auch Leica-Offizielle, nehmen rundherum Platz, um dem Interview beizuwohnen. Beginnen wir mit dem Grund für ihren Frankfurt-Besuch: Fotografieren. Dass die Leidenschaft für die Fotografie in der königlichen Familie Thailands Tradition hat, weiß jeder, der vor 2016 nach Thailand reiste und einen Baht-Schein in der Hand hielt: Sirivannavaris Opa König Bhumibol blickte dort mit einem Fotoapparat um den Hals staatsmännisch in die Kamera.

Die thailändische Prinzessin Sirivannavari im Gespräch mit Top Magazin-Redakteurin Kitti Pohl in der Leica Galerie Frankfurt (Foto: Leica Camera AG)
Die thailändische Prinzessin Sirivannavari im Gespräch mit Top Magazin-Redakteurin Kitti Pohl in der Leica Galerie Frankfurt (Foto: Leica Camera AG)

Nach dessen Tod ersetzte nach und nach Sirivannavaris Vater, Maha Vajiralongkorn, das Konterfei auf den Scheinen der Landeswährung. „Mein Großvater war begeisterter Fotograf, man sah ihn nie ohne eine Kamera“, erinnert sich Prinzessin Sirivannavari lebhaft an König Bhumibol: „Er machte tolle Fotos, und ich war sehr neugierig, wie das alles technisch funktioniert.“ Als an ihrer Schule ein Fotoclub gegründet wurde, trat sie ein, war mit 11 Jahren Vizepräsidentin und studierte später Fotografie.

Prinzessin Sirivannavari ist Peanuts-Fan

Bei ihrer ersten Ausstellung „Little Wild“ 2019 in der Leica Gallery Bangkok überschlug sich die thailändische Presse mit Lob. Einige Motive der Serie – romantische Momentaufnahmen von wilden Tieren in der Savanne Kenias – zeigt sie auch in der Leica Galerie. Seit dieser Keniareise 2018 arbeitet die 37-Jährige ausschließlich mit Leica-Kameras. Jeder einzelnen gibt sie einen Namen, der auf den Fotoriemen gestickt ist. Ihre neue Leica SL3 heißt Olaf – inspiriert nicht von unserem Kanzler, sondern einem Charakter der Peanuts.

Die Prinzessin sei großer Peanuts-Fan, Olaf ein Bruder von Snoopy, erklärt nun Duan, einer ihrer beiden Assistenten, die äußerst charmant und diskret über ihre Worte wachen. Wie Flüstermaschinen der Monarchie sind sie immer bereit, einzugreifen, sobald die Prinzessin auch nur den Hauch eines Zögerns zeigt. Man fragt sich, ob sie die Frage nicht versteht oder die Antwort noch formt. Egal was es ist, ihre verbalen Leibwächter lassen keinen Raum für Unklarheiten. Wie Teleprompter auf zwei Beinen liefern sie die präzisen Worte, die das royale Bild nicht trüben.

„Fotografie ist meine Liebe und Leidenschaft, die Kameras sind meine Begleiter, Vertraute und Freunde, jede hat ihren eigenen Charakter. Deshalb bekommen sie eigene Namen.“ – Prinzessin Sirivannavari

Man könnte meinen, sie jongliert mit kostbaren Vasen, die die Assistenten auffangen, bevor sie den Boden berühren. Kein Wort wird dem Zufall überlassen. Naja – fast keines, wie wir noch sehen werden. „Fotografie ist meine Liebe und Leidenschaft, die Kameras sind meine Begleiter, Vertraute und Freunde, jede hat ihren eigenen Charakter“, sagt die Prinzessin lächelnd. „Deshalb bekommen sie eigene Namen.“

Royale Yorkis

Sprechen wir über Tiere, die im Leben der Prinzessin eine zentrale Rolle spielen. „Ein Leben ohne Hunde und Pferde wäre für mich undenkbar“, sagt sie. Ganze 20 Rassehunde nennt sie ihr Eigen, und besonders die Yorkshire Terrier haben es ihr angetan. Auf die Frage, was Hunde haben, was Menschen nicht haben, liefert Sirivannavari eine Antwort, die jedem Hundeliebhaber aus der Seele spricht: „Hunde sind großartige Kameraden. Reine Seelen, die dir ohne Hintergedanken begegnen und dich bedingungslos lieben. Sie hören dir zu, sind grenzenlos loyal. Und sie bringen mich immer wieder zum Lachen und Lächeln.“

Prinzessin Sirivannavari und drei ihrer royalen Yorkis (Foto: Sirivannavari Bangkok)
Prinzessin Sirivannavari und drei ihrer royalen Yorkis (Foto: Sirivannavari Bangkok)

Da haben wir’s – das Geheimnis der royalen Glückseligkeit. Kein Wunder, dass einer ihrer Yorkshire Terrier auf ihrer Deutschlandreise mit von der Partie ist. Während wir hier plaudern, wartet der royale Yorki geduldig in der Optikstadt Wetzlar im Hotel. Wahrscheinlich liegt er dort, auf einem Kissen aus Samt, und träumt von der nächsten Gelegenheit, seine Prinzessin zum Lächeln zu bringen.

Dressurreiten als Hochleistungssport

Dream Catcher, eines ihrer zahlreichen Pferde, residiert in einem Stall in Kronberg im Vordertaunus. Kein schnödes Dasein für ein königliches Pferd, mit dem sich die Prinzessin auf dem Schafhof der Familie Linsenhoff von keinem Geringeren als Weltklasse-Reiter Matthias Alexander Rath trainieren lässt: „Es ist eine große Ehre für mich, zu diesem großartigen Kronberg-Team zu gehören. Ich bemühe mich bei jedem Training um hundertprozentige Fokussierung und Konzentration“, sagt Sirivannavari. Dressurreiten ist für sie keine königliche Nebentätigkeit, sondern eine Passion, was ihre Medaillen bei den Südostasienspielen bestätigen. Als wäre das nicht genug, hat die sportbegeisterte Prinzessin zuvor auch noch als Badminton-Nationalspielerin Medaillen für ihr Land gesammelt.

Sie liebt Kronberg und Wetzlar

Denkt sie an Deutschland, kommen ihr sofort zwei Dinge in den Sinn, die ihr wahnsinnig viel bedeuten: Der Schafhof in Kronberg mit seinen Menschen und Tieren sowie die Leica-Welt im Leitz-Park in Wetzlar, Heimatstadt der legendären Leica-Kameras. In Kronberg feilt sie an ihrer Dressur, umgeben von Pferdefreunden und einem Hauch Olympialuft. In Wetzlar dagegen, in der Leica-Welt, wird sie zur Fotografin, deren Stil laut Leica eine „romantische Essenz“ ausstrahlt. Man könnte meinen, sie jongliert ihre Leidenschaften so spielerisch leicht wie ihre Yorkshire Terrier.

Gebildet und bestgekleidet

Ehrgeizig, zielstrebig, fleißig – so war sie schon als kleine Prinzessin. Statt im Luxus zu schwelgen, setzte Sirivannavari auf Bildung, hat Kunst, Modedesign, Ökonomie und Fotografie an renommierten Universitäten in Bangkok und Paris studiert. Mit nur 22 Jahren gründete sie 2005 ihr eigenes Modelabel, Sirivannavari Bangkok . Ihre Kollektionen feierten 2007 auf der Pariser Fashion Week Premiere. Laut dem britischen Tatler-Magazin gehört die Thai-Prinzessin zu den bestgekleideten Menschen der Welt.

Tradition und Moderne

Was bedeutet Mode für sie? „Mode ist ein großes Wort. Mode bedeutet alles für mich, bezieht sich nicht nur auf Kleidungsstücke.“ An dieser Stelle tritt Duan, ihr Assistent, auf den Plan und ergänzt: „Her Royal Highness interessiert sich nicht nur für das Entwerfen von Kleidung und Design, sondern für die gesamte Modeindustrie – Marketing, Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit.“

Die Modedesignerin bei der Arbeit mit einem Model: Sie entwirft nicht nur, sondern beschäftigt sich mit dem gesamten Prozess der Textilherstellung (Foto: Sirivannavari Bangkok)
Die Modedesignerin bei der Arbeit mit einem Model: Sie entwirft nicht nur, sondern beschäftigt sich mit dem gesamten Prozess der Textilherstellung (Foto: Sirivannavari Bangkok)

So führt Sirivannavari das von Königinmutter Sirikit gegründete Textilmuseum im Grand Palace in Bangkok nach deren Tod weiter und setzt sich für das traditionelle Handwerk ein. Sie schafft es, die Traditionen in ihre weltoffene Lebensweise zu integrieren und wird sowohl als Modeikone, als auch als kulturelle Botschafterin Thailands verehrt: Der lebende Beweis, dass Tradition und Moderne nicht nur koexistieren, sondern sich gegenseitig bereichern können.

Sie will kein Role Model sein

Negative Schlagzeilen über Sirivannavari? Fehlanzeige. Das liegt natürlich auch an der strengen Zensur im Land: Jede Form von Kritik am thailändischen Königshaus zieht als Majestätsbeleidigung drakonische Strafen nach sich. Nun könnte man meinen, es sei leicht, sich hinter einem Schutzschild aus Zensur zu verstecken und sich darauf auszuruhen. Aber die fleißige, gebildete und sozial engagierte Tochter des Königs bietet in der Öffentlichkeit keinerlei Angriffsfläche. Im Gegenteil: Während ihr Vater mit merkwürdigen Outfits und bizarren Auftritten im Ausland für Schlagzeilen sorgt, strahlt sie in Stil, Auftreten und Engagement.

„Ich schlüpfe in keine Rolle. Ich bin und bleibe immer ich.“ – Prinzessin Sirivannavari

Für viele Frauen in Thailand ist sie das Role Model schlechthin. Doch die Prinzessin sieht das ganz anders. „Ich schlüpfe in keine Rolle. Ich bin und bleibe immer ich“, betont sie. Und das nimmt man ihr ab.

Hot und würdevoll

Hat es sie überrascht, 2008 vom Forbes Magazin unter die „Top 20 Hottest Young Royals“ gewählt zu werden? „Ooooh!!!“ Ein spontaner Laut der Entrüstung entfährt der Prinzessin, und man könnte meinen, die Welt stehe für einen Moment still. Sie schlägt sich ungläubig die Hände vors Gesicht und ruft: „Hot? No! No! No!“ Die Offiziellen im Raum zucken kurz zusammen, als ob ein Blitz eingeschlagen hätte. Durch ihre leicht gespreizten Finger linst die Prinzessin kokett hervor und winkt energisch ab: „Hot! Oh No! Das ist Generationen her! Ich bin schon lange kein Hottest Young Royal mehr. No! No! No!“ In ihrer royalen Entgeisterung sieht sie leider – und das muss man ihr lassen – immer noch ziemlich hot und würdevoll aus.

Prinzessin Surivannari in einem königlich-thailändischen Gewand mit doppelten Schultertüchern aus Seide und Metallfäden, überzogen mit Goldbrokat vom Atelier Teerapan aus der Provinz Lamphu. Die Prinzessin trug dieses Gewand anlässlich der Begleitung Seiner Majestät des Königs und Ihrer Majestät der Königin zu einer Audienz für das diplomatische Korps und die konsularischen Vertreter, um ihre Segenswünsche und Glückwünsche zum 6. runden Geburtstag (72. Geburtstag) ihres Vaters, des Königs von Thailand, am 28. Juli 2024 in der Chakri Maha Prasat Thronhalle im Großen Palast von Bangkok zu überbringen. (Foto: Sirivannavari Bangkok)
Prinzessin Surivannari in einem königlich-thailändischen Gewand mit doppelten Schultertüchern aus Seide und Metallfäden, überzogen mit Goldbrokat vom Atelier Teerapan aus der Provinz Lamphu. Die Prinzessin trug dieses Gewand anlässlich der Begleitung Seiner Majestät des Königs und Ihrer Majestät der Königin zu einer Audienz für das diplomatische Korps und die konsularischen Vertreter, um ihre Segenswünsche und Glückwünsche zum 6. runden Geburtstag (72. Geburtstag) ihres Vaters, des Königs von Thailand, am 28. Juli 2024 in der Chakri Maha Prasat Thronhalle im Großen Palast von Bangkok zu überbringen. (Foto: Sirivannavari Bangkok)

Man kann sich das Schmunzeln kaum verkneifen: Eine Frau, die mit all dem Prunk eines Königshauses aufgewachsen ist, aber dennoch eine authentische, fast schon charmant naive Reaktion zeigt, die kein verbaler Bodyguard verhindern kann. Man muss wohl eine royale Erziehung genossen haben, um in einem Moment der Entrüstung mit so viel Grazie zu reagieren.

Guter Stil? Ich!

Was ist für Ihre Königliche Hoheit guter Stil? „Ich!“ ruft sie laut lachend aus, streicht dabei über ihren seidig-schimmernden Anzug. Die Botschaft ist klar: Stil ist nicht nur das, was man trägt, sondern wer man ist. „Ein guter Stil kann schick, sportlich, traditionell oder ein Mix sein, auf jeden Fall sollte er mühelos und unangestrengt aussehen. Dabei gilt: Less is more.“ So einfach, so elegant. Und doch so schwer umzusetzen für uns Normalsterbliche, die manchmal schon Mühe haben, morgens die passenden Socken zu finden.

„Du musst wissen, wo du hingehst. Du musst wissen, welche Menschen du treffen wirst. Du musst das Ereignis, das dich erwartet, voll und ganz respektieren. Und dann machst du einfach deinen Kleiderschrank auf und wählst das Passende aus.“ – Prinzessin Sirivannavari

Welcher unverzeihliche Fashion-Faux-Pas einer Frau niemals unterlaufen darf? Sirivannavari überlegt einen Tick zu lange, und man spürt die Spannung im Raum. Duan, ihr Assistent, übernimmt: „In der Mode gibt es für die Prinzessin kein Richtig oder Falsch.“ Die Erleichterung ist fast hörbar. Sirivannavari hat wieder den Faden gefunden: „Eine starke Frau hat jeden Tag die Wahl, zu tragen, was sie will.“ Klar, aber dann kommt der royale Kniff: „Du musst wissen, wo du hingehst. Du musst wissen, welche Menschen du treffen wirst. Du musst das Ereignis, das dich erwartet, voll und ganz respektieren. Und dann machst du einfach deinen Kleiderschrank auf und wählst das Passende aus.“

Die studierte Modedesignerin tüftelt die neuen Designs für ihre eigene Brand aus (Foto: Sirivannavari Bangkok)
Die studierte Modedesignerin tüftelt die neuen Designs für ihre eigene Brand aus (Foto: Sirivannavari Bangkok)

Wichtig sei, seinen Körper und seine Stärken zu kennen: „Du musst du selbst sein, niemanden nachahmen. Sich Ideen holen, sich etwas bei anderen abschauen, ist gut. Einen Stil zu kopieren, nicht.“

Sie schläft viel

Wie sieht ein normaler Tag in ihrem Leben aus? „Oh, den gibt es nicht“, ruft sie aus, „jeder Tag ist anders.“ Sie schlafe viel und sei auch kein Morgenmensch: „Nach einem guten und gesunden Schlaf haben Körper und Kopf die volle Energie, das ist wichtig.“ Auch Sport und Bewegung gehören in ihr Tagesprogramm. Um alle ihre Aktivitäten unterzubringen, sei ein effektives Time Management unerlässlich. „Manchmal muss ich mich entscheiden: Schlafen oder Essen“, gesteht sie. „Die Wahl fällt meist auf Schlafen. Die richtige Balance zu halten, ist meine größte Herausforderung.“

In ihrem eigenen Atelier schafft Prinzessin Sirivannavari großformatige abstrakte Kunstwerke (Foto: Sirivannavari Bangkok)
In ihrem eigenen Atelier schafft Prinzessin Sirivannavari großformatige abstrakte Kunstwerke (Foto: Sirivannavari Bangkok)

Arbeiten im Urlaub

Ihr perfekter Urlaubstag? Den beginnt sie mit einem Tauchgang am frühen Morgen, gefolgt von frischen Früchten zum Frühstück: „Ich liebe das Meer, die Sonne und Scuba Diving.“ Beim Island Hopping in der Andamanensee, fernab der thailändischen Touristen-Hot-Spots wie Phuket oder Krabi, schöpfe die Prinzessin Kraft für ihren anstrengenden Alltag, ergänzt ihr Assistent Duan. Aber faulenzen? Niemals. „Sie ist immer am Arbeiten“, betont er und hält der Interviewerin wie zur Bestätigung das Display seines Handys unter die Nase, auf dem ein prall gefülltes Excel-Sheet zu sehen ist.

Blick in den Tempel von Luxor, fotografiert von Prinzessin Sirivannavari bei ihrer Ägyptenreise 2022 (Foto: Leica Camera AG)
Blick in den Tempel von Luxor, fotografiert von Prinzessin Sirivannavari bei ihrer Ägyptenreise 2022 (Foto: Leica Camera AG)

„Jeder im Team bekommt von Ihrer Hoheit abends einen Zeit- und Aufgabenplan. Alle haben ihre Timeline und wissen, was sie bis wann zu erledigen haben. Prinzessin Sirivannavari nickt bestätigend: „Ich muss immer alles durchorganisieren, sortiere jeden Tag genauso akribisch wie meine Fototasche.“

„Als Mensch und Künstlerin bin ich natürlich auch verletzlich. Aber nur an Orten, die mir ganz alleine gehören.“ – Prinzessin Sirivannavari

Ihre verletzliche Seite

Als Perfektionistin hasse sie es, „wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Unklare Ansagen, vage Antworten, schlechte Planung regen mich auf.“ Die größte Sünde aber: Unpünktlichkeit. In Sachen Pünktlichkeit und Genauigkeit sei sie nun mal sehr deutsch, erklärt Duan mit freundlichem Lächeln. 23 Minuten Gespräch sind wie im Flug vergangen – geplant waren 20. Noch drei kurze Fragen zum Schluss: Die wichtigste Erfahrung, die sie im Leben gemacht hat? „Aus Fehlern zu lernen. An Verlusten und Unglücken zu wachsen“, sagt sie ernst. Gönnt sie sich auch Schwächen? Stille, und gerade, als Duan einschreiten will, sagt sie: „Als Mensch und Künstlerin bin ich natürlich auch verletzlich. Aber nur an Orten, die mir ganz alleine gehören.“

„Mich fasziniert die Arktis, das Eis, die Kälte. Ich möchte mal einen Eisbären im ewigen Eis beobachten und fotografieren.“ – Prinzessin Sirivannavari

Sie träumt von Kälte

Welches Traummotiv sie als Fotografin gerne einmal vor die Linse bekommen würde? „Mich fasziniert die Arktis. Mich fasziniert das Licht, das Eis, die Kälte.“ Die Augen der Prinzessin leuchten, als sie, aufgewachsen im tropischen Klima Thailands, von der eisigen Schönheit des Nordens schwärmt: „Ich möchte mal einen Eisbären im ewigen Eis beobachten und fotografieren.“ Sie sagt das mit einer Mischung aus königlicher Eleganz und wilder Entschlossenheit. Klar, ihre Träume kennen keine Grenzen, weder geografisch noch finanziell. Und an Mut, sie zu erreichen, mangelt es Prinzessin Sirivannavari sowieso nicht. Ihr Foto-Trip ins ewige Eis ist also nur eine Frage der Zeit. Wer ein Vermögen von 38 Milliarden Euro besitzt, kann sich auch die kühlsten – und kühnsten – Träume erfüllen.


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