Der gebürtige Frankfurter Aby Rosen ist Kunstsammler und einer der prominentesten Immobilieninvestoren weltweit. In seiner Wahlheimat New York gründete er mit seinem Kindheitsfreund Michael Fuchs 1991 die RFR (Rosen Fuchs Real Estate). Um nur einige New Yorker Objekte des Immobilien-Tycoons zu nennen: Gramercy Park Hotel (zusammen mit Ian Schrager, Mitbegründer des legendären Studio 54), Seagram Building, Park Avenue und Lever House, Madison Avenue. Auch in Deutschland, vor allem in Frankfurt, ist die RFR im Besitz großer Immobilien, darunter das derzeitige EZB Gebäude, Roomers Hotel und das WestendGate (Marriott Hotel) an der Messe.

Aby Rosen – Kunstsammler und Immobilien-Tycoon
Aby Rosen – Kunstsammler und Immobilien-Tycoon (© Top Magazin Frankfurt)

Neben dem amerikanischen Galeristen Larry Gagosian gilt Aby Rosen als einer der wichtigsten Strippenzieher auf dem internationalen Kunstmarkt. Seine Privatsammlung umfasst über 800 Skulpturen und Gemälde, von so illustren Künstlern wie Picasso, Damien Hirst und Jeff Koons. In der eigenen Lever House Art Collection präsentiert Rosen hochkarätige zeitgenössische Kunst. Im Interview mit Top Magazin-Redakteurin Jutta Failing verriet er, was einen wirklich erfolgreichen Kunstsammler ausmacht.

Sonnige Grüße in die Hamptons, Herr Rosen. Was machen Sie mit Ihrer Kunst?
Ich sammle seit etwa 18 Jahren Kunst und habe die Philosophie, dass man Kunst ausstellen und zeigen muss, sie nicht im Warehouse verrotten darf. In allen meinen Bürohäusern, Hotels und Locations, die ich kommerziell leite, sind Arbeiten aus der Sammlung zu sehen. Ins Frankfurter WestendGate wird jetzt eine fotografische Sammlung kommen, die ich kürzlich zusammengestellt habe. In der Art Collection im Lever House folge ich dem Prinzip der „public art“, da habe ich meinen eigenen Spaß dran, ohne den Gedanken an ein Museum.

Wo investieren Sie?
Ich kaufe, wenn ich glaube, dass man damit etwas machen kann. Man muss ökonomisch, nach Wertzuwachs einkaufen. Ich bin kein Collector, der kauft, nur weil er ein Stück liebt. Wenn junge Künstler, in die man aus Begeisterung 50.000 oder 100.000 Dollar investiert hat, in die Millionen steigen, freut man sich natürlich. Generell aber muss der Wert da sein. Neulich habe ich eine günstige Arbeit von Jean-Michel Basquiat (1960-1988, Anm. der Redaktion) gekauft, der ist im Moment sehr gefragt. Drei Tage später erhielt ich ein Angebot, sie mit 40 Prozent Profit zu verkaufen. Oft rufen mich Leute an, weil sie auf einer Auktion etwas verpasst haben, und wollen mir dann mehr dafür zahlen. Wertzuwachs macht Sammler nur heißer, neue Sachen zu kaufen.

Wie beurteilen Sie den aktuellen Kunstmarkt?

Lever House
Lever House (© Top Magazin Frankfurt)

90% Hype, 10% wahre Kennerschaft. Viele der neuen Collectors wollen einfach nur ihre Häuser füllen. Was heute geht, sind die Klassiker der Contemporary Art, Warhol zum Beispiel. Er gehört zu den Künstlern, bei denen genug Inventar vorhanden ist, welches über Auktionen schnell greifbar ist. Ich selbst habe rund 100 Arbeiten von ihm. Bei Basquiat hingegen ist das Inventar klein, und oft geblockt in Museen und in Privatsammlungen, was sich natürlich auf den Wert der käuflichen Stücke auswirkt.

Was macht einen wirklich guten Sammler aus?
Man ist nur ein guter Sammler, wenn man genug Geld hat. Und man muss kaufen und wieder verkaufen, wenn etwa ein Wertzuwachs vorliegt, man einen Fehlkauf gemacht hat oder bestimmte Stücke nicht mehr in die Sammlung passen. Ich bin ein sehr aktiver Collector und das macht mich zum aktiven Trader. Ansonsten gibt es drei Gründe, weshalb Sammler etwas verkaufen: Tod, Scheidung oder einer braucht Geld.

Wie eng ist der Kontakt mit anderen Sammlern?

Raft of Illusion / David LaChapelle, Lev Lever House er House Art Collection
Raft of Illusion / David LaChapelle, Lev Lever House er House Art Collection (© Top Magazin Frankfurt)
In Amerika und vor allem in New York gibt es einen sehr regen Austausch. Ein freundschaftlicher, kameradschaftlicher Umgang ist üblich. Außerdem trifft man sich ständig auf Auktionen, bei Galerie-Openings, zum Lunch oder Dinner.

Erstaunt es Sie, dass die Sammlung von Gunter Sachs in London Höchstpreise erzielte?
Keineswegs. Das ist eine tolle Provenienz. Jeder möchte gern ein Stück „History“ kaufen, denken Sie nur an die Sammlung von Yves Saint Laurent, die bei der Versteigerung 2009 trotz damaliger Krise Rekordergebnisse erzielte, sich die Preise fast verzehnfachten. Ich habe Teile der Sammlung von Gunter Sachs in New York, St. Moritz und im Taunus gesehen. Er hat avantgardistisch früh und sehr gut gekauft, war immer unterwegs, pflegte das Social Life und baute gute Beziehungen zu den Künstlern auf. Seine Familie hat sehr wenig behalten, das meiste ist jetzt verkauft worden.

Wind-Up Hello Kitty / Tom Sachs, Lever House Art Collection
Wind-Up Hello Kitty / Tom Sachs, Lever House Art Collection (© Top Magazin Frankfurt)
In Frankfurt waren zwei Koons- Ausstellungen zu sehen. Auf dem Markt bewegen sich seine Preise in der „Stratosphäre“. Was hat Koons, was andere Künstler nicht haben?
Ich kenne Jeff seit fast 13 Jahren, besitze im Moment zehn Skulpturen von ihm und warte auf drei neue. Seine Arbeiten haben eine Wartezeit von zwei bis vier Jahren. Als Perfektionist lässt er nichts aus dem Studio, wenn es nicht 110-prozentig ist. Jeff ist ein Künstler, der beispielsweise früh erkannt hat, wie wichtig es ist, starke Beziehungen zu den Sammlern aufzubauen. So stark, dass eine Loyalität ihm gegenüber entsteht, die sich für ihn auszahlt, wenn er wieder eine neue Serie auf den Markt bringt. Andere Künstler sind da weniger umgänglich, sagen Top-Sammlern schon mal ins Gesicht: „Who are you?“

 

The Bruce High Quality Foundation Rat, Lever House Art Collection
The Bruce High Quality Foundation Rat, Lever House Art Collection (© Top Magazin Frankfurt)

Als Brad Pitt auf der documenta 13 erschien, schaute das Boulevard nach Kassel. Sie kennen den Schauspieler gut, ist er in Los Angeles in den Flieger gestiegen, nur um in die hessische Provinz zu reisen?
Brad war sowieso in der Gegend, hat gefilmt. Er ist schon sehr lange an Kunst interessiert, insbesondere in der Verbindung mit Architektur. Für Deutschland ist die documenta bedeutend, die wichtigsten Schauen finden aber in New York statt. In der City, die bereits durch ihre Museen eine zentrale Kunstmetropole darstellt, sitzen die großen Sammler, und die Araber dort kaufen am Telefon. London ist auch stark, aber dann hört es auch schon auf.

Ohne begeisterte Kunstsammler gäbe es einige bedeutende Museen nicht. Träumen Sie vom eigenen Museum?

Love Is Never Thinking It Might End Before We Do, Charming Baker
Love Is Never Thinking It Might End Before We Do, Charming Baker (© Top Magazin Frankfurt)
Ganz sicher nicht. Dieser Egotrip, auf Gebäuden den eigenen Namen zu verewigen, ist nicht meine Sache. Wenn ich am Ende meines Lebens vielleicht an die 2.000 Kunstwerke besitze, dürfen sich meine Kinder 200 davon aussuchen, den Rest werde ich strategisch wegschenken, an Museen, die noch wichtige „Lückenfüller“ benötigen. Es ist viel besser, einem kleinen Museum 20 Werke zu geben, als 300 Bilder in einem Anbau vom MoMA oder dem Metropolitan Museum unterzubringen.

Haben Sie noch einen Geheimtipp für uns? Welcher Künstler, vielleicht deutsche Künstler, kommt groß raus?
Mit den jungen europäischen Künstlern habe ich mich nie umfassend beschäftigt. Und mit dem deutschen Markt kenne ich mich nicht so sehr aus, da ragen auch nicht viele heraus. Eine große Zukunft sehe ich beim Briten CharmingBaker, ein „slower“ Künstler, der fantastische Sachen produziert. Alles, was ich von ihm kriegen kann, kaufe ich.