Ein schönes antikes Gemälde, ein Barockschrank aus edlem Holz, ein Art Déco-Leuchter aus Murano-Glas. Es gibt Dinge, die heute so nicht mehr hergestellt werden und deren Wertigkeit und Schönheit vor allem darin besteht, dass sie Geschichte in sich tragen. Wir besuchten einen Ort, an dem man solche Schätze aus vergangener Zeit finden kann: das Kunst- und Auktionshaus Döbritz in Frankfurt.

Anja Döbritz-Berti
Anja Döbritz-Berti
© Top Magazin Frankfurt

Es riecht nach altem Mobiliar und frisch gebrühtem Kaffee. An den Wänden lehnen antike Gemälde verschiedenster Epochen, überall stehen Stühle von Rokoko bis Biedermeier sowie Kisten mit behutsam verpacktem Porzellan. Das einladende Traditionsgeschäft in der Frankfurter Altstadt, das hinter der schönen Sandsteinfassade zu kleinen Zeitreisen einlädt, wirkt heute nahezu chaotisch. „Nennen wir es geordnetes Chaos“, lacht Geschäftsführerin Anja Döbritz-Berti. „Wir bereiten gerade unsere nächste Auktion vor. Dafür müssen noch viele Jahrhunderte Malerei, Möbel und Kunsthandwerk klassifiziert und katalogisiert werden.“

Dem Wahren, Schönen, Guten

Das 1966 von Wilhelm M. Döbritz gegründete Kunst- und Auktionshaus genießt in ganz Deutschland ein hohes Ansehen – sowohl auf Seiten der Käufer als auch der Einlieferer. Und das nicht bloß, weil das Familienunternehmen über jahrzehntelange Erfahrung sowie fundiertes Expertenwissen verfügt: „Neben Kunstsachverstand braucht man auch Leidenschaft, um den wahren Wert der Dinge zu erkennen“, so Anja Döbritz-Berti. „Anders als neue Möbel erzählen diese Gegenstände Geschichte, stehen für eine bestimmte Epoche, für den Geist längst vergangener Tage.“ Sie zeigt uns einen großen Barockschrank von circa 1730: Die Zeichen der Zeit sind am Holz nicht spurlos vorübergegangen, dennoch ist das Stück gut erhalten, voll funktionstüchtig und einfach unglaublich schön. „Früher wurde eben anders gearbeitet, die Fertigung eines solchen Meisterstücks dauerte mindestens ein halbes Jahr. In über 250 Jahren hat dieser Schrank einige Umzüge mitgemacht. Das ist bei industriell hergestellten Möbeln überhaupt nicht vorstellbar.“ Erstaunlich ist, dass das antike Stück entgegen unserer Vermutung alles andere als unerschwinglich ist. „Viele denken, dass antike Möbel, Kunsthandwerk und Gemälde teuer seien. Es gibt natürlich Ausnahmen, doch eigentlich erhält man mit einem antiken Stück etwas sehr kostbares, meist einzigartiges zum unschlagbaren Preis.“ Anja Döbritz-Berti hat, was den Kauf von Antiquitäten und Kunst betrifft, eine einfache Faustregel: „Alles bis 1.000 Euro ist sein Geld wert, wenn es einem gefällt. Bei allem darüber sollte der Preis dem Marktwert entsprechen.“

Tradition und Moderne

Zum Ersten, zum Zweiten...
Zum Ersten, zum Zweiten…

„Man muss mit der Zeit gehen“, sagt Anja Döbritz-Berti, und so haben, seit sie im Jahr 2002 die Leitung übernommen hat, ein paar wichtige Neuerungen im Kunst- und Auktionshaus Einzug gehalten, welche der Tradition des 46 Jahre alten Familienunternehmens jedoch keinerlei Abbruch tun: „Der Farbprospekt, den wir vor den Auktionen veröffentlichen, ist auch als ePaper erhältlich, und auch das Gesamtverzeichnis gibt es als Online-Katalog.“ Das Internet, so Anja Döbritz-Berti, habe den weltweiten Kunsthandel revolutioniert – sowohl für Händler als auch Kunden. „Seither ist der Markt transparenter und einer breiteren Schicht zugänglich. Wer etwas Bestimmtes kaufen oder verkaufen will, ist selbst ohne Fachkenntnisse informierter als noch vor 20 Jahren.“

Drei, zwei, eins – meins!

Empire-Kommode um 1810
Empire-Kommode um 1810

Anja Döbritz-Berti hat keinerlei Berührungsängste mit Internetauktionshäusern. Ganz im Gegenteil. Ihrer Meinung nach haben eBay und Co. vielen Kunden die Berührungsangst vor dem Ersteigern von Waren genommen. „Die Freude, den Zuschlag für das Objekt der Begierde zu erhalten, ist einfach unbeschreiblich. Allerdings ist sie nichts im Vergleich mit der Stimmung bei einer echten Live-Auktion. Jeder, der schon mal bei einer Versteigerung war, bestätigt das: Es ist wie ein großes Event für Schatzsucher.“ So organisierte das Auktionshaus Döbritz auch den Nachlass von Bruno H. Schubert in seiner Villa – ein echtes Happening, für das sogar Eintritt bezahlt wurde. „Jedoch nur, weil der Andrang aufgrund des Medieninteresses so groß war. Ansonsten kann jeder ganz unverbindlich zu unseren Auktionen kommen. Niemand ist verpflichtet, mitzubieten.“ Allerdings, so die öffentlich bestellte und vereidigte Auktionatorin, die von Kindesbeinen an jede freie Minute im elterlichen Betrieb verbrachte und die nach ihrem BWL-Studium unter anderem bei Christie‘s in London Erfahrungen sammelte, solle man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen: „Es sind ja stets auch erschwingliche Stücke dabei.“ Und so läuft’s: Dreimal im Jahr, meist in den Monaten März, Juni und Oktober, finden bei Döbritz die großen Auktionen statt, zweimal jährlich kleinere Hafen-Auktionen im Osthafen. Jeweils zwei Wochen zuvor wird ein rund hundert Seiten starker Farbprospekt veröffentlicht. Darin sind etwa 200 der insgesamt 1.000 Objekte mit den entsprechenden Schätzpreisen abgebildet. In der Woche vor der Auktion können diese drei Tage lang begutachtet werden. „Unsere Spezialisten sind anwesend und stehen Interessenten beratend zur Seite.“ Die Auktion selbst ist eine öffentliche Veranstaltung. Wer nur mal schnuppern will, braucht nicht mitzubieten. Wer etwas ersteigern möchte, lässt sich gegen Vorlage des Personalausweises registrieren und eine Bieternummer geben. Auch schriftliche Gebote (per Fax, Post oder Email) können eingereicht werden. Ab einem Schätzwert von 500 Euro besteht auch die Möglichkeit, telefonisch mitzubieten. „Live dabei zu sein“, so die Auktionatorin und Liebhaberin des Klassizismus abschließend, „ist und bleibt aber das Größte“.

www.doebritz.de