Das Spiel mit dem Glück scheint so alt wie die Menschheit selbst. Über Gewinn oder Verlust entscheiden – je nach Lesart – die Götter oder der Zufall. Schon in der griechischen Mythologie würfelte Herkules mit einem Tempelwächter um eine verführerische Frau. Die Geschichte der Spielbanken ist dagegen noch recht jung.

Sie reicht nur ein paar hundert Jahre zurück. Doch die haben es in sich. Die Faszination der Casinos, in denen sich gesellschaftliches Leben mit der Suche nach persönlichem Erfolg verbindet, strahlt ungebrochen. Es lohnt sich, einige der spektakulärsten Spielpaläste der Gegenwart näher zu betrachten. Und zu berichten, wie alles angefangen hat.

1638 – das erste öffentliche Spielcasino Europas, das „Ridotto“, eröffnet.

Zeitreise

Drehen wir also die Zeit zurück und landen wir in Venedig vor fast 400 Jahren. In der geheimnisvollen Stadt mit ihren verzweigten Kanälen und dem ausschweifenden Karneval sannen noble Herren nach einem verfeinerten Vergnügen. Bereits im Mittelalter hatte man unter freiem Himmel mit offiziellem Segen Glücksspiel zelebriert.

Doch die tonangebenden Kreise suchten Exklusiveres. Sie eröffneten 1638 das erste öffentliche Spielcasino Europas, das „Ridotto“. Es etablierte sich in einem Flügel des ehrwürdigen Palazzo Dandolo direkt an der Lagune – einst Sitz einer mächtigen Dogenfamilie.

Der Wunsch nach Lebensgenuss und einer Oase, wo auch mal ein kleines Vermögen abseits der Geschäftswelt riskiert werden darf, standen bei der Casino-Gründung Pate. Die Idee wurde schnell ein Riesenerfolg, auch wenn es nicht überall so vornehm zuging wie im staatlichen „Ridotto“. Bald gab es in Venedig mehr als 100 Glücksspielhäuser. Die Behörden sprachen ein Wort mit und vergaben die Lizenzen. Es zirkulierte viel Geld hinter den Mauern.

Im „Ridotto“ galten strenge Kleidervorschriften. Nur Personen von Rang verkehrten hier. Besonders beliebt war das Kartenspiel „Basetta“, eine Mischung aus Black Jack, Poker und Gin Rummy. Als strenge Sittenwächter in der Signoria 1774 die Schließung des edelsten Casinos von Venedig durchsetzten, erlitt der Tourismus – schon zu jener Zeit eine wichtige Einnahmequelle – starke Einbußen.

Der Schlag gegen das Glücksspiel brachte Umsatzrückgänge im Textilgewerbe, bei den Gondolieri und den Gastwirten. Sogar der Absatz der Karnevalsmasken brach ein. Dafür entstanden illegale neue Spielhöllen in Cafés und Kaschemmen.

High Roller Dostojewski

Mit der Revolution von 1789 in Frankreich wurden auch die dort entstandenen Casinos geschlossen. Das endgültige Aus verfügte König Louis Philippe im Jahr 1837. Nun pilgerten Glücksspieler aus aller Welt nach Deutschland. In Baden-Baden, Bad Homburg und Wiesbaden, in Bad Ems, Bad Nauheim und Bad Pyrmont begann die große Zeit der Spielbanken.

Das Innere des Casino Baden-Baden
Das Innere des Casino Baden-Baden

Der berühmte russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski verarbeite seine deutschen Casino-Erfahrungen im Roman „Der Spieler“. Den puritanischen Preußen war die „Belle Epoque“ des Glückspiels nicht geheuer. Nach der Reichsgründung mussten 1872 alle deutschen Spielbanken schließen. Francois Blanc, der das Casino in Bad Homburg zu internationaler Bedeutung geführt hatte, brachte daraufhin die Spielbank in Monte Carlo zur Blüte.

Inzwischen florieren Casinos in der ganzen Welt. Roulette, Black Jack, Baccara und Poker-Varianten werden unter anderem angeboten. Daneben boomt das Business mit den Spielautomaten, mit Slotmachines und anderem Gerät, das klingelt, heult und scheppert, wenn bei einer Super-Serie Münzgeld pfundweise ausgeworfen wird.

Auch Casinos gehen mit der Zeit. Manches hat sich geändert. Die Etikette spielt nicht mehr die gleiche Rolle wie früher. Allerdings bestehen traditionelle Spielbanken noch immer darauf, dass die Herren der Schöpfung nur mit Krawatte und Sakko ihr Glück versuchen dürfen. Sneakers sind ein No-Go.

Typologie des Glücksspiels

Ein spannendes Kapitel ist die Psychologie der Spieler. Colin Mac-Gregor, der lange als Inspektor und Kartendealer in großen Casinos in Südafrika und Holland arbeitete, hat die unterschiedlichen Charaktere jahrelang studiert. Professionelle Gambler treten seiner Erfahrung nach unscheinbar auf.

Bei einer Tasse Tee oder einem Wasser sitzen sie am Roulettetisch und notieren akribisch jedes Zahlenfeld, auf dem die Kugel stoppt. Rot oder schwarz, gerade oder ungerade, alles wird vermerkt. Die Einsätze sind bei solchen Berufszockern so niedrig wie das Limit, das sie sich setzen. Die meisten sind zufrieden, wenn sie am Tag mit einer Summe von unter 100 Euro die Spielbank verlassen.

High Roller - von Spielern bewundert, von Casinos gefürchtet
High Roller – von Spielern bewundert, von Casinos gefürchtet

Es gibt auch nervösere Leute, die an Serien und ihr Ende glauben. Fällt fünfmal Schwarz, setzen sie auf Rot. Kommt wieder Schwarz, bleiben sie bei ihrer Farbe und erhöhen die Summe auf das Doppelte. Verluste mit aller Macht ausgleichen zu wollen, ist gewagt. Es ist verbürgt, dass einmal Schwarz 26 mal hintereinander fiel. All diejenigen, die wieder und wieder auf Rot gesetzt hatten, waren schockiert. „Manche Leute verstehen die einfache Mathematik nicht“, sagen Experten. „Bei jedem neuen Versuch stehen die Chancen fifty-fifty.“

Natürlich entdeckt man im Casino auch glamouröse Persönlichkeiten. Doch die Freigiebigkeit der Big Spender, die mit ihren Jetons scheinbar um sich werfen, kann täuschen. Wer reich ist, möchte es gern bleiben. Hinter dem großen Auftritt stecken oft weder Leichtsinn noch Wahnsinn, sondern Strategie und die Absicht, rechtzeitig bei der erstbesten Gelegenheit mit sattem Profit auszusteigen. Aber nicht immer geht das Kalkül auf.

Gesamtkunstwerk Spielbank

Dass am Ende die Bank gewinnt, gilt als Binsenweisheit, die sich mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung deckt. Dennoch fürchten Spielbanken „High Roller“, die den Laden sprengen könnten. Festgelegte Höchstbeträge sollen verhindern, dass ein gigantischer Gewinn das Casino in die Zahlungsunfähigkeit treibt. Der Höchsteinsatz für einfache Chancen beträgt hierzulande beim Roulette allgemein das 1.200-Fache des Minimums – das wären 12.000 Euro bei einem Grundeinsatz von 10 Euro.

Wer im Leben an die eigene Chance glaubt, den beflügelt die Atmosphäre.

Hasardeure sind unter den Besuchern selten. Die Masse genießt die Stimmung und setzt nur äußerst vorsichtig. Doch selbst die Risikoscheuen fühlen ein Prickeln, wenn sie auf dickem Teppich ein prachtvolles Casino betreten. Das liegt nicht nur an den exorbitanten Gewinnsummen, die in der Phantasie herumspuken.

Eine Spielbank ist vor allem ein Gesamtkunstwerk. Schwere Kristalllüster spenden sanftes Licht. Barkeeper schenken coole Drinks ein. Restaurants bieten eine Vielzahl von Genüssen. Gleich nebenan läuft vielleicht ein Showprogramm. Alles spricht die Sinne an. Und dann liegt eben diese seltsame Spannung in der Luft. Wem winkt diesmal der große Gewinn? Wer im Leben an die eigene Chance glaubt, den beflügelt eine solche Atmosphäre.

Traumpaläste für das Glück

Kugeln rollen, Karten werden aufgedeckt – und es ist zum Greifen nah, das ganz große Casino-Glück. Kaum einer kann sich der Magie entziehen, die Spielbanken versprühen. Wir stellen einige der schönsten, außergewöhnlichsten und exklusivsten Casinos der Welt vor.

Bellagio

Das Bellagio in Las Vegas
Das Bellagio in Las Vegas

Seit das Hotel Bellagio mit seinem Casino den Hauptschauplatz der Filme „Ocean’s Eleven“ und „Ocean’s 13“ lieferte, pilgern noch mehr Neugierige zu diesem extravaganten Anwesen. Doch auf George Clooney alias Danny Ocean, der im Film 160 Millionen Dollar aus dem unterirdischen Tresor raubte, warten sie wohl vergeblich.

Die 1998 eröffnete Anlage liegt an einem künstlichen See. Flaneure freuen sich auf die in regelmäßigen Abständen aus 1.200 Düsen gespeiste computergesteuerte Wassershow.

Innen können die Glücksspieler darauf vertrauen, dass ihnen das Casino ein hochprofessionelles und vielfältiges Angebot unterbreitet. Auch diejenigen, die nur beobachten wollen, kommen auf ihre Kosten. Denn für die 8.000 Mitarbeiter ist der Kunde König. Eigentümer ist MGM Resorts International. Dem Unternehmen gehört noch eine Reihe anderer bekannter Las-Vegas-Hotels.

The Ritz Casino

Der Schweizer Hotelier César Ritz eröffnete das Luxushotel mit neoklassizistischer Fassade in London am 24. Mai 1906. Das Ritz verfügte als erstes Etablissement in Großbritannien in jeder Suite über ein eigenes Badezimmer. Das Ritz Casino im früheren Ballsaal ist für alle Gäste des Ritz rund um die Uhr geöffnet. Es bietet American Roulette, Black Jack, Punto Banco und Three Card Poker.

The Ritz Casino in London
The Ritz Casino in London

Wer allerdings die ultraexklusiven Privaträume nebenan betreten möchte, muss nachweisen, dass er über ein beträchtliches Vermögen verfügt. Hier wird mit Summen gespielt, die anderswo undenkbar wären. Die zugelassenen Gäste aus der High Society schwärmen vom besten Service auf der Welt. Schon am Flughafen werden sie von einem Chauffeur mit großer Limousine empfangen. Das Ritz Casino gehört den Milliardärs-Zwillingen Sir David und Sir Frederick Barclay.

Marina Bay Sands

Das 20 Hektar große Ressort an der Marina Bay in Singapur eröffnete Las Vegas Sands im Jahr 2010. Das spektakuläre Projekt ist zum Wahrzeichen des Stadtstaats geworden: Drei 55-stöckige Hoteltürme tragen auf einer Höhe von 191 Metern einen 340 Meter langen Dachgarten. Architekt Mosche Safdie hat Spielkartenstapel als Vorlage verwendet. Den Entwurf segneten Feng-Shui-Meister ab.

Das Marina Bay High Roller - von Spielern vewundert, von Casinos gefürchtetSands Resort in Singapur
Das Marina Bay Sands Resort in Singapur

Das Casino mit mehr als 500 Tischen und rund 2500 Einarmigen Banditen bildet das Herzstück des Komplexes, der rund 4,6 Milliarden Euro kostete und den Singapur-Tourismus ankurbeln sollte. Ein Konferenz- und Ausstellungszentrum, ein Kunst- und Wissenschaftsmuseum, zwei Theatersäle, diverse Restaurants mit Spitzenköchen, Bars und Nachtclubs, ein Einkaufscenter und zwei schwimmende Pavillons sorgen für reichlich Abwechslung.

The Venetian

The Venetian in Macao
The Venetian in Macao

Macao gilt als das chinesische Las Vegas. Jährlich kommen 28 Millionen Glücksspieler in die frühere portugiesische Kolonie und bescheren der Stadt weit höhere Einnahmen als dem US-Konkurrenten in der Wüste von Nevada. Die beste Adresse ist das Venetian, das mit seinem Campanile Venedig – dem Ursprungsort der Casinos – Referenz erweist. Die 2007 eröffnete Anlage direkt an der Küste gehört mit seinen 980.000 Quadratmetern nach der Nutzfläche zu den größten Gebäuden der Welt.

Es beherbergt ein Spitzenhotel, viele Unterhaltungsorte und die Spielbank mit 800 Spieltischen und 3.400 Geldspielautomaten. Bei diesem Gigantismus den Überblick zu behalten, fällt nicht ganz leicht. In den zahlreichen Restaurants mit chinesischer, japanischer und westlicher Küche kann man sich stärken und erholen. In der Veranstaltungsarena finden 15.000 Zuschauer Platz.

Spielbank Monte Carlo

Das Casino hat den monegassischen Zwergstaat an der Côte d’Azur weltberühmt gemacht und die Fürstenfamilie Grimaldi in die bunten Blätter katapultiert. Dabei war der Start Mitte des 19. Jahrhunderts sehr holprig. Erst als Francois Blanc, der die Spielbank in Bad Homburg gegründet hatte, 1863 die Konzession übernahm, ging es aufwärts. Er trieb auch den Bau von Hotels, der Uferstraße und der Bahnlinie voran.

Die Spielbank von Monte Carlo
Die Spielbank von Monte Carlo

Für etliche Jahrzehnte wurde der Staatshaushalt Monacos durch das im Belle-Epoque-Stil errichtete Spielcasino gedeckt. Hier und im angrenzenden Hôtel de Paris trafen und treffen sich die Schönen und Reichen. Die eleganten Räume mit bemalten Decken und goldenen Verzierungen versetzen in eine andere Epoche. 2011 wurde das Gebäude komplett renoviert und eine neue Terrasse hinzugefügt. Sie erlaubt das Spiel unter freiem Himmel mit Meeresblick.

Sun City

Auf dem höchsten Hügel von Sun City schaut The Palace of the Lost City auf die Besucher herab. Inspiriert vom Mythos eines untergegangenen afrikanischen Königreichs, erfindet der Prunkbau eine große Vergangenheit mit Mosaiken, Fresken und Fontänen, umgeben von einem üppigen botanischen Garten mit Bächen und Wasserfällen. Der Hotel-Palast mit Casino gehört zum Sun City Resort mit weiteren Spielbanken, Shows sowie luxuriösen Wohn- und Sportanlagen.

The Palace of the Lost City in Sun City, Südafrika
The Palace of the Lost City in Sun City, Südafrika

Slot Machines, Blackjack, Roulette und manch anderes warten auf täglich bis zu 40.000 Touristen. Die im Dezember 1979 gestartete Freizeitanlage liegt etwa 150 Kilometer von Johannisburg und der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria entfernt. Viel Prominenz ist hier schon aufgetreten, unter anderem Elton John, Frank Sinatra, Cher, Rod Stewart und Tina Turner.


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