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Elena Salmistraro: Ausnahmetalent der Designszene

Elena Salmistraro zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der internationalen Designszene und laut Forbes Magazin Italia zu den erfolgreichsten Frauen ihres Landes. In diesem Jahr war sie Designerin des Jahres der Frankfurter Messe Ambiente, für die sie „The Lounge“ gestaltete. Von Sabine Börchers (Text) und Michael Hohmann (Foto)

Die Messegäste sitzen auf hellblauen Sofas oder goldfarbenen Ovalen vor rosafarbenen Wänden. Ausstellungsobjekte stehen geschützt unter blauweißen Kuben, die zu allen vier Seiten geöffnet sind oder auf langgezogenen Tischen in Altrosa, die auf türkisfarbenen Beinen ruhen. „The Lounge“ strahlt den Charme und die Fröhlichkeit eines Kinderzimmers aus. Die Künstlerin und Produktdesignerin Elena Salmistraro, die in diesem Jahr „Ambiente Designerin 2024“ war und dafür eigens die Sonderschau unter dem Motto „A Serious Game“ entwickelte, ist bekannt für ihre fantasievollen und farbenfrohen Designs.

„The Lounge – A serious Game“ von Elena Salmistraro greift spielerisch die Formensprache der Galleria von Oswald Mathias Ungers auf (Foto: Messe Frankfurt)
„The Lounge – A serious Game“ von Elena Salmistraro greift spielerisch die Formensprache der Galleria von Oswald Mathias Ungers auf (Foto: Messe Frankfurt)

In der Galleria von Oswald Mathias Ungers auf dem Frankfurter Messegelände schuf sie einen multifunktionalen Lebensraum, der wie eine Lounge gestaltet war und zugleich an eine Kunstinstallation erinnerte. Mit ihren wie Dächer wirkenden Kuben nahm sie zugleich die ikonische Bogenform von Ungers Galleria-Gebäude spielerisch wieder auf. Ihr humorvoller Umgang mit zeitgenössischen Designvorstellungen animierte zugleich die Besucher dazu, in ihre bunte Welt einzutauchen. „Design ist fluide, verändert sich ständig und folgt der Gesellschaft und ihren Bedürfnissen“, sagt sie dazu.

Ausnahmetalent Elena Salmistraro

Was nach Spiel und Spaß klingt, ist aber eben ein „serious game“ und soll durchaus alternative Visionen des Zusammenlebens zeigen. Eine Lounge im Hotel, am Flughafen oder auf einer Messe ist ein öffentlicher Raum, ein Ort des kurzen Verweilens, an dem gearbeitet, gelesen, gegessen oder sich unterhalten wird. Die Designerin setzt damit einen wichtigen Akzent, denn in unserer dynamischen und hybrid arbeitenden Gesellschaft werden solche sich stetig verändernden und vielseitigen Lebensräume immer wichtiger.

Elena Salmistraro ist in diesem Jahr Ambiente Designerin 2024
Elena Salmistraro ist in diesem Jahr Ambiente Designerin 2024

Bei Elena Salmistraro sind diese neuen Räume ansprechend und expressiv gestaltet: „Farben und ungewöhnliche Farbkombinationen sind ein grundlegendes Element des Projekts: Sie verleihen ihm Charakter und eine eigene Energie, vermitteln Emotionen und erzählen eine Geschichte“, erläutert sie ihren Entwurf. Ihr Ziel sei es, eine emotionale Wirkung auf die Menschen zu haben und ihnen ein gutes Gefühl zu geben.

In der Designszene galt die 1983 geborene Italienerin vor einigen Jahren als Ausnahmetalent und Shootingsstar. Mittlerweile sind ihre Entwürfe vielfach international ausgezeichnet. Sie kooperiert mit renommierten Kunst- und Designgalerien. Ihre Werke sind in Ausstellungen und Museen weltweit zu sehen. „Meine Kreationen sind das Ergebnis einer Kombination aus Kunst und Design“, sagt sie selbst.

Für Ceramica Flaminia designte Elena Salmistrao das Aufsatzbecken Spire
Für Ceramica Flaminia designte Elena Salmistrao das Aufsatzbecken Spire

Begonnen hat sie einst mit Modeentwürfen. In Brera besuchte sie die Kunstschule und machte 2003 ihren Abschluss in Modedesign. Fünf Jahre später folgte ein zweiter Abschluss in Industriedesign an der Polytechnischen Universität in Mailand, an der sie heute lehrt. Von Anfang an schaute sie in ihrem eigenen Studio, das sie 2009 mit ihrem Mann, dem Architekten Angelo Stoli, in Mailand gründete, über die Grenzen der Disziplinen hinaus. Ihre Projekte reichen von Architektur über Design bis zur Mode, von der Illustration bis zur bildenden Kunst.

Ikonische Primaten

Berühmt und im italienischen Design zur Ikone geworden sind ihre „Primaten“, die sie 2017 für die venezianische Keramikwerkstatt Bosa entwarf. Es sind drei unterschiedliche handbemalte Porzellanvasen in Form von farbenfrohen Affenköpfen, die für einen zeitgenössischen Primitivismus stehen. Auch Glockenspiele in Form von massigen Hunden und Tapeten mit einem gelangweilten Kakadupaar zählen zu ihren tierischen Objekten.

„Mailand als europaische Designmetropole hat meinen Stil und meinen Blick fur Asthetik sehr geprägt.“ – Elena Salmistraro

Sie lässt sich aber nicht nur von der Natur inspirieren. Mythen, Traditionen und verschiedene Kulturen beeinflussen ihren Stil ebenso wie die Mode und die Streetart. Dabei ist immer wieder ihre Liebe zum Detail und zu harmonischen Formen sichtbar. „Mailand als europäische Designmetropole hat meinen Stil und meinen Blick für Ästhetik sehr geprägt. Die Einflüsse von italienischem Design, Innovation und Tradition finden sich immer in meinen Projekten wieder“, stellt sie fest.

Mit der Vasenkollektion Primates Brazza von Bosa wurde Elena Salmistraro bekannt
Mit der Vasenkollektion Primates Brazza von Bosa wurde Elena Salmistraro bekannt

Mickey Mouse und Lagerfeld

Zugleich hat Elena Salmistraro bereits für zahlreiche namhafte Unternehmen gearbeitet wie Apple, Microsoft, Ikea, Lavazza oder Nike. Für Steinway & Sons und Disney entwarf sie kürzlich einen weißen Flügel mit Mickey-Mouse-Figuren, für Alessi die Schmuckkollektion „Venusia“ mit 13 unterschiedlichen Ringen, Ohrringen, Armbändern und Ketten aus Edelstahl, für die sie mit verschiedenen Metallverfahren arbeitete.

Für Bosa entstand eine Neuinterpretation der wie sein Vorbild bereits ikonisch gewordenen kleinen Standfigur von Karl Lagerfeld. Unter dem Titel „Pop Karl“ zeigt sie den verstorbenen Modedesigner in seiner typischen Haltung mit fingerlosen Handschuhen. Allerdings trägt die 40 Zentimeter hohe Figur nicht Schwarz, sondern lilafarbene Weste mit Goldkragen, goldene Schuhe und Goldrandbrille.

Lagerfeld mal anders. Die Keramikfigur Pop Karl designte Elene Salmistraro für Bosa
Lagerfeld mal anders. Die Keramikfigur Pop Karl designte Elene Salmistraro für Bosa

Sowohl bei ihren Installationen als auch im Produktdesign legt Elena Salmistraro besonderen Wert auf Nachhaltigkeit. „Ich verwende Naturmaterialien wie Keramik, Holz, Stein oder Marmor und entwickle hochwertige, langlebige und zeitlose Designs.“ Dass ihre Entwürfe manchmal genau in der Mitte zwischen Kunst und Industriedesign liegen, zeigt das Keramikkunstwerk „Hotel Chimera“ , das sie vor einigen Jahren in der Fußgängerzone von Mailand ausstellte, wo sie zugleich ihre Kollektion von Wandkeramik mit dem Titel „Chimera“ für das Unternehmen Florim präsentierte.

„Menschen zusammenzubringen und mit ihnen durch meine Designs zu kommunizieren. Das ist es, was mich antreibt.“ – Elena Salmistraro

Wichtig sei ihr die Zusammenarbeit mit lokalen Architekten, Designern und Kunsthandwerkern, sagt sie. „Meine Produkte sind also alle ‚Made in Italy‘.“ Sie sind Objekte, aber zugleich immer eng mit Emotionen verbunden – durch die Materialien ebenso wie im Design. Mit ihnen spricht sie den Betrachter, den Käufer direkt an. „Das ist es, was mich antreibt: Menschen zusammenzubringen und mit ihnen durch meine Designs zu kommunizieren.“


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