Im Rheingau hängen die Trauben tief. Es wird einem leicht gemacht, gut zu essen und zu trinken. Gutsschänken und Toprestaurants, Spitzenweingüter und junge Winzer machen aus der Region ein Ausflugsziel mit hohem Lustfaktor. Von Ludwig Fienhold

Die Küche im Kronenschlösschen hat einen Quantensprung gemacht. Sebastian Lühr ist in Hochform, das fabelhafte geschmorte Ochsenschwanzragout, schichtweise im großen Glas mit Spinatcreme, Nussbutterschaum, pochiertem Wachtel-Eigelb und Perigord-Trüffel serviert, ist bereits zum Signature-Gericht geworden. Großartig auch die lustvolle Kombination aus Kabeljau, Bratkartoffelgelee, Kohlrabi und einer Creme von Tafelspitz und Butter. Stets ein Highlight sind die Gänselebergerichte, etwa die marinierte Gänseleber mit geeistem Mandarinenöl und mehr noch die asiatisch gewürzte pochierte Entenleber mit Mango, Erdnuss und Schweinekinn. Der 36 Jahre alte Lühr, der unter anderem bei den Großmeistern Hans Stefan Steinheuer und Joachim Wissler Feinschliff erhielt, steht für eine finessenreich veredelte Landhausküche, die ausdrucksvoll und doch leicht dabei ist. Im adretten Wintergarten-Bistro neben dem Gourmet-Restaurant gibt es eher deftige Delikatessen à la Rinderroulade oder Schweinebäckchen zu netten Preisen, wobei die Küche grundsätzlich ein Händchen für Schmorgerichte hat.

Die Weinkarte des Kronenschlösschens ist legendär, es sind 2.705 Positionen gelistet, im Natursteinkeller lagern rund 50.000 Flaschen. Der Service weiß sie fachkundig einzusetzen. Florian Richter und Helge Hagen können sich großer Bordeaux, klassischer Burgunder, gereifter Rieslinge und vieler Raritäten bedienen. Schön, dass sie aber auch gerne Weine für ein kleines Budget anbieten, etwa den knackig-frischen und ungemein trinkfreudigen Riesling „Von Unserm“ vom Weingut Balthasar Ress, das in der Nachbarschaft zu finden ist und gerne Besucher empfängt.

Sebastian Lühr - Chef de Cuisine
Sebastian Lühr – Chef de Cuisine

Für ein romantisches Rendezvous gibt es im Rheingau keinen schöneren Platz als das märchenhafte Kronenschlösschen. Man tafelt in romantischer Atmosphäre, umgeben von Antiquitäten und ausgesuchtem Dekor. Auch die Terrasse ist der richtige Ort, um die Freundin zu bezaubern und die Schwiegermutter zu beeindrucken. In dem Privatpark lässt es sich umgeben von Sumpfzypressen und Rosenbeeten unter einer 300 Jahre alten Platane und einem kraftvollen Mammutbaum schwelgen. Es kommt Urlaubsgefühl auf. Der Gast wird in Champagnerlaune versetzt, alleine über 80 Edelperlen warten darauf, entploppt zu werden. Ein Besuch kann leicht zu einem Bacchanal werden, es ist ratsam, eines der 18 luxuriösen und individuellen Zimmer zu reservieren. Alle sind sie sehenswert und mit Marmorbädern ausgestattet, doch die aristokratisch-umflorte Turmsuite ist von einer ganz besonderen, schon mystischen Aura.

Das Kronenschlösschen hat eine spannende Geschichte. Das Haus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von einem Frankfurter Galeristen errichtet, der es als Wohnhaus und Ausstellungsstätte für seine Künstler nutzte. 1880 erwarb es Gastwirt Balthasar Ress, der es erweiterte und als Hotel betrieb. In den Jahren 1947 und 1948 konferierten Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Carlo Schmid wochenlang in der heutigen Turmsuite, um das Deutsche Grundgesetz vorzubereiten.

Wintergarten-Bistro Kronenschlösschen
Wintergarten-Bistro Kronenschlösschen

Die Familie Ress verkaufte das Kronenschlösschen 1980 an den Multi-Gastronomen und Disco-König Gerd Schüler, der das Hotel zum „Magic Castle“ umbauen wollte. Nach drei Jahren verlor er jedoch das Interesse – das Haus kam in andere Hände und verwahrloste mit der Zeit. Wegen Einsturzgefahr wurde es schließlich stillgelegt und zwangsversteigert. 1990 kauften das Gebäude dann der Frankfurter Rechtsanwalt H. B. Ullrich und seine damalige Frau Irene Hufnagel, bauten es vollständig auf und renovierten es aufwendig für einen zweistelligen Millionenbetrag. Seit 1992 kann man in dem Schmuckkästchen wohnen, das erst seitdem Kronenschlösschen heißt und schöner denn je aussieht. Das schnucklige Hotel ist seit 19 Jahren außerdem Austragungsort des Rheingau Gourmet- und Wein-Festivals, das Köche und Winzer aus aller Welt in die Region bringt und längst zu den bedeutendsten kulinarischen Events weltweit zählt.

Rustikales trifft auf Raffiniertes

Franz Keller, Koch, Viehzüchter und Unterhaltungskünstler, hat die Küche in der Adler-Wirtschaft in Hattenheim zwar längst an seinen Sohn übergeben, doch sein unbändiger Geist schwebt nach wie vor über dem Dielenboden. Manchmal auch in Form eines Transparents gleich über dem Eingang: Der Rheingau sagt „Nein zu Windrädern!“, Franz Keller und sein gleichnamiger Sohn sagen aber Ja zu gutem Essen. Blutwurst und Lyoner Wurst kommen vom Bunten Bentheimer Freilandschwein, Rindfleischsalat und geschmorte Roulade von Charolais-Rindern, die beide auf dem eigenen Falkenhof im Hintertaunus gezogen werden. Die völlig unprätentiöse und doch auf gute Produkte setzende, herzhafte Küche hat grenzüberschreitend ihre Liebhaber gefunden. Stammtischgruppen mit Platzhirschgebahren treffen auf neugierige Touristen und individuelle Reisende, für die Hemdsärmeligkeit kein Hinderungsgrund ist. Die angenehm unmodischen Tropfen vom Wallufer Weingut J. B. Becker passen besonders gut zum knorrigen Charme der Adler-Wirtschaft. Gleich um die Ecke wartet mit dem historischen Krug eines der schönsten Lokale im Rheingau. Großväterliche Gemütlichkeit und Kachelofenromantik geben die stimmungsvolle Kulisse für üppige Gelage mit Taunus-Wildschwein, Wispertal-Forelle und walisischem Weidelamm. Der Küche gelingt der Spagat zwischen deftigen Evergreens und modern interpretierten Klassikern. Unter den über 500 Positionen der stattlichen Weinkarte finden sich viele Seelentröster.

Der interessanteste Newcomer in der Gastronomie im Rheingau ist Johannes Frankenbach. Nach Stationen bei hochkarätigen Adressen wie Heinz Winklers Residenz in Aschau und dem Schloss Berg an der Mosel von Christian Bau kehrte er in den elterlichen Betrieb zurück, der aus Hotel, Restaurant und Konditorei besteht. Frankenbach erdet die Hochküche mit Bodenständigkeit und verbindet Rustikales mit Raffiniertem. Die Speisekarte ist so aufgebaut, dass sie weltoffenen Gourmets ebenso gefallen kann wie konservativen Kostgängern. Das ist geschickt und auch notwendig, denn das Restaurant kann nicht allein von Besuchern aus Frankfurt, Wiesbaden und anderen Städten leben, sondern muss auch das regionale und lokale Publikum ansprechen. Jedem Bissen wohnt handwerklich fundierte Feinfühligkeit inne. Das merkt man bereits beim Appetithappen, der Entenleber in Portweinjus. Eine konfierte Entenkeule ist an sich nicht spektakulär, doch wenn sie so hinreißend saftig und mit Knusperhaut zubereitet wird wie hier, dann kommt Begeisterung auf. Beilagen sind bei Frankenbach keine Nebensache, solche Kartoffelklöße mit brauner Butter in Perfektion sind selten geworden. Famos auch die Patisserie, die Zimtmousse im Krokant mit Kumquats offenbart wie alles bei Frankenbach großes Geschmackstalent. Kein belangloser Schick und auch keine formelle Atmosphäre stören, die gemütvolle Gaststube lädt zu entspannten Tafelfreuden bei fairen Preisen.

Sternekoch Dirk Schröer
Sternekoch Dirk Schröer

Die Burg Schwarzenstein in Johannisberg liegt traumhaft schön zwischen Weinbergen und einer mediterranen Parklandschaft einsam auf einer Höhe und überblickt das beschauliche Rheintal. Wegen dieses einmaligen Panoramas zählen das Burgrestaurant und sein Wintergarten zu den besonders aussichtsreichen Plätzen in der Region. Doch Burg Schwarzenstein ist auch kulinarisch auf der Höhe. Während im Burgrestaurant Klassiker wie die Rinderroulade mit Kartoffelstampf und Rotkohl serviert werden, geht es im Gourmetrestaurant hochwertiger zu. Sicher, es gibt Hummer, Langusten oder Gänseleber, doch mindestens genauso interessant ist es zu sehen, was Küchenchef Dirk Schröer und sein Team aus vermeintlich einfachen Produkten wie dem Wollschwein zu zaubern vermögen. Oder umgekehrt, wie er aus Wagyu-Rind einen edel-rustikalen Tafelspitz macht. Die festliche Kulisse von Burg Schwarzenstein führt zu erhöhter Feierbereitschaft. Das merkt nicht nur Sommelier Michel Fouquet. Burgherr Michael Teigelkamp und seine Frau Stephanie arrangieren jedes Jahr viele Hochzeiten, die meist von einem Feuerwerk begleitet werden. Einige Anwohner stören sich daran und können sich nicht mitfreuen. Doch für die Burg Schwarzenstein sind solche lebensfrohen Feste eine überlebenswichtige Einnahmequelle.

Logenplatz im Weinberg

Burg Schwarzenstein
Burg Schwarzenstein

Über zehn Jahre lang war das Graue Haus in Oestrich-Winkel der Inbegriff fortschrittlicher und doch dem Boden naher Spitzenküche. Das Graue Haus ist längst Geschichte, aber der damalige Sternekoch Egbert Engelhardt bereichert die Region weiterhin mit kulinarischen Blitzlichtern. Engelhardt steht zwar nicht mehr selbst am Herd, führt aber Regie bei gleich drei besonders lohnenswerten Zielen im Rheingau – Gutsausschank im Baiken und Anleger 511 in Eltville sowie Schwarzes Häuschen in Hattenheim. In der Weinbergslage Baiken sitzt man auf einem Logenplatz im Rheingau. Dieser Ort beschert bloßes Dasein, man könnte stundenlang nur dösen oder zwischen den Rebzeilen lesen. Man würde dabei aber die richtig gute und leidenschaftliche Küche von Miguel Sattler verpassen. Einen saftigen Schweinebauch mit krosser Kruste nebst schlotzigen Spätzle in kraftvoller Jus. Oder die vortreffliche geschmorte Lammschulter, das Filet vom Jungschwein und die Wildbratwurst. Und auch diese saftige, würzige, pralle, sexy Frikadelle, diese Marilyn Monroe unter den Klopsen. Man schwelgt und schwelgt und wird erst wieder durch Eva Förster geweckt, die ein neues Glas Riesling serviert. Sie darf das, denn ihr Lachen passt zur Frikadelle. Dass dieser Wonneproppen so gut ist, hat seinen Grund. Regionales Fleisch und frische Kräuter werden handwerklich perfekt zu einem Spitzenprodukt, einer Gourmet-Bulette, wie es keine zweite gibt. Sie wird im Baiken mit gutem Brunnenkresse-Risotto und anderen wechselnden Beilagen aufgetischt. Küchenchef Miguel Sattler kocht mit Verve und verwendet Erzeugnisse aus der heimischen Landwirtschaft. Das Fleisch für das saftige Rumpsteak wird wie früher am Knochen abgehangen und nicht wie heute aus Kostengründen üblich unter Vakuum gereift. Die traditionelle Methode macht es zarter und bringt mehr Geschmack. Gut sind auch die Kleinigkeiten im Gutsausschank, der marinierte Rhöner Tafelspitz mit Strauchtomaten, Frühlingszwiebeln, Kürbiskernen auf geröstetem Sauerteigbrot oder das Sortiment vom Eltviller Käseladen mit Traubenkompott. Probieren sollte man außerdem das Sauerampfer-Eis mit marinierten Erdbeeren und Vanilleschmand. Der Service im Gutsausschank ist außergewöhnlich gut, Eva Förster führt mit entspannter Natürlichkeit ein durch und durch gastfreundliches Team, wie es auch jedes Spitzenrestaurant auszeichnen würde. Dass sich die Qualität für einen Gutsausschank auf einem solchen Niveau bewegt, liegt an Küchenchef Sattler und an dem Betreiber Egbert Engelhardt, dem kreativen Kopf der „11ten Generation“, die von Eltville aus die Region mit originellen Ideen und guten Erzeugnissen versorgt. Inzwischen gibt es sogar eine eigene Weinlinie, der im großen Eichenfass gelagerte Riesling Rauenthaler Baiken vom Kloster Eberbach gehört zur Edition 11te Generation und zeigt Statur.

Gänsestopfleber mit Cantaloupemelone in der Burg Schwarzenstein
Gänsestopfleber mit Cantaloupemelone in der Burg Schwarzenstein

Egbert Engelhardt führt neben dem Gutsausschank im Baiken noch ein anderes Juwel: das Lokal Anleger 511 in Eltville. Unmittelbar am Fluss, dem Rheinkilometer 511 gelegen, wurde es schnell zu einem höchst beliebten Ankerplatz, wobei man das Gefühl hat, an der Reeling eines Schiffes zu stehen. Die über 100 Jahre alte denkmalgeschützte ehemalige Rheinhalle wurde seinerzeit für fast eine Million Euro saniert. Das Kleinod aus Sandstein, Fachwerk und Schmuckornamenten an der schönen Eltviller Flusspromenade glänzt als großartige Location mit Panoramablick. Rheingauer Rieslinge und Sekte sind selbstverständlich, daneben stehen aber auch verschiedene „Longwines“ im großen Glas bereit, Drinks mit Minze und Ingwer oder Basilikum und Limone. Die Küche schafft mit ihrer kleinen Speisekarte sehr geschmeidig die Biegung von bodenständig zu modern. Das knusprige Teriyaki-Hühnchen mit Glasnudelsalat schmeckt ausgezeichnet, doch will man auch hier die schönen Deftigkeiten der „11ten Generation“ haben: Frikadelle und Bratwurst demonstrieren, dass solche kulinarischen Gassenhauer genau so großartig sein können wie sogenannte Luxusprodukte. Die mit frisch gemahlenen Gewürzen und Gartenkräutern abgerundete Bratwurst ist ein saftig-würziger Naturbursche ohne künstliche Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker und braucht nur den tollen hausgemachten Meerrettichsenf, um glücklich zu machen. Die Imbissbude vor der Tür gehört ebenfalls zum Lokal Anleger 511. Dort bekommt man eine erstklassige Currywurst mit selbstgemachter Sauce und wahlweise drei verschiedenen Currymischungen von Gewürz-Pionier Ingo Holland.

Im Schwarzen Häuschen in der berühmten Steinberglage von Kloster Eberbach wächst man als Gast geradezu mit dem Wein zusammen. Das Weinberghäuschen selbst ist winzig, man darf deshalb keine richtige Küche erwarten, Vesperplatte und Ochsenmaulsalat im Gläschen sind aber gut, zumal man eine grandiose Aussicht gratis dazu serviert bekommt. Der Steinberg ist eine der wertvollsten Lagen der Welt, die 30 Hektar gehören ganz dem Riesling. Die Mauer wurde im 18. Jahrhundert zum Schutz vor Traubendieben gebaut und schirmt jetzt vor Kaltluft ab.

Ein Maul voll Reben

Weingut Flick
Weingut Flick

Der Rheingau ist ein Fass ohne Boden, Gutsschänken und Weingüter ziehen sich von Flörsheim bis Lorchhausen. Künstler, Kesseler, Kühn, Jung, Weil, Spreitzer, Prinz oder Leitz gehören zur Spitze. Ress und J. B. Becker vertreten bestens den Ur-Typ des Rieslings. Trenz und das neue Weingut Bido-Runge muss man im Auge behalten. Gehörig im Aufwind befindet sich das Weingut Joachim Flick in Flörsheim-Wicker. Reiner Flick liefert brillante, straffe, mineralische und feinaromatische Rieslinge ab. Der Wickerer Nonnberg aus dem aktuellen Jahrgang 2013 ist vergnügt saftig und mit animierender Kräuterwürze und dezentem Birnenaroma ausgestattet. Ein Maul voll Reben. Ein Muss für Rieslingfreunde. Den Kelch der jungen aufstrebenden Winzer darf man auch nicht an sich vorübergehen lassen. Fabian Schmidt aus Hochheim und sein Weingut im Weinegg gehören zu den Entdeckungen, die man leider nicht am Wegesrand machen kann. Es lohnt sich, sein Versteck in der Altstadt aufzuspüren, dort wartet eine Palette blitzsauberer Weine. Keine Säuremonster, sondern klare, trockene, zitrusfrische Rieslinge. Der süffigtrockene Hochheimer Riesling Kabinett ist der beste Einstiegswein für Rieslingscheue, die trockene Riesling Spätlese aus der Lage Reichestal bringt durch eine elegante Frucht und ihre schlanke Linie sehr viel Trinkspaß. Man lernt angenehm ruhige entspannte Weine kennen, die wie Fabian Schmidt selbst sind. „Ich mag keine fetten plumpen Weine.“ Bei Preisen zwischen sechs und neun Euro bleibt auch die Geldbörse entspannt.

Chat Sauvage
Chat Sauvage

Viele hätten keinen Cent darauf verwettet, dass ausgerechnet in der Riesling-Bastion Rheingau Burgunder-Weine erfolgreich sein könnten: Chardonnay und Pinot Noir. Die Nische, die sich das Weingut Chat Sauvage suchte, hätte kaum kleiner sein können. Der Hamburger Kaufmann Günter Schulz, dessen Tochter in Eltville lebt, ist passionierter Weinsammler und Burgunderliebhaber. Er baute Tonstudios, etwa für Katja Ebstein, und besaß einst eine riesige Weinsammlung, die er größtenteils über Christie’s versteigerte, um seinen Traum vom eigenen Weingut zu verwirklichen. Vom ersten Jahrgang 2007 wurden nur 700 Flaschen erzeugt, die nachfolgenden machten bereits Furore. Der Chardonnay von Chat Sauvage ist kristallklar und animiert zum Weitertrinken – im Gegensatz zu vielen fetten überzüchteten Chardonnays, die langweilen und uns bereits nach dem ersten Glas müde und satt machen. Kellermeister Michel Städter überzeugt mindestens genauso mit seinen Pinot Noirs, die von tiefgründiger, kühler Aromatik sind. Leichte Erotik, kein plumper Sex. Gerade bei der Lage Rüdesheimer Drachenstein, unterhalb der Germania. Der Jahrgang 2012 ist trotz seiner Jugend schon sehr präsent, packt mit fleischiger und fast schon wolllüstiger Art. Die feinsinnige delikate Kräuterwürze ist hier markanter als bei den anderen Weinen von Chat Sauvage. Der Pinot aus der Lage Johannisberger Hölle aus dem gleichen Jahrgang zeigt eine ähnliche Handschrift, wird aber durch ein anderes Terroir geprägt, das ihn besonders geschliffen und elegant wirken lässt sowie aparte Aromen von Wildkräutern, Heidelbeere und Waldhimbeere offenbart. Wie fabelhaft dieser Wein zu reifen vermag, belegt der Pinot Johannisberger Hölle 2008: faunische Finesse, schwarze Johannisbeere, ein Hauch Holunder. Weltklasse. Die spannendste Neugründung in der Region, vielleicht im ganzen Land. Mehr Frankreich war nie im Rheingau. Würde nur noch Champagner fehlen. Den gibt es wegen des geschützten Gebietsnamens natürlich nicht. Aber doch solide Schaumweine von Bardong, Barth oder Breuer. Und irgendwie sogar doch Champagner. Mit Axel Kaltenbrunner erzeugt immerhin ein in Geisenheim ausgebildeter Önologe einen ungewöhnlichen Champagner, der den Rheingau und ganz Deutschland erobern soll. Als Partner fand Kaltenbrunner den Champagner-Winzer Arnaud Robert in Fossoy. „Wir wollen die Frische eines deutschen Winzersektes mit der Eleganz, Komplexität und Fülle eines Champagners kombinieren, meint Axel Kaltenbrunner und hofft, damit den richtigen Geschmack getroffen zu haben. Eva Happersberger heißt die elegante frische Perle, benannt nach der Großmutter der Familie. Das französische Restaurant Maloiseau in Wiesbaden hat sich bereits überzeugen lassen.

 

Rheingau

Informationen & Adressen

  • Kronenschlösschen
    Rheinallee, Eltville-Hattenheim
    Tel. 06723 – 64 0
    Restaurant und Bistro
    kronenschloesschen.de
  • Burg Schwarzenstein
    Rosengasse 32,
    Geisenheim-Johannisberg
    Tel. 06722 – 99 50 0
    burg-schwarzenstein.de
  • Restaurant Jean im Hotel Frankenbach
    Wilhelmstraße 13, Eltville
    Tel. 06123 – 90 40
    hotel-frankenbach.de/de/jean.htm
  • Gutsausschank Baiken
    Wiesweg 86, Eltville
    Tel. 06123 – 90 03 45
    baiken.de
  • Anleger 511
    Platz von Montrichard 2, Eltville
    Tel. 06123 – 68 91 68
    anleger511.de
  • Schwarzes Häuschen
    Domäne Steinberg,
    Eltville-Hattenheim
    Tel. 06123 – 99 97 06 5
    Geöffnet April – Oktober
    kloster-eberbach.de
  • Weinhaus & Hotel Zum Krug
    Hauptstraße 34, Eltville-Hattenheim
    Tel. 06723 – 99 68 0
    hotel-zum-krug.de
  • Adler-Wirtschaft
    Hauptstraße 31, Eltville-Hattenheim
    Tel. 06723 – 79 82
    franzkeller.de
  • Weingut Chat Sauvage
    Hohlweg 23,
    Geisenheim-Johannisberg
    Tel. 06722 – 93 72 58 6
    chat-sauvage.de
  • Weingut Joachim Flick
    Straßenmühle, Flörsheim-Wicker
    Tel. 06145 – 76 86
    flick-wein.de
  • Weingut im Weinegg
    Kirchstraße 38, Hochheim
    Tel. 06146 – 90 73 99 21
    weinegg.de