Seit nun 28 Jahren schlemmen sich die prüfenden Gaumen von Frankfurt geht aus durch die Restaurants der Mainmetropole, um Feinschmeckern einen kulinarischen Leitfaden zu bieten. Auch in diesem Jahr wurden Sterne-Tempel, exotische Geheimtipps, Imbissbuden und Lieferservices unter die Lupe genommen, und dennoch hat sich mit der kommenden Ausgabe so einiges geändert. Altbewährte Spitzenreiter wurden abgekanzelt und völlig unbekannte Newcomer stürmten die Siegertreppchen – ein Geschmack der Veränderung entfaltet sich in der neuen Ausgabe.

So finden sich statt der knackigen Sprüche, die in den Ausgaben zuvor humorvoll den Charakter der Restaurants bezeichneten („Wenn nicht jetzt, Wan Tan?“), unter den aufgelisteten Restaurants nun ein knapper Satz wieder, der Ambiente und kulinarische Linie kurz zusammenfast. Ebenfalls neu: Die Rubrik Burger, die sich im Zuge des Booms wohl kaum umgehen ließ. Angeführt wird die Liste der Burgermeister von Fletchers – ihr Slogan „Better Burger“ ist mit saftigem purem Fleisch und frischen Toppings Programm. Es folgen Jamy´s, Bareburger und Bully Burger, die wir bereits im Mai auf Bun und Patty geprüft haben.

Das La Cevi-Team - Daniel und Heidi Nawenstein mit Küchenchef Diego Velazquez
Das La Cevi-Team – Daniel und Heidi Nawenstein mit Küchenchef Diego Velazquez

Auch in aller Munde: Die peruanische Küche, die derzeit mit der kulinarischen Nationalperle Ceviche in zahlreichen Restaurants der Stadt brilliert. Hier schaffte der Neuzugang La Cevi, über den wir bereits in unserer Sommerausgabe im Rahmen des Artikels „Ceviche – eine Philosophie“ berichtet haben, den Sprung von Null auf den ersten Platz der Rubrik Lateinamerika. Doppelt glücklich: Inhaber Daniel Nawenstein, der neben der begehrten Urkunde jüngst den Gastro-Start-Up-Preis entgegennehmen durfte: „Ich kann es noch gar nicht realisieren, dass wir als Neuzugang direkt auf dem ersten Platz eingestiegen sind und in kurzer Zeit gleich mit zwei Auszeichnungen geehrt wurden.“

Christoph Kubenz (A casa di Tomilaia) mit seinem Restaurantklassiker „Spaghettoni Don Tommasino“
Christoph Kubenz (A casa di Tomilaia) mit seinem Restaurantklassiker „Spaghettoni Don Tommasino“

Doch nun zu einer weiteren Herzensangelegenheit, den Lieblingen. Überraschende Siegerplatzierungen gab es in dieser Rubrik seit Jahrzehnten nicht – unangefochten hielt sich die Institution Café Größenwahn auf dem Siegertreppchen. Umso spannender ist es, dass diese traditionsreiche Adresse in diesem Jahr von dem szenigen Chairs in Bornheim auf Platz 2 verdrängt wurde, das die Tester mit einfachen Gerichten in ausgezeichneter Qualität überzeugte. Auf Platz zwei findet sich – natürlich – das Cafe Größenwahn, gefolgt von der Heimat und dem A Casa di Tomilaia.

Ob innovative peruanische Küche, japanische Sake-Bars oder saftige Fleischbuletten – in diesem Jahr rührt sich in der gastronomischen Szene einiges, wofür nicht zuletzt spannende Neueröffnungen wie das Breeze by Lebua verantwortlich sind.

Elena Carriere mit dem sternedekorierten Breeze-Küchenchef Yip Mun Wai und GNTM-Gewinnerin Kim Hnizdo
Elena Carriere mit dem sternedekorierten Breeze-Küchenchef Yip Mun Wai und GNTM-Gewinnerin Kim Hnizdo

Die panasiatische Küche konnte dabei als Neueinsteiger aus dem Stand gleich in zwei Rubriken überzeugen und sich den ersten Platz der Kategorie Neueröffnung und Brunch sichern. Seit Juni steht im Übrigen Yip Mun Wai als Küchenchef hinter den Platten, der sich zuletzt im Hakkasan London einen Stern erkochte. Auch einen Besuch wert: Das Eatdoori (Platz 4), die J´Epoca Saka Bar (7) und Oinotheke (Platz 8).

Was uns wundert: Das Atelier Wilma von Michael Riemenschneider in der Schneckenhofstrasse, über dessen Eröffnung wir bereits im Februar berichtet hatten und das für uns einer der Newcomer des Jahres ist, belegt in der Kategorie Die spannendsten Neueröffnungen „nur“ Platz 9. Wir sind gespannt, ob Gault Millaut und & Co das auch so sehen.

Die Osteria Amoroso, in der von Ciriaco und Gianluca Amaroso bislang authentische Gerichte alla Mamma offeriert werden, kürt der Gourmet-Guide in der Kategorie Italien alla Mamma auf Platz 3. Doch wir wissen: der Laden in der Eckenheimer Landstrasse ist bereits verkauft. Mitte Juli ist an diesem Ort Schluss. Dafür dürfen sich die Liebhaber asiatischer Küche freuen, denn in die Räumlichkeiten der Osteria soll schon bald ein vietnamesisches Restaurant an den Start gehen – man darf gespannt sein, denn der zukünftige Betreiber hat ambitionierte Pläne. Amoroso selbst zieht es in die Innenstadt. Mit welchem Konzept und wohin genau, das verraten wir bald.

Die sardische Institution No. 16, deren Lokalschließung wir erst kürzlich verkündet hatten, fehlt erstmals in der Rubrik Lieblinge. Dabei erfuhren wir heute, dass Rosa, Vincenzo, Laura und Tomas Dessi, die das Lokal in zweiter Generation führen, eine neue Bleibe gefunden haben. Ab Ende August wird die kulinarische Geschichte in der Löwengasse 27a weitergeschrieben.

Das beste kommt zum Schluss

Küchenbrüder - André Rickert (Weinsinn) mit Jochim Busch aus dem Weinsinn-Bruder Restaurant Gustav
Küchenbrüder – André Rickert (Weinsinn) mit Jochim Busch aus dem Weinsinn-Bruder Restaurant Gustav

Die Top 5 der Rubrik Frankfurt Exklusiv: Auf dem 5. Platz findet sich das Sternerestaurant Seven Swans unter Küchenchef Jan Hoffman nur knapp hinter dem Weinsinn, das unter der Küchenregie von André Rickert moderne Haute Cuisine im Bistronomics-Stil auf die Teller bringt. Platz 3 belegt in diesem Jahr das Gustav, einer Zweitfiliale des Weinsinns, in dem Jochim Busch die Kochlöffel schwingt. Platz 2 geht, und nun halten sich die Überraschungsmomente in Grenzen, an Christoph Rainer aus dem Tiger-Gourmetrestaurant, während der goldene erste Platz an Andreas Krolik aus dem Lafleur geht.